Aussa mit de Depf

Foto: Angelo Lair
Foto: Angelo Lair

Sie ist frech, knackig, sexy und eine richtige Rampensau. Hannah aus Tirol erobert gerade mit ihrem Album Kinder vom Land die österreichische Chartspitze. Petra Lechner, wie die fesche Sängerin wirklich heißt, gab alles roger? ein Interview zu Emanzipation, Sex und Andreas Gabalier.


Von: Roland Hofbauer

Ihr Album steht in den Charts an der Spitze. Haben Sie mit so einem Erfolg gerechnet?

Was heißt ,gerechnet' - natürlich habe ich dieses Album Kinder vom Land geschrieben, um Erfolg zu haben. Hätte ich diese Absicht nicht gehabt, wäre ich falsch in meinem Beruf. Auf Platz eins bin ich aber zum ersten Mal eingestiegen, das hängt natürlich immer von vielen Faktoren ab, welche internationalen Stars kommen am selben Tag mit ihrem Album raus, welcher internationale Star stirbt vielleicht genau in der Release-Woche etc. Dass es dieses Mal geklappt hat und ich an der Spitze der Verkaufscharts stehe, ist ein Wahnsinnsgefühl, da könnte ich echt heulen, weil ich weiß, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat. Aber hinter so einem Erfolg steht immer ein ganzes Team, allen voran mein Mann, Willy Willmann, der mit mir die ganzen Songs schreibt und sie auch produziert. Mein Management, Norbert Lambauer von Adlmann-Promotion, aber auch meine Plattenfirma Sony Music, sind an diesem Erfolg beteiligt. Nicht zu vergessen meine Fans, die das Album ja kaufen. Ohne meine Fans, die immer zu mir stehen, wäre mein Erfolg nicht möglich.

Eindeutig, zweideutig ist der Hit ,Aussa mit de Depf' der Party-Hit schlechthin - wie kam es zu dem Lied, wer hatte die Idee?

Dieser Song hat für Aufschrei in Österreich gesorgt, was ich bis heute nicht verstehen kann und auch nicht verstehen will. Meine Freundin hatte ein T-Shirt mit der Aufschrift ,Aussa mit de Depf, heit gibt's Nudeln', bei einem Konzert getragen. Ich hab mir den Schriftzug den ganzen Abend angesehen und war innerlich schon am Songschreiben. Ich sagte zu meinem Mann: ,Wenn diese Zeile eine Frau singt, dann ist das revolutionär.' Also versuchten wir einen Song aus dieser Zeile zu machen. Ich muss dazu sagen, der Grat zwischen cool, frech und lächerlich ist ein sehr geringer. Deshalb hat es auch einige Zeit gedauert, bis wir den richtigen Zugang zu diesem Lied gefunden haben. Als dann der Song mit dem Video erschienen ist, stiegen die Klicks auf YouTube steil nach oben und die Presse bombardierte mich. Ich musste mich mit Aussagen auseinandersetzen, dass ich die Frauenwelt um 200 Jahre zurückwerfen würde, nach dem Motto ,Frauen hinter den Herd'. Ich bin eine sehr emanzipierte Frau und denke, dass ich mich nicht so schnell unterkriegen lasse, aber ich stehe dazu, dass ich immer noch gerne hinter dem Herd stehe und für meine Familie koche. Ich fühl mich hinter dem Herd überhaupt nicht unterdrückt. Ich finde es schade, dass Frauen, die sich um ihre Familie kümmern, heutzutage schon mit schlechtem Gewissen und kleinlaut sagen müssen ,Ich bin nur Hausfrau'. Es ist doch Luxus, wenn man in der heutigen Zeit noch daheimbleiben kann, denn Arbeit hat eine Hausfrau und Mutter wahrlich genug. 

Wer schreibt Ihre Hits, was muss für Sie ein richtig gutes Album haben?

Meine Songs schreibe ich alle selber. Ich schreibe die Texte, mein Mann schreibt die Musik. Für mich müssen die Texte immer noch eine gewisse Botschaft haben, den österreichischen Schmäh verkörpern und vielleicht auch eine Spur provokant sein, einfach weil es mega Spaß macht, wenn die Menschen sich über so eine Kleinigkeit wie einen Songtext so aufpudeln und mokieren. Ich picke mir Themen raus, die in der Schlagerwelt so noch nicht besungen wurden, oder die sich keiner getraut hat anzusprechen. Hannah muss man einfach mehrmals hören, dann kann man bestimmte Zweideutigkeiten besser verstehen, aber genau das macht mich an einem guten Album an. Wenn ich ein Album zehn Mal hören kann und immer noch Neues oder Komisches entdecke, wenn ich von bestimmten Songs angezogen werde und sie mich in ihre Gefühlswelt aufsaugen, dann ist es für mich ein richtig gutes Album. 

Sex sells, wie sehr kokettieren Sie mit Ihren weiblichen Reizen, und wo wäre für Sie die Grenze, wenn es eine gibt?

Meine Grenze ist da, wo es für mich nicht mehr passt. Ich muss mich in der Früh im Spiegel anschauen und vor mir selbst Rechenschaft ablegen können. Ich bin sehr gerne ,Frau', mit all ihrer Weiblichkeit und ich muss mich nicht verstecken und schon für rein gar nichts schämen. Scham ist in unserer religiösen Kultur sehr verwurzelt, aber warum?  Den Satz ,des tuat ma nit', konnte ich schon als Kind nicht verstehen, denn wer legt das fest, was Mann darf und was Mann nicht darf, was Frau darf und was Frau nicht darf. Wenn ein Mann jeden Abend eine andere Frau flachlegt, ist er ein Held und wir Frauen sind Bitches. Wir sollten endlich alle anfangen den Menschen zu sehen und nicht nur die Hülle, ob das Gegenüber gerade in mein Weltbild passt oder nicht. Deshalb werdet alle einfach a bissl lockerer, dann geht es uns sicher allen viel besser - da muss ich mich auch oft an der eigenen Nase nehmen. 

Wie schaut es eigentlich bei Ihnen privat aus, was muss ein Mann haben um Sie faszinieren zu können?

Ein Mann muss Herz haben und Stärke ausstrahlen. Das Bild des metrosexuellen, verweichlichten Mannes, der Nagellack trägt und länger vor dem Spiegel steht als ich, gefällt mir persönlich nicht. Ich stehe mehr auf kernige, humorvolle Burschen, echte Kinder vom Land, Männer, die was zu sagen haben. Ich muss mich an einem Mann auch reiben können, ohne, dass er gleich wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Ich flirte sehr gerne und mein Mann auch, das ist für uns kein Problem. Liebe heißt loslassen, ich hab' das früher nie verstanden, aber je mehr man klammert, desto kleiner wird die Liebe.

Wie beurteilen Sie das aktuelle, unangebrachte Andreas-Gabalier-Bashing?

Ich schätze Andreas Gabalier sehr, denn was dieser Mann geleistet hat, ist unglaublich. Er ist sehr intelligent, hat übrigens auch Jus studiert wie ich, und er steht einfach zu dem was er sagt. Wieso sollte man sich auch für Heimatliebe, Tradition und Werte entschuldigen müssen? Das mache ich auch nicht. Auch ich stehe zu meinen Wurzeln, warum auch nicht, wenn etwas gut war und noch immer ist, muss man sich nicht dafür rechtfertigen. Da halte ich es wie Gabalier: ,Ich bin nicht groß geworden, um klein zu denken', für mich der Satz des Jahrhunderts, schon allein dafür sollte er einen Orden erhalten.

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