Da blüht uns was

Foto: Adobe Stock
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Steigende Temperaturen und eine erwachende Natur - von den meisten Menschen wird der Frühling sehnsüchtig erwartet. Was aber des einen Freud, ist des anderen Leid. Denn kaum beginnt das erste Grün zu sprießen, fängt auch die Pollensaison an. Für Allergiker bedeutet das: Die Augen tränen und die Nase läuft.


Text: Regina Zeppelzauer

Rund 400 Millionen Menschen weltweit und etwa 100 Millionen Europäer leiden unter Heuschnupfen, also einer saisonalen allergischen Rhinitis. Auch in Österreich sind laut Schätzungen rund 16 Prozent der Bevölkerung von einer Pollenallergie betroffen. Für sie bedeutet das Ende des Winters nichts Gutes, denn mit zunehmenden Temperaturen beginnt auch der Anstieg belastender Pollen. 

Heuer hat der relativ milde Jänner bereits sehr früh zu einer Beeinträchtigung durch Haselpollen geführt. Kaum ist die erste Belastungswelle durch die Haselblüte vorbei, steht der Pollenflug von Erle und Birke an. Die Birkenpollen sind auch jene Pollen, die bei vielen Allergikern erstmals einen "Heuschnupfen-Anfall" auslösen. Erst später reagieren viele dann auch auf andere Baum-, Gräser- oder Kräuterpollen. 

Der Pollenflug ist für die Hälfte aller Pflanzen zur Bestäubung unerlässlich. Die bei der Windbestäubung auftretenden an sich harmlosen Pollen, werden vom Immunsystem eines Pollenallergikers als gefährlich eingestuft. Die Folge ist eine Abwehrreaktion des Körpers und die Freisetzung von Histamin, welches die allergische Reaktion auslöst. 

Allergie-Anzeichen

Juckende, gerötete und tränende Augen, eine rinnende oder auch verstopfte Nase, Niesattacken mit starker Sekretion sowie Husten können auf eine allergische Reaktion hindeuten. Ob tatsächlich eine Pollenallergie vorliegt, kann man bei einem Allergologen mittels Haut- oder Bluttest überprüfen lassen. Beim Prick-Test, so die Fachbezeichnung für den Allergie-Hauttest, werden unterschiedliche Testsubstanzen, die mögliche Allergieauslöser enthalten, auf die Haut aufgetragen. Danach wird die oberste Hautschicht leicht angeritzt. Sollte es zu einer allergischen Reaktion auf einzelne Substanzen kommen, entwickelt sich eine juckende Quaddel an der betreffenden Stelle. Eine sichere Diagnose ist nicht nur wichtig, um akute Beschwerden zu lindern, sondern auch um die Entstehung von allergischem Asthma zu verhindern.  

Vorsicht Kreuzallergien

Als Folge einer bereits bestehenden Allergie, kann eine sogenannte Kreuzallergie auftreten. Dabei lösen Lebensmittel, die eine ähnliche Eiweißstruktur haben wie die für das Immunsystem bereits bekannten Allergene, die typischen Allergiesymptome aus. Diese "Verwechslung" des Immunsystems führt beim Allergiker bereits beim Erstkontakt mit dem Allergen zu Symptomen wie Brennen oder Taubheit auf den Lippen oder im Mund, Schwellung der Zunge oder juckenden Hautstellen. Jemand, der auf Frühblüher wie Hasel, Erle oder Birke reagiert, hat häufig auch ein großes Risiko auf Nüsse, Äpfel, Birnen, Pfirsiche oder Kirschen eine Allergie zu entwickeln, da sie ähnliche Eiweißverbindungen enthalten. Kräuterallergiker können auf Beifuß, Ananas oder Melone reagieren, und für Gräser-Allergiker können Karotten oder Sellerie zum Problem werden. Wer ganz sicher gehen will, sollte die allergieauslösenden Lebensmittel lieber nicht mehr konsumieren. 

Vom Heuschnupfen zum Asthma

Wichtig ist es, den Heuschnupfen durch einen Allergologen bestimmen zu lassen, der dann die richtige Therapie auswählt. Bei 25 Prozent der Betroffenen, die nicht ausreichend oder gar nicht behandelt werden, entwickelt sich in der Folge durch einen sogenannten Etagenwechsel allergisches Asthma. Die Erkrankung wechselt quasi von der oberen Etage - Augen und Nase -, nach unten, und kann auf Bronchien und Lunge übergreifen. Allergien werden mit den Jahren oft heftiger, gerade bei Pollenallergikern kann dieser Etagenwechsel nach vier, fünf Jahren auftreten und zu massiven Atembeschwerden führen. Patienten, die unter Heuschnupfen leiden, sollten daher genau auf diese Anzeichen achten: Husten, pfeifende Geräusche beim Atmen, Kurzatmigkeit oder auch einen plötzlichen Leistungsabfall. 

Heuschnupfen ist gut behandelbar, Asthma bleibt einem ein Leben lang, denn es ist nach aktuellem Stand der Medizin nicht heilbar.

Insgesamt sind laut Laura Olbrich, einer Sprecherin der Gesundheitsministerin, 1,7 Millionen Österreicher von einer allergischen Erkrankung betroffen. "Allergien stehen gemäß der letzten Gesundheitsbefragung im Jahr 2014 an zweiter Stelle in der Liste chronischer Krankheiten, gefolgt von Bluthochdruck (1,5 Millionen) und chronischen Nackenschmerzen sowie sonstigen Schmerzen an der Halswirbelsäule (1,3 Mio. Personen). An erster Stelle stehen Kreuzschmerzen." 

Interessant ist jedoch, dass 53 Prozent der Personen, die unter einer Allergie leiden, diese laut Gesundheitsbefragung nicht unbedingt als chronische Krankheit empfanden. Zwar hat sich die Anzahl der Allergie-Betroffenen seit dem ersten (und derzeit einzigen) "Österreichischen Allergiebericht" aus dem Jahr 2006 nicht wesentlich verändert, dafür scheinen die Pollen durch hohe Luftverschmutzung und Ozonbelastung immer aggressiver und Allergien gefährlicher zu werden. Auch die zunehmende Klimaerwärmung trägt dazu bei, denn die Blütezeiten der Pflanzen haben sich ebenfalls verändert. Sie blühen früher und länger. Spätblüher wie etwa das hoch allergene Ragweed (Ambrosia artemisiifolia) sorgen bis in den späten Herbst hinein für Beschwerden. Genau genommen gibt es mittlerweile keine pollenfreie Zeit mehr.

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