Das letzte Wort hat mein Hund

Foto: DIRK BARTLING - HAMBURG
Foto: DIRK BARTLING - HAMBURG

Albert Fortell ist mit das Beste, was Österreich an internationalen Schauspielern zu bieten hat. Er hat in den USA an der Seite von Robert Wagner gespielt und ist nach wie vor ein gefragter Mime in Europa. Während seine Frau Barbara Wussow am Traumschiff dreht, hütet er Haus, Kinder und Hund. alles roger? gab er ein launiges Interview, über Europa, Political Correctness und die 68er-Generation.


Interview: Roland Hofbauer

Von Ihnen gab es mal Horrorlesungen, was darf man sich darunter vorstellen?

Ich habe immer wieder Leseabende gemacht, und einer dieser Abende hieß: Skurriles, Grausliches und Unheimliches von Edgar Allen Poe und anderen. Ich habe solche Lesungen immer gerne gemacht und auch darauf geachtet, dass auch das Ambiente stimmt. Erstens habe ich diese Lesungen oft in der Nähe von Friedhöfen gemacht und alles ein bisschen unheimlich dekoriert, zweitens habe ich da auch echte Sachen vorgetragen, wie zum Beispiel Teile der Wiener Begräbnisordnung aus dem 18. Jahrhundert.

Wovor würden sich denn die Leute heute gruseln? Vor den Wiki-Leaks-Enthüllungen über Politiker?

(lacht) Na das kann schon sein, aber das ist ja weniger zum Fürchten und eher traurig. Ich gebe Ihnen aber schon recht. Es gäbe heutzutage auch viel Gruseliges, aber ich bleib dann doch lieber eher bei den richtigen, alten Horrorgeschichten.

Sie und Ihre Frau sind sehr prominent und nicht nur bei uns, sondern auch in Deutschland und der Schweiz Stars. Wie viel Star ist man denn zu Hause?

Was soll ich Ihnen sagen, man ist zu Hause überhaupt nicht prominent, man ist der Büttel seiner Kinder und seit letztem September auch der des Hundes. Für mich ist es zu Hause schon ein kleines Erfolgserlebnis, wenn ich hinten in den Weinbergen ohne Leine spazieren gehen kann, und der Hund mir folgt. Natürlich nur mit einer Handvoll Leckerlis in der Hand, für den Notfall, dass sie auch wirklich immer zurückkommt.

Was sagen Sie denn zu dem neuen Hundehaltergesetz in Wien, macht das Sinn für Sie?

Ich halte mich im Prinzip ja ohnehin daran, entweder Leine oder Beißkorb und das Gesetz ist ja nicht ganz ohne Anlass verschärft worden. Ich bin jedoch auch der festen Überzeugung, dass es im Wesentlichen immer am Halter liegt, nicht am Hund. Ich bin dagegen, dass man Hunde verbietet, aber es bedarf eines intelligenten, sorgsamen Umgangs, und es ist einfach nicht jeder als Hundehalter geeignet.

Sie sind selber Vater von zwei Kindern. Wie nehmen Sie denn aktuell den dokumentierten Wahnsinn in den Wiener Schulen wahr? Fehlt da der Respekt gegenüber den Lehrern und generell Autoritätspersonen seitens der Jugend?

Ja definitiv. Ich nehme das immer stärker wahr. Ich habe es erlebt, dass meine Frau und ich in Sprechstunden waren, wenn es das eine oder andere kleine Problem gab. Unser Sohn ist ein bisserl ein Träumer und ein hervorragender Magier. Der wird, befürchte ich, auch Künstler und war im passiven Sinne schulresistent. Wenn man dann mit den betroffenen Lehrern spricht, hat man sehr oft gehört: ,Schön, dass Sie beide da sind, und schön, dass Sie nicht uns die Schuld geben. Es kommen unglaublich viele Eltern, die erwarten, dass wir Lehrer die Kinder erziehen.? Na sicher nicht, ich komme, um etwas über mein Kind zu erfahren, in einem Bereich, in dem ich es ja nicht kontrollieren kann. Die Schule ist ja keine Erziehungsanstalt. Man könnte es sich jetzt leicht machen und sagen: Das sind unter anderem die Ergebnisse der 68er-Bewegung. So viel Gutes diese Zeit auch hatte, den Kindern ist der Respekt abhandengekommen und die Lehrer wurden verunsichert. Das habe ich zigmal von den Lehrern gehört, also ich möchte in einer HTL, bei dem was dort heutzutage herumrennt, kein Lehrer sein. Wenn mir dann noch vielleicht die natürliche Autorität fehlt und auch noch der Rückhalt der Direktion, dann brauch ich mich nicht wundern. Wenn es früher so etwas gab, ist der Betroffene sofort von der Schule geflogen. Das Gschisti-Gschasti was da heute veranstaltet wird, da frag ich mich: Wes Geisteskind ist dieser Direktor? Oder aber, sind die Stufen über ihm so weit verblendet, dass man sagt: beschwer dich ja nicht, wir haben in Wien einen höheren Geistes-Gesamtzustand erreicht - ein falsch verstandener Liberalismus? Ich glaube, dass das ganze System krankt, wenn man die Entwicklung seit den 68ern verfolgt, braucht man sich da auch nicht allzu sehr wundern. Es gibt keinen Respekt vor Polizisten, nicht in der Schule und wahrscheinlich auch zu Hause nicht.

Soll und darf man sich als Künstler eigentlich politisch so weit aus dem Fenster lehnen, oder darf man das nur bei einer linken Meinung?

Meine klare Antwort: Ich geb? darauf keine Antwort, zumindest nicht für andere. Ich glaube, viele überschätzen den Einfluss der Künstler, denn sonst hätte ja Trump nie gewählt werden dürfen, da ihn das komplette Hollywood hasst. Wenn ich mir meinen persönlichen Schauspielgott Robert De Niro anhöre, wundert es mich, warum der noch nicht wegen Hasses im Netz verhaftet wurde, bei dem was der absondert. Dazu kommt noch, dass viele Kollegen nicht wirklich eine Ahnung haben, die handeln eher aus dem Bauch heraus. Ich denke mir das oft bei Künstlern: Ok, er hat sich zwar Gedanken gemacht, aber wissen tut er wirklich herzlich wenig. Ich bin nie bei einer Partei gewesen, außer, dass ich unter der ersten blau-schwarzen Regierung in den ORF-Stiftungsrat gegangen bin. Das einzige was ich dort erlebt habe, war eine unglaubliche Intoleranz mir gegenüber. Mir wurde Verrat vorgeworfen, aber Verrat an wem eigentlich? Die linke Toleranz hat leider oft den Grad eines Gummiringerls, das acht Wochen in der Sahara in der Sonne gelegen ist.

Sie haben in sehr vielen Ländern der Welt gelebt und gedreht. Würden Sie von sich selber trotzdem behaupten, dass Sie ein stolzer Österreicher sind?

Natürlich! Ich bin auch ein Patriot. Allein diese Diskussion ist ja so dumm und lächerlich. Patriot heißt ja nicht, dass ich andere ablehne, sondern mich zu meiner Herkunft bekenne und freundschaftlich verbunden bin. Daher bin ich ja auch dagegen, dass alles so vermischt wird, auch in Europa. Einerseits regen wir uns auf, wenn es in spanischen Restaurants deutsches Essen gibt, andererseits wollen wir aber alles durchmischen. Da sag ich nein, das will ich nicht. Wenn ich in Spanien bin, will ich Spanien erleben, in Frankreich Frankreich und in Italien das pure Italy-Feeling haben, mit allem Guten und Gewöhnungsbedürftigen was dazu gehört. Diese Vielfalt macht ja Europa aus, und nicht ein Kuddelmuddel. Das funktioniert eher in Amerika. 

Als was fühlen Sie sich denn?

Als erstes einmal als Wiener, dann als Österreicher, dann als Mitteleuropäer und dann als Europäer. Auch als sehr stolzer Europäer - aber nicht umgekehrt, und in bester Harmonie. Daher bin ich auch ein totaler Gegner der Vereinigten Staaten von Europa. Das ist ein Holler, ein Blödsinn. Die Vielfalt macht Europa aus. Ich bin für offene Grenzen und dafür, dass wir unsere Außengrenzen schützen, aber der Großteil muss in den Ländern der EU lokal gehandelt werden. 

Mit wem würden Sie denn gerne einmal gemeinsam Zeit verbringen, oder vor der Kamera stehen?

Mit verschiedensten Persönlichkeiten, nur um einmal herauszufinden, ob sie halten was sie versprechen. Ich ahne, und oft hat es sich gerade politisch bewahrheitet, dass viele Prominente mit mir einer Meinung waren, aber das nach außen hin komplett anders kommuniziert haben. Das ist eigentlich schlimm. Das ist der vorauseilende Gehorsam der Political Correctness. Dann gibt es Kollegen, vor denen knie ich beruflich, aber sie sind, sagen wir es so, oft etwas einfach und naiv - Talent hat selten etwas mit Intelligenz zu tun. Es ist schwierig, es wären glaube ich sehr, sehr viele.

Zum Abschluss: Wer hat bei Ihnen das letzte Wort in der Familie?

Der Hund.

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