Die Magie im Bauch

Foto: Michael Mairhofer
Foto: Michael Mairhofer

Comedy, Bauchreden und Zaubern. Das ist weltweit eine einzigartige Kombination. Kein anderer hat das drauf, womit Tricky Niki schon seit zehn Jahren sein Publikum verzaubert. Mit alles roger? sprach der Universalkünstler über sein neues Programm und das Geheimnis seines Erfolgs.


Text: Martina Bauer

"Des gibt's jo ned, du Oasch!" Ein Satz, der für Tricky Niki wie Musik in den Ohren klingt. Das wertet er als Kompliment. Da weiß er, dass er einen guten Job gemacht hat. "Die Leute beschimpfen mich ja nicht wirklich. Sie ärgern sich einfach darüber, dass sie den Trick nicht durchschauen, lachen aber auch dabei", sagt Tricky Niki mit einem schelmischen Grinsen.

Was er damit meint, zeigt er uns dann gleich mal, mit Münzen, die nach Belieben aus und in die eigene Hand wandern, ohne dass man mitbekommt wie. Ärgerlich! Man ist doch nicht blöd. Man muss doch mitkriegen, was in der eigenen Hand passiert. Glaubt man. Ist aber nicht so. Mit Blödheit hat es trotzdem nichts zu tun. Der Entertainer ist einfach gut. Tricky Niki ist sogar sehr gut. Vierfacher Staatsmeister im Zaubern und ein vierter Platz bei der Weltmeisterschaft sind die Beweise dafür. Viel wichtiger sind aber die Emotionen, die er bei seinen rund 140 Shows pro Jahr beim Publikum weckt.

"Ich will Emotionen wecken, weil die Emotion im Gedächtnis bleibt. Daran erinnern sich die Besucher", erklärt Tricky Niki, der weiß: "Die Emotion des Lachens ist stärker als die des Staunens." Das bedeutet, dass das Zaubern manchmal untergeht, gar nicht so im Gedächtnis bleibt wie das, was die Puppen als Gags raushauen. Das sind ja nicht nur Puppen, sondern jede für sich ein Comedian. Das bringen oft schon die Charaktere mit sich. Nicht einfach, sich als Vampir durchs endlose Leben zu schlagen, wenn man kein Blut sehen kann und an Narkolepsie leidet. Oder der Drache Emil, Nikis erste Figur und großer Publikumsliebling, der ständig erklären muss, dass er kein Krokodil ist und eigentlich gerne Erotikstar wäre.

Hauptdarsteller im neuen Programm Hypchondria ist der Tod. Er ist so ein lustiger Kerl, der aber ständig traurig ist, weil er keine Freunde hat. Zur eigenen Unterhaltung kauft er sich einen Computer und findet raus, was man mit der Tastenkombination Alt+Entfernen anstellen kann. In Hypochondria nimmt Tricky Niki, der eigentlich Niki Sedlak heißt, auch seine eigene Hypochondrie aufs Korn. Um es mit bekannten TV-Serien-Figuren zu vergleichen. Es ist nicht ganz so schlimm wie bei Monk, aber ähnlich wie bei Dr. Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory. "Öffentliche Toiletten sind ein Horror für mich. Das geht gar nicht", sagt der 41-Jährige, der aussieht wie 30 oder noch jünger.

Wovon die meisten Frauen träumen, war für den Künstler immer ein Albtraum. Klein, zierlich und viel jünger aussehend als man ist, macht das Leben als Kind und als Teenager nicht einfach. Komplexe waren die Wegbegleiter der Jugend. Sie haben ihn aber auch zu dem gemacht, was er heute ist.

"Mit dem Zaubern habe ich meine Komplexe kompensiert. Es hat die Umwelt um mich verändert, weil ich die Menschen zum Staunen und zum Lachen bringen konnte. Wenn es mir nicht gut gegangen ist, habe ich mir ein neues Zauberbuch gekauft und Tricks gelernt. Besonders als meine Mutter an Krebs erkrankte. Das war wie ein Ventil. Da bin ich in eine andere Welt eingetaucht", erzählt Tricky Niki über seinen Werdegang, der gar nicht immer so lustig war.

Als Jugendlicher musste er sich einen Personalausweis machen lassen, um überhaupt eine Chance zu haben, in eine Disco zu kommen. Polizisten ließen regelmäßig seinen Führerschein überprüfen, weil keiner von ihnen glauben konnte, dass er schon Auto fahren darf. Aber kein Nachteil, wo nicht auch ein Vorteil ist. "Kürzlich hatte ich in Hannover einen Auftritt. Ich wollte dort in den Zoo gehen, hab mir eine Studentenkarte gekauft, die bis 24 Jahre gültig ist, und wurde nicht einmal nach einem Ausweis gefragt", sagt Niki und grinst dabei wie ein kleiner Bub.

Das Kind in ihm ist lebendig und quietschvergnügt. Daran besteht kein Zweifel. Trotzdem ist sein Job als bauchredender Comedian und Zauberer alles andere als ein Kinderspiel. Dafür hat er sogar Schauspielunterricht genommen, Psychologie, Menschenkenntnis, die Kunst der Ablenkung, Fingerfertigkeit - all das gehört zur hohen Kunst der Zauberei. Tricky Niki arbeitet ständig an sich, um noch besser zu werden.

"Viele unterschätzen den Beruf des Zauberers", sagt er und erklärt die feinen Unterschiede in der Branche so: "Wer nicht so viel Fingerfertigkeit hat, der wird Großillusionist wie David Copperfield. Wem das zu groß ist, der wird Mentalist. Die müssen dafür mehr mit dem Kopf arbeiten. Wem das auch nicht liegt, der wird Kinderzauberer."

Kinder sind das härteste Publikum überhaupt. Die stehen einfach auf und gehen weg, wenn es ihnen nicht gefällt. Das ist aber nicht der Grund, warum der Wiener sein Programm für Erwachsene schreibt. Trotzdem glauben aufgrund der Puppen viele, dass das für Kinder sei. Irrtum. "Mir ist es einmal passiert, dass in einer Abendveranstaltung mit dem Titel Partnertausch mehrheitlich Kinder saßen. Da fragt man sich schon ...", ist Tricky Niki verwundert, weiß aber auch, dass es an den Puppen liegt.

Zu denen hat er eine ganz ausgeprägte Beziehung. "Klar, das sind meine Babys. Emil ist schon zehn Jahre alt und ich liebe ihn wie am ersten Tag. Ich kann es nicht verstehen, dass manche Bauchredner ihre Puppen noch auf der Bühne achtlos in den Koffer schmeißen. Meine Babys darf nicht mal wer anderer angreifen", sagt der liebevolle Vater.

Es braucht ja auch viel Training, bis man den Puppen das Reden beibringt. Das Wichtigste dabei ist die Entspannung der Gesichtsmuskulatur. Und am Anfang die Vermeidung der Schließlaute B, M und P. Die werden bei Baurednern zu D, N und T. Durch das Mikro fällt das aber kaum auf. Wichtig sind die Lippen, an denen das Publikum hängt, die sich aber bei Tricky Niki so gar nicht bewegen. "Das ist mir wichtig. Es gibt ja Kollegen, die verstecken das halbe Gesicht hinter dem Mikro", sagt der Entertainer mit der Comedy im Bauch, und da ist es wieder, das spitzbübische Grinsen. Emil sitzt daneben und kann sich vor lauter Kichern auch schon nicht mehr halten.

Alle Termine zum neuen Programm von Tricky Niki finden Sie auf der Homepage unter www.trickyniki.com. Die Premiere für Hypochondria - Alles wird (wieder) gut! Ist am 22. Februar um 20 Uhr im Kabarett Simpl.

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