Die olympischen Skipisten fest im Griff

Foto: 123RF
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Was immer die Olympischen Spiele in Pyeongchang in Südkorea bringen werden, so lässt sich eines bereits vorhersagen: Die Skipisten werden in perfektem Zustand sein und allen Läufern gute Bedingungen bieten. Zu verdanken ist das vor allem dem genialen Kitzbüheler Erfinder Christian Steinbach, der zusammen mit Gitti Weber die alten Erkenntnisse des großen Naturforschers Viktor Schauberger in die Praxis umsetzt. Doch das ist bei Weitem nicht die einzige revolutionäre Entwicklung von Steinbach. Der ?Daniel Düsentrieb des Sports? im alles-roger?-Porträt.


Text: Klaus Faißner

Er war lange an der Piste mitverantwortlich für die Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Er trainierte in den 1970er-Jahren das Skiteam aus dem Libanon mit beträchtlichem Erfolg. Er ist bis heute regierender Weltmeister im Drachenflug. Er konstruierte das erste in Österreich typisierte Ultralight-Flugzeug und entwickelte die leichtesten Mountainbikes der Welt. Und er ist ein "Naturbursch" durch und durch, der sich auch in der Nacht auf dem Gletscher pudelwohl fühlt. Doch das sind nur wenige Blitzlichter auf einen der größten österreichischen Erfinder der Gegenwart, Christian Steinbach. Jeder Fernsehkonsument von Skirennen verdankt ihm und seiner kongenialen Partnerin Gitti Weber perfekte Pisten, die auch Läufern mit hinteren Startnummern beste Bedingungen garantieren - egal wie das Wetter ist. Dies wird auch bei Alpinbewerben der Olympischen Spiele in Pyeongchang (Südkorea) der Fall sein, wo Steinbach und Weber vor Ort alles unter Kontrolle haben werden - zusammen mit Markus Mayr, FIS-Renndirektor bei den Damen und Steinbachs Schwiegersohn. Nach Südkorea geht es für Steinbach und Weber gleich weiter nach China, wo ebenfalls große Nachfrage nach deren Wissen und Produkten besteht.

Als Pistenabschnittsleiter von Kitzbühel war er vor Jahrzehnten mit dabei, als Soldaten des Bundesheeres die gesamte Streif und den Ganslernhang bearbeiteten, um gespritztes Wasser einzuarbeiten. Doch so ganz funktionierte die Technik nicht: Die Piste wurde obenauf eisig statt hart und wenige Zentimeter darunter blieb sie weich. Die dünne Eisdecke drohte bei schlechten Wetterbedingungen rasch zu brechen. Diese gefährlichen Bedingungen ließen Steinbach keine Ruhe und nach einiger Tüftelei erfand der "Daniel Düsentrieb aus Kitzbühel" vor über 30 Jahren schließlich den sogenannten Injektionssprühbalken. Mit ihm lässt sich speziell verwirbeltes Wasser über Düsen mit hohem Druck 25 bis 30 Zentimeter unter die Schneedecke bringen. Der Schnee härtet von unten nach oben - es entsteht eine perfekte Piste, die auch bei Plusgraden allen Läufern weitgehend gleiche Bedingungen bietet.

Durchbruch in Übersee

Ab Mitte der 1980er-Jahre versuchte Steinbach, seinen Sprühbalken in Kitzbühel und anderen europäischen Orten des Weltcup-Skizirkus zum Einsatz zu bringen - ohne Erfolg: "Es hieß: ?Auf der Piste ist die Sprühbalken-Methode zu gefährlich?", schildert er gegenüber alles roger?. "Der Prophet im eigenen Land zählt nichts, da muss man ins Ausland gehen." Zehn Jahre später, Mitte der 1990er-Jahre, erhielt Steinbach die Möglichkeit, die Weltcup-Pisten in Beaver Creek (USA) und Lake Louise (Kanada) mit seiner Methode zu präparieren. Und siehe da: Sie hielten und es gab weniger Unfälle.

Der erste, der Steinbach in Europa vertraute, war 1996 Marcello Varallo, der Leiter des Organisationskomitees des Weltcuprennens in Alta Badia (Südtirol). "Es war genial, alles klappte perfekt", schwärmt Steinbach. Seither richtet er jedes Jahr die Gran-Risa-Piste her, die seitdem auch Fahrern mit hohen Startnummern beste Bedingungen garantiert. "Die Piste ist seither deutlich sicherer, es gibt weit weniger Bänderverletzungen und kaum noch Knochenbrüche", so Steinbach. Schnell setzte sich die Steinbach-Methode im Ski-Weltcup durch. Der überwiegende Teil der Weltcuporte präpariert seine Pisten mit dem Sprühbalken, vor allem kann kein Slalom-Veranstalter darauf verzichten. "Wir können für alle Disziplinen spezielle Bedingungen bieten", erklärt Steinbach. Im Slalom werden die Pisten am härtesten gemacht, in der Abfahrt am wenigsten hart. Für die Damen sind sie etwas weicher als für die Herren, die mehr Kraft auf den Schnee bringen. Nur eines sind die Pisten garantiert nicht: eisig. "Gitti Weber hat den Sport-Kommentatoren eine Liste mit der richtigen Bezeichnung der Schneeeigenschaften geschrieben, weil sich in deren Wortschatz offensichtlich nur die Begriffe ?eisig? und ?weich? befinden", so Steinbach.

Schauberger und Sicherheit

Durch die Düsen der Injektionssprühbalken bohrt sich das Wasser in einer "zyklonalen Raumkurvenbewegung bewegungsrichtig in die Schneedecke", wie es Steinbach in der Fachsprache erklärt, deren Ausdrücke zum Teil der visionäre österreichische Naturforscher Viktor Schauberger (1885-1958) geprägt hat. Es entsteht ein Kapillar- und Verdunstungseffekt, die Schneekristalle werden mit Wasser ummantelt. Die Technik funktioniert auch noch bei bis zu plus zehn Grad Celsius - zumindest wenn die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. Wie auch immer die Wetterbedingungen vor den Rennen sind: "Wir garantieren, dass unsere Bearbeitung funktioniert", betont Steinbach. "Wir lassen uns professionelle Wetterberichte im Vorfeld erstellen. Die sind unsere Trumpfsau, dadurch bekommen wir ein besseres Ergebnis als alle anderen." Gitti Weber ergänzt: "Wenn die Wetterprognose ein paar Tage vor dem Rennen schlecht ist, können wir aufgrund des Wetterberichts schon zehn Tage vor dem Rennen arbeiten und eine wunschgemäße Piste herstellen." Sie übernahm 2012 die Firma Steinbach Alpin, damit sich Steinbach "noch mehr um die Erfindungen kümmern kann".

Und davon gibt es eine ganze Menge: "Wir haben eine Bindungsplatte erfunden und eine spezielle Präparation der Skikante entwickelt, die auf harten Pisten am einfachsten zu fahren ist - nicht nur für den Rennfahrer, sondern auch für den Anfänger", so Steinbach. Damit soll es für alle Skifahrer leichter sein, den Schwerpunkt zu halten. Weiters erzählt Steinbach von einem ganz neu von ihm konstruiertem Fangnetz, das ein - womöglich tödliches - Durchrutschen oder Darüberfliegen der Rennläufer nach Stürzen zuverlässig verhindern soll. "Die Grundidee war es, den Skisport sicherer und fairer zu machen", ist eine der wichtigsten Aussagen Steinbachs. Mit den Pisten ist ihm dies gelungen, jetzt soll es mit den Neuerungen bei den Skiern und den Fangnetzen noch besser werden.

Schneedepots

Doch Steinbach sorgt zusammen mit Weber nicht nur für Sicherheit auf Pisten, sondern auch für Schneesicherheit - indem er die weiße Pracht über die warme Jahreszeit lagert. So schieben Pistenraupen am Ende der Skisaison den verbliebenen Schnee zu mehreren riesigen "Haufen" zusammen. Diese werden an der Oberfläche mit Injektionssprühbalken extrem hart gemacht und anschließend darüber eine von Steinbach entwickelte Spezialabdeckung aus dem Kunststoff Polypropylen gelegt und fixiert. "In der warmen Jahreszeit schmilzt der Schnee, er wird von der Folie aufgesaugt und diese kühlt den Schnee wieder herunter. Es entsteht ein Effekt wie bei Tonkrügen: Das Wasser verdunstet, gibt Energie ab und kühlt den Inhalt, in dem Fall den Schnee", erklärt Steinbach. Seine Inspiration holt er sich aus der Natur: "Ich habe gesehen, dass die Natur schon alles hat. Man muss die Natur kapieren und dann kopieren." Es sei schade, dass die meisten Menschen die kleinen Dinge nicht sehen und die großen nicht verstehen, meint er.

So geht nur ein kleiner Teil des Schnees verloren", erzählt Steinbach. Im Oktober kommen die Folien weg, der Schnee wird mit einer Schneefräse "aufgeschlagen wie Schlagobers" - das erhöht das Schneevolumen - und auf der Skipiste verteilt. "Kitzbühel zum Beispiel hat durch die Schneedepots eine Umsatzsteigerung, weil die Saison länger dauert", so Steinbach. Inzwischen nutzen einige Skiorte wie beispielsweise Hochfilzen in Tirol, Geilo in Schweden oder mehrere in der Schweiz diese Technik, um den "Schnee von gestern" nutzbringend -  und im Gegensatz zu Schneekanonen mit sehr wenig Energieaufwand - wiederzuverwenden. Die Folien sind wetterfest und können dadurch ebenfalls wiederverwendet werden. Auch bei den letzten Olympischen Spielen in Sotschi (Russland), das am selben Breitengrad wie Nizza liegt, wurden insgesamt 600.000 Kubikmeter Schnee eingelagert. "Dadurch war die Garantie gegeben, dass die Winterspiele durchgeführt werden können", so Steinbach.

Erhaltung von Gletschern

Weiters gelang es ihm, mit Sprühbalken und Folie kommerziell genutzte Gletscher zu erhalten oder gar auszuweiten: "Den Sölden-Gletscher haben wir um 500 Meter hinuntergesetzt", erzählt er. Leicht war dies natürlich nicht, denn hier musste eine Schneedecke von mehr als zwei Metern aufgebaut werden.

Wer sich denkt, dass damit schon alle Errungenschaften von Steinbach aufgelistet sind, der irrt gewaltig: Er entwickelte zahlreiche Messinstrumente, um Luftfeuchte, Lufttemperatur, Schneetemperatur, Schneefeuchte und Schneegewicht schnell und zuverlässig zu messen. Auch präparierte er mit seiner Methode Flugpisten im ewigen Schnee der Antarktis, verdichtet Pisten für Auto- und Winterreifentests, hat auch eine Maschine entwickelt, um auf Golf- und Fußballplätzen Dünger effizient zu den Graswurzeln zu bringen. Weiters wird in einem Arbeitsgang der Boden der Rasenfläche noch belüftet, vertikutiert bewässert sowie gebügelt und es wird Sand eingeschwemmt. Und als wäre dies alles noch nicht genug, hat Steinbach auch einen Golfschläger (Putter) entwickelt, der zuverlässig das Golf-Handycap verringern soll.

www.steinbach-alpin.com

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