Die Partie is leiwand, nur der Sänger is zklan

Foto: Picturedesk

Ihre Hits kennt jeder. Von der Oma bis zum Enkerl. Und selbst dessen Enkerl wird noch Skandal im Sperrbezirk mitsingen. Die Spider Murphy Gang gibt es seit 39 Jahren. Frontmann Günther Sigl spricht im Interview über das Geheimnis des Erfolgs und Vorbilder aus Österreich. Text: Helmut Berger

Nächstes Jahr feiert die Spider Murphy Gang ihr 40-jähriges Bestehen. Was ist fürs Jubiläum geplant?

Wir machen wieder ein großes Jubiläumskonzert, dieses Mal in der Olympiahalle in München. Am 28. Oktober 2017. Wir feiern mit einigen Gästen. Ein paar aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle, wo wir auch unsere großen Erfolge gefeiert haben, und ein paar bayerische Künstler, Claudia Koreck zum Beispiel. Österreicher müssen wir fast auch dabei haben, hatten wir bis jetzt jedes Mal. Ambros war schon bei unserem 20-Jährigen dabei. Dann der Klaus Eberhartinger. Jetzt haben wir schon wieder einige im Auge, aber wir haben ja noch Zeit.

Wird es ein neues Album geben?

Ja, ich hab mir gedacht, zum Jubiläum wär’s Zeit, dass wir wieder ein Album hinlegen. Ich bin gerade schwer dabei. Jetzt machen wir dann einmal die ersten Aufnahmen.

Wie schafft man es überhaupt, so lange so erfolgreich zu sein?

Das kann man ja nicht steuern. Wir wollten von der Musik leben. Das war das erste Ziel. Ich bin gelernter Bankkaufmann, hab damals meinen Beruf aufgegeben, das war 1971. Und dann sind wir so herumgetingelt. Bis uns der Georg Kostya entdeckt hat, der Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Der hat uns darauf gebracht, dass wir Bayerisch singen. Ich glaub, ein wichtiger Faktor ist schon auch, dass man Identifikation schafft und über Sachen singt, die die Leute selber erlebt haben. Es sind oft Themen, die immer noch aktuell sind. Die Schickeria. Skandal im Sperrbezirk ist in München auch immer wieder Thema, wenn die Sperrbezirksverordnung umgangen wird.

Die Hits sind immer noch Hits. Skandal im Sperrbezirk hört man nach wie vor auf Partys, in Discos und bei Zeltfesten. Warum?

Die Songs sind in der Zwischenzeit schon Evergreens. Sogar die jungen Leute kennen sie. Auch wenn sie die Spider Murphy Gang vielleicht nicht mehr kennen. Und mit den Themen können die Leute was anfangen. Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia, wenn ein Jugendlicher heute vor der angebeteten Flamme steht, dann fühlt er sich immer noch so, da wird sich nicht viel geändert haben. Und die Burschen und die Mädels haben schon früher die Songs gesungen. Da kriegen wir heute noch Feedback: Ja, das war unsere Zeit damals, da sind wir ins Skilager gefahren mit dem Bus, und die Spiders-Kassette ist gelaufen von Abfahrt bis Ankunft.

Wenn Sie zurückdenken, wo-ran erinnern Sie sich besonders gerne?

Die Anfänge waren natürlich schön. Aber es war auch schwer, mit der Musik die Miete zu verdienen. Da hab ich nebenbei noch diverse Jobs gemacht. Ausfahrer und im Levi-Strauss-Lager Jeans einsortiert und ausgeliefert. Und dann haben wir uns eine Fangemeinde erspielt, waren in Bayern schon bekannt, und plötzlich waren wir, ich sag einmal, weltberühmt in Deutschland. Dann ist Skandal im Sperrbezirk auf Nummer eins gegangen, das war natürlich eine super Zeit für uns. Und ich kann mich noch gut erinnern, als wir das erste Mal in Wien gespielt haben. Im Metropol. Der ORF war damals da und hat die Zuschauer gefragt, wie ihnen der bayerische Rock ’n’ Roll gefällt, und einer hat gesagt: „Jo, geh herst, die Partie is leiwand, nur der Sänger is z’ klan.“ 1,62 – damit muss ich leben. Es gibt ja viele kleine Künstler, die groß geworden sind.

Stellen Sie sich eigentlich manchmal vor, wie Ihr Leben verlaufen wäre, wären Sie in der Bank geblieben?

Dann wäre ich jetzt in Rente. Aber ich hab mit 15 angefangen, Gitarre zu spielen, mein Vater hat mir die erste gekauft, damals für 40 Mark. Und da war Musikmachen an erster Stelle. Das ist mein Lebenselixier bis heute, das möchte ich nicht anders haben. Da muss man jeden Tag dankbar sein, dass man das noch machen darf. Und dankbar sein, wenn man so weit gesund bleibt.

Was sagen Sie zur Musik aus Österreich?

Wir hatten natürlich österreichische Vorbilder wie den Wolfgang Ambros. Der Fendrich hat damals wie wir die Schickeria besungen, und wir waren in einer Fernsehsendung beieinnander. Drahdiwaberl, Wilfried, ja sogar der Qualtinger, die Östereicher haben damals schon super Sachen gehabt.

Stimmt, und jetzt wieder.

Ja, das ist ja super, dass die deutschsprachigen Bands jetzt wieder so bekannt sind, das ist ein Wahnsinn, was da alles kommt. Das ist ja ein Superhit, das Ham kummst, das spielen’s überall. Wanda, das ist auch eine super Gruppe. Und da wird noch einiges kommen. Die Spider Murphy Gang ist, bei allem Spaß, eine gesellschaftskritische Band. Was können Sie heute bemängeln?

Da gibt’s einiges. Ich bin kein Protestsänger, aber ich seh die ganzen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Die Flüchtlingskrise, was ist denn das schon für eine Krise? Den Leuten muss halt geholfen werden, bei euch in Österreich ja auch. Die Rechtskonservativen sind im Vormarsch, Pegida marschiert jeden Montag da bei uns in München und nervt uns. Das ist schon ein Thema, über das ich mir Gedanken mach. Wenn man die Flüchtlingsbilder sieht, wie die da durch einen reißenden Fluss gehen, den Großvater schieben sie mit dem Rollstuhl durch, Babys am Arm … Die haben alles verloren, man muss das einmal aus ihrer Sicht sehen. Wir sind so reiche Länder, uns geht’s so gut. Man muss auch die Bereicherung sehen.

Abschließend: 50 Jahre Spider Murphy Gang, wie schaut’s damit aus, in zehn Jahren?

Ja, das wollen wir voll machen. Den Ehrgeiz hab ich. 50 ist noch einmal eine andere Zahl, wie eine goldene Hochzeit. Das kann man sich zwar wünschen, aber auch, dass man gesund bleibt. Dafür hat man keine Garantie.

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