Die Struja ist wieder da

Foto: 123rf

Der große Schlag gegen die Schutzgeldmafia passierte im März. Acht Personen wurden festgenommen. alles roger? berichtete als erstes Medium in Österreich und war mit Grund für die raschen polizeilichen Maßnahmen. Aber wie es scheint, ist die Organisation wieder da. Und noch brutaler als vorher.
Text: Roland Hofbauer


 

„Ja, die sind wieder da“, sagte die Stimme am Telefon. Ein betroffener Gastronom an der Otta-kringer Straße im 16. Wiener Gemeindebezirk. Aber auch von Lokal- und Geschäftsbesitzern in Gänserndorf und aus dem Bezirk Baden bekamen wir Nachrichten. Eine Trafikantin aus Niederösterreich erzählt: „Sie treten in der Gruppe auf, und das Sagen hat komischerweise eine Frau. Sie haben mir gesagt, dass es hier sehr gefährlich ist und sie mir Schutz anbieten wollen. Ich sollte 150 Euro in der Woche bezahlen. Ich habe mich geweigert und mit der Polizei gedroht. Am selben Tag ist mein Sohn vor unserer Wohnung abgepasst und verprügelt worden. Dann sollte er mir ausrichten, dass es beim nächsten Mal meine zwölfjährige Tochter sein wird. Ich zahle, versuche aber aus meinem Pachtvertrag herauszukommen. Da bin ich lieber arbeitslos oder gehe putzen.“ Zur Polizei ist die Dame nicht gegangen, da sie große Angst hat und ihr auch einige andere Geschäftsleute davon abgeraten haben.

Im Bezirk Gänserndorf hat sich ein Gastronom gegen die Schlägertruppe zur Wehr gesetzt, die laut seiner Aussage ausschließlich aus Migranten besteht und sich selber Struja nennt (das bedeutet Stromschlag). „Ich hab dem Gsindl nach den ersten Drohungen gesagt, sie können sich das Geld bei mir abholen. Ein befreundeter Motorradclub hat dann mit mir auf die Arschlöcher gewartet und denen erklärt, dass sie mich in Ruhe lassen sollen. So schnell haben wir gar nicht schauen können, haben die alle Messer in der Hand gehabt und Schlagstöcke. Es ist dann Gott sei Dank nix passiert, aber das hätt’ auch bös ausgehen können. In den nächsten Wochen hat man mir zweimal die Reifen aufgestochen und mein Motorrad wurde beschädigt. Ich bezahle jetzt jedenfalls, da hast du als kleiner Wirt keine Chance.“

Ähnliche Fälle sind in mehreren Bezirken in Wien und auch in Baden und Umgebung bekannt, doch der Polizei sind in vielen Fällen die Hände gebunden. Oberstleutnant Robert Klug: „Uns ist in den vergangenen Monaten ein großer Schlag gegen die tschetschenische Schutzgeldmafia gelungen, doch das Verbrechen stirbt ja bekanntlich nicht aus. Es ist logisch, dass es Nachfolgeorganisationen gibt, und wir gehen mit aller Härte dagegen vor. Wir haben mit vielen Leuten gesprochen, und die erzählen uns von Erpressungen. Nur wenn es dann zur schriftlichen Anzeige kommen soll, bekommen die Menschen Angst und ziehen ihre Aussagen zurück. Somit ist es für uns fast unmöglich oder zumindest sehr schwer, etwas zu unternehmen.“ Dennoch wird den Menschen von der Exekutive empfohlen, sich zur Wehr zu setzen und auch Anzeigen zu erstatten, denn diese Machenschaften gehören im Keim erstickt.

Ein Polizist, der anonym bleiben will, bringt es auf den Punkt: „Diese Organisation hat serbische und russische Lenker im Hintergrund. Nur für die dummen und gewalttätigen Arbeiten werden die Tschetschenen benutzt. Diese Menschen haben vor nichts Angst oder Respekt, jeder Gefängnisaufenthalt in Österreich ist für die wie ein Wellnessurlaub. Viele Kollegen haben auch Angst vor der unglaublichen Brutalität, mit der diese Leute vorgehen, die sind teilweise bis an die Zähne bewaffnet. Ich kann nur jedem empfehlen, sich nicht direkt mit diesen Leuten anzulegen, die schrecken vor nichts zurück. Da brennt ganz schnell einmal ein Haus oder ein Auto, und vor schwerer Körperverletzung, auch gegen Frauen und Kinder, wird nicht zurückgeschreckt.“

Auf jeden Fall soll schon wieder kräftig ermittelt werden, aber auch die Struja ist weiter auf dem Vormarsch. Aktuell wollen sich neun betroffene Geschäftsleute aus dem Bezirk Baden zusammentun und eine eigene Security bezahlen. Ob das das richtige Mittel gegen die Schutzgeldmafia sein kann, ist fraglich. Wir bleiben weiter an der Geschichte dran.

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