Ein guter Songwriter strebt nach Einzigartigkeit

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Gold Awards für die Studioalben New York - Stintino und Meile für Meyle auf dem eigenen Label Meylemusic, die erste eigene und erfolgreiche TV-Sendung Meylensteine: Dieser Mann ist ein Phänomen. Gregor Meyle ist einer der besten Liedermacher Deutschlands, seine Texte verzaubern und bewegen die Menschen. Er hat nicht nur in der Show Sing meinen Song begeistert, auch sein eigenes Format Meylensteine, in dem er andere Musiker trifft, ist ein voller Erfolg. Kurz vor seinen Österreich-Konzerten in Wien und Salzburg, baten wir das Ausnahmetalent zu einem launigen Interview.


Interview: Roland Hofbauer

 Sie gelten als einer der besten Songwriter des deutschsprachigen Raums. Was macht einen guten Liedermacher aus?

Das sind jetzt vielleicht zu viele Vorschusslorbeeren. Ich bin einfach froh, für meinen Lebensunterhalt Musik machen zu dürfen. Und das hoffentlich bis zu meinem Lebensende, denn es ist eine Berufung voller Leidenschaft und Hingabe. Ständig begleiten einen Melodien und die Suche nach neuen Ideen. Man kann Musik eigentlich gar nicht mehr einfach so nebenbei hören, weil man im Supermarkt, vor dem Gemüse stehend, sofort anfängt, zum Beispiel die Hallräume der verschiedenen Instrumente eines Songs aus der Beschallungsanlage zu analysieren. Das wird über die Jahre sicherlich exzentrischer und skurriler. Aber ein guter Songwriter bleibt hart am Wind, strebt nach Einzigartigkeit, bleibt für alles offen und bewahrt sich demütig die Balance zwischen Rumprobieren und Abliefern. Und die schönsten Dinge entstehen sowieso ohne einen wirklichen Masterplan dahinter.

 Muss ein Musiker sich hinaufarbeiten, um nicht abzuheben und damit er den Erfolg auch zu schätzen weiß?

Es ist sicherlich die beste Schule des Lebens, hart an seinen Träumen arbeiten zu dürfen. Dabei muss man gar nicht alle Ziele erreichen. Aber der springende Punkt ist: Man muss es zumindest probiert haben! Manchmal vergisst man dabei, dem Bäumchen Wasser zu geben und es kriegt dann auch zu wenig Sonne, weil man mit anderen Dingen beschäftigt ist. Gerade deshalb ist man hinterher dann vielleicht umso stolzer, wenn da plötzlich doch ein richtiger Baum steht, den man selbst aus einem daumengroßen Samen gepflanzt hat.

 Sie haben an Stefan Raabs Show SDSDSSWEMUGABRTLAD (Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf) teilgenommen und sind bis ins Finale gekommen. Was halten Sie heute generell von Castingshows?

Eine Castingshow kann durchaus ein Sprungbrett sein, aber eines ins kalte Wasser. Schwimmen muss man dann schon selbst, am besten bis zum Beckenrand. Und mit etwas mehr Mut vielleicht einen Sprungturm höher.

 In der ersten Staffel von Sing meinen Song sind sie mit Sasha, Sarah Connor und Xavier Naidoo auf der Bühne gestanden, davor waren Sie für diese Stars als Ton- und Bühnentechniker tätig. Wird man trotz dieser Vergangenheit von den Künstlern als Vollblutmusiker ernst genommen?

Ja, und das hat mich wohl bei dieser Sendung am meisten überrascht und inspiriert. Es war einfach mega-spannend und ich hatte außerdem auch nicht viel zu verlieren. Somit konnte ich eigentlich nur gewinnen. Ich war ein unbeschriebenes Blatt. Xavier hat sehr viel beigetragen und es war unübersehbar, dass er mich immer mit ins Spiel gebracht und mir so geholfen hat. Ich danke ihm von Herzen für diese einmalige Chance und er ist, glaube ich, auch sehr stolz drauf, dass ich sie ordentlich genutzt habe.

 Wo stehen Sie eigentlich politisch und wie sehen Sie die Entwicklung in Europa und dem Rest der Welt?

Ich habe von Politik wirklich keine Ahnung. Aber ich kann jedem Politiker nur raten, sich mit Geschichte zu beschäftigen, denn daraus lernt man vorausschauend zu handeln. Geschichte wiederholt sich und das Streben nach Macht ist leider tief im Charakter des Menschen verankert. Ich glaube daran, dass uns Liebe, Verständnis füreinander und die Suche nach dem Dialog nicht verloren gehen dürfen.

 Was wäre für Sie beruflich eine Alternative zu der Musik gewesen und was könnten Sie sich heute noch vorstellen?

Ich habe ja zehn Jahre als Veranstaltungstechniker gearbeitet und hätte das vermutlich auch gut durchgezogen. Den Beruf eines Winzers und eines Kochs hätte ich mir dabei dennoch romantischer vorgestellt.

 Gold Awards für Ihre Studioalben New York - Stintino und Meile für Meyle auf dem eigenen Label Meylemusic, die erste eigene und erfolgreiche TV-Sendung, Meylensteine, über 200.000 begeisterte Konzertbesucher, ein Echo und der Deutsche Fernsehpreis - Sie haben einen richtigen Lauf. Was für Ziele und Wünsche haben Sie noch?

Ich hoffe natürlich, noch ein paar gute Songs zu schreiben und noch viele Jahre auf der Bühne stehen zu dürfen. Ich lerne jeden Tag wunderschöne Dinge dazu, die das Leben reifer machen. Und ich möchte noch sehr viel mehr lernen, Klavier- und Gitarrenunterricht nehmen, die Welt bereisen und viel kostbare Zeit mit meiner Familie und mit Freunden verbringen.

 Sie gelten als sehr bodenständig und freundlich, viele andere Stars sind das nicht. Was halten Sie von Allüren?

Eigentlich bin ich noch nie einem wirklichen Star mit Allüren begegnet. Je erfolgreicher man wird, desto einfacher wird es, zu den Dingen, die man doof findet, Nein zu sagen.

 Macht Musik eigentlich sexy und wie reagieren Sie auf Avancen Ihrer Fans?

Ich habe dazu meine eigene Theorie: Nicht nur seit die Menschheit den Schutz in Höhlen gesucht hat, gibt es unterschiedliche, mehr oder weniger ausgeprägte Techniken, um den nötigen Eindruck beim anderen Geschlecht zu erzielen. Da gibt es zum Beispiel die körperlich stärkeren Kollegen, die mit Kraft und viel Beute eindrucksvoll glänzen wollen. Und dann gibt es diejenigen, die sich einen kleinen Felsvorsprung suchen, um durch Fantasie und mit einem gewissen Talent zur Ausschmückung versuchen, durch die eine oder andere das Herz berührende Geschichte einen potenziellen Partner zu finden.

 Woran denken Sie, wenn Sie abends im Bett liegen? Schlafen Sie gut oder machen Sie sich viele Sorgen? Wenn ja, um was?

Die meisten von uns, vor allem wir in Deutschland, müssen sich glücklicherweise generell nicht so viele Sorgen machen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es meiner Familie gut geht, wir nicht auf der Flucht sind und in Frieden leben dürfen. Das ist und bleibt ein unglaubliches Privileg. Ich denke an meine Familie, an meine Freunde und an Menschen, denen es nicht so gut geht. Es kann aber auch passieren, dass ich zu viel Musik im Kopf habe - dann kann ich ebenfalls nicht gut schlafen.

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