Ein Lied soll Frieden bringen

Foto: beigestellt

Reemon Paulus gehört zu den schillerndsten Starfriseuren Österreichs. Sein Salon in Wien erinnert an das sagenumwobene Studio 54. Der Mann will nicht nur seine Kunden glücklich machen, er engagiert sich auch mit Haut und Haar für soziale Einrichtungen und gegen den Krieg. Sein Song Ah Ya Denya (Ach Leben!) hat das Zeug zum Welthit.


Text: Roland Hofbauer

Bereits im Vorjahr hat der gebürtige Aramäer mit seiner Spendenaktion "Österreich zeigt Herz" mehrere Tausend Euro für syrische Kinder gesammelt, jetzt möchte er die ganze Welt zum Helfen animieren. In der Berichterstattung über kriegerische Konflikte wie in Syrien wird häufig das Wort "Bürgerkrieg" verwendet. Dieser Begriff lässt in den Köpfen die Vorstellung entstehen, dass die weitgehende Mehrheit der Bürger eines Landes zu den Waffen greift und damit andere Mitbürger bekämpft. Das ist ein fundamentaler Irrtum.

Reemon Paulus steht selbst angesichts der Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit vor der Frage: Soll ich hier einfach weiter zusehen und mein bequemes Leben fortführen oder kann ich hier vielleicht etwas Positives beitragen? Wie kann ich die Kultur des friedlichen Zusammenlebens, die ich hier in Österreich kennengelernt habe, weitergeben? An die Bewohner meines Geburtsortes Mossul, die zwischen den politischen Machtinteressen aufgerieben werden, und an alle Menschen dieser Welt - unabhängig von Religion, Rasse, Geschlecht und Herkunft.

Denn Reemon Paulus hat, im Unterschied zu anderen Songwritern, die Kriege nur vom Hörensagen kennen, selbst als Jugendlicher erfahren, was Krieg wirklich bedeutet. Als Angehöriger des alten Volkes der Assyrer (der seinerzeitigen Bewohner des Zweistromlandes zwischen Euphrat & Tigris, die heute eine christliche Minderheit im Irak darstellen) musste die Hälfte seiner Familie bereits in den 1980er-Jahren aus Mossul vor dem Irak-Iran-Krieg nach Österreich flüchten. Mit 15 schaffte er es dann, 1992 während des Golfkriegs mit der anderen Hälfte seiner Familie nach Österreich zu kommen.

Hier in Österreich musste Reemon Paulus lernen, wie unterschiedliche Kulturen neben- und miteinander funktionieren, welche wichtige Rolle die Sprache für eine erfolgreiche Verständigung spielt und wie unterschiedliche Werte nebeneinander ihren Platz finden können. Als Sohn eines Diakons wuchs er mit traditionellen christlichen Werten auf, erfuhr aber als Iraker automatisch viel über die arabische Kultur und leitete durch seine musikalische Begabung bis zu seiner Flucht den Kirchenchor in Bagdad/Al-Dora (in aramäischer Sprache, der originalen Sprache der Bibel). Doch nicht nur die Klänge der kirchlichen Chöre beeindruckten den jungen Reemon, seine Leidenschaft ist die Komposition zeitgemäßer Musik und die Kraft der Popkultur, die Millionen von Menschen bewegt.
Als erfolgreicher Stylist, mit eigenem Salon in Wien, hat er im Zuge seiner Beratungen auch festgestellt, dass er die Gabe besitzt, bei Menschen Visionen zu erzeugen und Personen mit völlig verschiedenen Ansichten und Prägungen für gemeinsame Projekte zu verbinden. Diese Erfahrung hat den Song Ah Ya Den-ya (Ach Leben!) entstehen lassen, der das Startsignal für eine neue Friedensbewegung werden könnte.

Reemon Paulus hat ihn aus einer inneren Unruhe heraus geschrieben. Wenn jeder von uns erst einmal den Frieden in sich finden kann, kann so die größte aller Revolutionen stattfinden, die es je gegeben hat: Die Revolution des Friedens.

Denn "Frieden ist möglich - wir müssen nur einen Schritt aufeinander zugehen und in unseren eigenen Köpfen mit anderen Menschen Frieden schließen. Und wir müssen für den Frieden Flagge zeigen - mit diesem Song", sagt er. Ein mutiges Musikprojekt, das weltweit aufhorchen lassen wird, denn mit Ah Ya Denya, das als Originalausgabe bewusst in arabischer Sprache erscheint (und zusätzlich mit 35 Übersetzungen in die wichtigsten Sprachen dieser Welt), schlägt Reemon Paulus nun internationale Wege ein.

Soul und Pop treffen auf traditionelle Partien, werden durchmischt mit Electronic Dance und treibenden Rhythmen. Die lyrische Komposition der Texte sticht ins Ohr, auch wenn man
als Zuhörer kein Wort der fremden Sprache versteht. Klingt nach einem Welthit, im Herzen von Wien entstanden.

Der Zweck des Videos unterscheidet sich vom üblichen Pop-Business. Der Reinerlös geht an Einrichtungen für heimatlose Flüchtlingskinder. Reemon Paulus will keinen Ruhm. Es ist die Liebe zur Musik und noch viel mehr die Liebe zu den Menschen, die ihn antreibt. Er nützt seine Stimme, um die Welt ein kleines Stück besser zu machen.

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