Ein Schnitt Richtung Zukunft

Foto: 123rf

Mit der Gen-Schere CRISPR/Cas kann man das Erbgut jedes Lebewesens verändern. Die Hoffnung auf Heilung von Krankheiten wie Krebs ist groß, die Risiken noch ungewiss. In China hat man die Methode nun an Menschen getestet. In den USA soll es schon bald so weit sein.

Die Behandlung ist gut verlaufen. Ein Satz, der für Erleichterung sorgt. Und Zuversicht gibt. Immer. Aber als Lu You diesen Satz sagte, schenkte er damit nicht nur einem Menschen viel Hoffnung, sondern der ganzen Menschheit. Hoffnung auf eine Zukunft, in der Krebs heilbar ist. Denn zum ersten Mal weltweit haben er und sein Team in einem Krankenhaus in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan in China, einen Menschen mit der Gen-Schere CRISPR/Cas behandelt. Einen Patienten, der an Lungenkrebs leidet. Und dem Chemo- und Strahlentherapie sowie alle anderen Behandlungen nicht mehr helfen konnten. Die Ärzte haben seinem Blut sogenannte T-Zellen entnommen, sie im Labor für den Kampf gegen Tumore scharf gemacht, also quasi aufgerüstet, und vermehrt, um sie dann wieder in das Blut des Mannes zu injizieren. Jetzt sollen sie den Krebs besiegen. Ob alles nach Plan verläuft, ist noch ungewiss. Details wollte Lu You wegen des Patientenschutzes nicht preisgeben. Aber die Hoffnung ist groß.

Die Methode
Die Französin Emmanuelle Charpentier und die Amerikanerin Jennifer Doudna haben die CRISPR/Cas-Methode 2012 als Erste eingesetzt und im Magazin Science beschrieben. Und so funktioniert sie: Der CRISPR-Abschnitt erkennt die Erbgut-Sequenz, die verändert werden soll. Cas9, ein Eiweißstoff, schneidet an der Stelle das Erbgut, also den DNS-Doppelstrang. Der wird von den Zellen anschließend repariert. Und dabei kann man Gene einfügen oder austauschen und das Erbgut verändern. Genome Editing nennt man das. Die Methode ist, auch wenn es vielleicht nicht so klingt, einfach, wirkungsvoll und in der Grundlagenforschung mittlerweile weit verbreitet. In der Medizin wollen auch US-amerikanische Wissenschaftler damit Krebspatienten behandeln, aber China ist ihnen zuvorgekommen. Carl June, Immunologe an der Universität Pennsylvania und wissenschaftlicher Berater für die ersten Versuche am Menschen in den USA, rechnet mit einem biomedizinischen Duell. Ähnlich dem Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg. Er sagt aber auch: "Wettbewerb macht das Endprodukt üblicherweise besser." Was es zu verbessern gibt, wird sich erst zeigen.
Risiken gibt es natürlich. Denn noch ist nicht geklärt, ob die Gen-Schere auch an anderen, falschen Stellen schneidet. Man weiß auch nicht, wie das Immunsystem auf die Veränderungen reagiert. Die Nebenwirkungen kann man nicht abschätzen. Die ersten Versuche an Menschen sollen nun für Klarheit sorgen.

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Gebote statt Verbote
"Es gibt im Krankenhaus viele Fälle, wo die Mediziner überhaupt keine Möglichkeit haben, den Patienten ursächlich zu helfen, vielleicht tut sich hier mit der CRISPR/Cas-Technologie eine neue Chance auf", sagte Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt anlässlich einer Diskussion zum Thema. In Schweden wollen Wissenschaftler zum Beispiel mit der Gen-Schere die Gründe für das Absterben von Embryonen im Mutterleib und die folgende Unfruchtbarkeit erforschen. Das Regelwerk in Europa ist sehr streng. Noch befasst man sich damit, was man aus ethischer Sicht darf, und was man nicht dürfen soll. Aber die Möglichkeiten sind vielfältig und die
Erfolgschancen recht groß. Man könnte nicht nur Krebs, sondern auch Erbkrankheiten wie die zystische Fibrose (Mukoviszidose) behandeln. Und deshalb müsse man darüber diskutieren, ob man nicht über Verbote, sondern über Gebote sprechen müsste, meinte Druml. Die nächsten Monate werden jedenfalls zeigen, wozu CRISPR/Cas imstande ist. Und wer weiß, vielleicht hören schon bald viele Menschen einen Satz, von dem sie nicht gehofft hatten, dass sie ihn noch einmal hren werden. Die Behandlung ist gut verlaufen.

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