Großdisko Club Couture: Krimi-Karussell dreht sich

Foto: beigestellt

Der Club Couture ? vormals Nachtschicht, jetzt Bollwerk Wien ? im Wiener Donauzentrum war eine der größten Discos Österreichs. Deren Pleite und auch Steuerthemen beschäftigen die Justiz seit geraumer Zeit. Doch nun scheint sich der Fall zu drehen und es steht der ehemalige Betriebsleiter im Visier der Ermittler.

50.000 Euro habe der Ex-Besitzer Roland R. jeden Monat schwarz aus der Kassa entnommen. Und so insgesamt 4,7 Millionen Euro an der Steuer vorbeigeschleust, lautet der schwere Vorwurf. Der Betriebsleiter Alexander S. und eine seiner Mitarbeiterinnen hatten bei Polizei und Finanzamt gegen Roland R. ausgesagt. Großangelegte Razzien richteten sich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen sein ganzes Familienumfeld. Stets beteuerte R. seine Unschuld. Ein Komplott sei gegen ihn gelaufen, das ihn nicht nur seine Disco, sondern auch sein Vermögen gekostet habe.

2007 hatte Roland R. die Nachtschicht im Wiener Donauzentrum gekauft. "Schicht ist Pflicht" hieß es damals unter vielen Jungen. 2009 baute er sie in den Club Couture um. Nicht selten vergnügten sich hier 5.000 junge Menschen in einer einzigen Nacht. Die Einnahmen sprudelten bis Mitte 2013 prächtig. 2015 folgte das Desaster mit dem Verlust des Clubs, den der Grazer Disco-König Martin Fritz sehr billig um 200.000 Euro erwarb und als Bollwerk Wien neu eröffnete.

 Schalter zur Steuervermeidung

Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen den ehemaligen Betriebsleiter Alexander S. Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte bei der Polizei ausgesagt, im Auftrag von S. einen Schalter zur Unterbrechung des Zählwerks installiert zu haben, um ein Drehkreuz und somit die Zahl der Eintritte zu manipulieren. Das bot die Möglichkeit, Schwarzeinnahmen zu tätigen. Alexander S. gab bei einer Einvernahme zu Protokoll, für die Installation des Schalters verantwortlich zu sein. Er habe die Möglichkeit gehabt, Schwarzgeld zu kassieren, dies aber nie gemacht.

Zusätzlich erklärten zwei ehemalige Mitarbeiter des Club Couture gegenüber alles roger?, dass Alexander S. Kellner zum Schwarzverkauf angestiftet habe und der Gewinn geteilt worden sei. Für alle Beteiligten - auch die weiter unten angeführten - gilt die Unschuldsvermutung.

 "Anleitung, um Club billig zu bekommen"

Im Fall Club Couture geht es um weit mehr als um Vergnügung und andere Steuern. "Es sieht nach einer Anleitung aus, wie man sich einen der größten Clubs Mitteleuropas mitsamt wertvollen Markenrechten um ein Taschengeld unter den Nagel reißt", erklärt ein Kenner des Falls.

Roland R. erklärt, dass es für ihn als Besitzer des Club Couture zunächst nur ein massiveres Problem gegeben habe: einen Streit mit der Stadt Wien. Er habe die Vergnügungssteuer für EU-rechtswidrig gehalten und zusammen mit seiner Steuerberaterin entschieden, diese nicht mehr zu zahlen. Doch er habe nachgeben und die Vergnügungssteuer wieder entrichten müssen - die übrigens seit heuer in Wien tatsächlich abgeschafft ist. Im zweiten Halbjahr 2013 habe ihm eines Abends sein Betriebsleiter Alexander S. den steirischen Chef der Bollwerk-Discogruppe, Martin Fritz, vorgestellt, erzählt Roland R. Fritz sei an seinem Club sehr interessiert gewesen. Für rund 2,5 Millionen Euro könne Fritz gleich den Schlüssel haben, sei Roland R.s Angebot gewesen. "Mehr als eine Million gibt's nicht", habe die Antwort gelautet. Daraufhin habe er abgelehnt und das Gespräch beendet, erklärt Roland R.

 "Seltsame" Vorschläge

In den Folgemonaten seien die Umsätze im Club Couture zuerst langsam und 2014 "immer ärger" zurückgegangen. Roland R. erzählt, bemerkt zu haben, dass sich Alexander S. für den Club nicht mehr engagiert habe - was auch die zwei ehemaligen Mitarbeiter gegenüber alles roger? bestätigten. Alexander S. habe den Club kaufen wollen, aber keinen Kredit dafür bekommen. Als Lösung habe Roland R.s damaliger Anwalt vorgeschlagen, die bestehende Betriebsgesellschaft der Disco in die Insolvenz zu schicken und darauf gedrängt, den Firmensitz nach Graz zu verlegen - weil er dort die Masseverwalter kenne. Gleichzeitig sollte eine neue Gesellschaft gegründet und Alexander S. zum treuhändigen Geschäftsführer gemacht werden. Roland R. sollte Besitzer der neuen Club-Couture-Betreibergesellschaft bleiben und der Betrieb normal weiterlaufen. "Ich verstand den Grund des Vorschlags nicht", erzählt er. Aber er habe seinem Rechtsanwalt vertraut und zugestimmt.

Alles sei so gemacht und im März 2015 das Ausgleichsverfahren eröffnet worden. Ab da habe er geglaubt, "im falschen Film" zu sein: Nur kurz danach habe er per Einschreiben ein Betretungsverbot für seinen eigenen Club bekommen, die Schlösser seien getauscht worden und Martin Fritz habe den Club aufgesperrt. Um wieder den Club betreiben zu können, müsse er 200.000 Euro an den Masseverwalter überweisen, habe ihm sein Ex-Anwalt gesagt. Das habe er, später waren es 500.000 Euro. Als dann 800.000 Euro von ihm verlangt worden seien, sei ihm klar geworden, dass "sie mich verarschen".

 Freunde oder Fremde?

Der rasche Verkauf des Club Couture durch den Grazer Masseverwalter Bernhard Astner war nur möglich durch die Zustimmung von Alexander S. als treuhändiger Gesellschafter. Roland R. wurde dabei übergangen. Als Besitzer hätte dies nicht der Fall sein dürfen, erklärt er. Im Zuge mehrerer Gerichtsverhandlungen wurde Alexander S. gefragt, ob er Bollwerk-Besitzer Martin Fritz von früher kannte - weil dann eine Zusammenarbeit für eine Übernahme des Club Couture möglich gewesen wäre. Dieser verneinte. Doch Fotos, gesicherte Facebook-Einträge, ein Zeitschriftenartikel sowie Aussagen zweier Mitarbeiter gegenüber alles roger? weisen auf das Gegenteil hin. Fritz war für alles roger? nicht erreichbar. Alexander S. verwies auf seine bereits getätigten Aussagen bei den zuständigen Behörden und Gerichten und wollte inhaltlich nicht Stellung nehmen. Stattdessen drohte er alles roger? mit rechtlichen Schritten.

Roland R.s derzeitiger Anwalt gibt zu bedenken, dass die Versteigerung im Juli 2015 mindestens zwei Mal in großen Medien inseriert hätte werden sollen, um einen höheren Preis zu erzielen. Astner erklärt, dass gesetzeskonform eine Dauerschaltung in der Ediktsdatei erfolgt sei und daher jeder Interessierte an der Versteigerung hätte teilnehmen können. Fakt ist, dass dann nur Fritz als Bieter anwesend war. Die Übergabe erfolgte noch vor der rechtskonformen Genehmigung des Verkaufs durch das Gericht. Die Eröffnung des Bollwerk Wien fand bereits im Oktober 2015 statt.

 Wert weit höher

Ebenfalls im Oktober 2015 zeigte Masseverwalter Astner bei der Staatsanwaltschaft die angeblichen Schwarzentnahmen von Roland R. in der Höhe von insgesamt 4,7 Millionen Euro an. Der Beschuldigte erwidert: "Wie viel muss ein Club wert sein, wenn man sich jahrelang angeblich 50.000 Euro pro Monat aus der Kassa nehmen kann? Sicher ein Vielfaches der 200.000 Euro, die Fritz dafür bezahlt hat. Entweder es wurde nichts entnommen oder der Kaufpreis war zu niedrig - oder aber beides."

Bis vor Kurzem schien der Fall Club Couture klar. Doch jetzt ist die Schuld von Roland R. fraglich.

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