Heimat ist wieder in

Foto: kzenon / 123RF Stock Photo
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Nur Blinde können es übersehen: Heimat ist wieder in. Jägerball und Neustifter Kirtag verzeichnen selbst in der Großstadt einen ständig zunehmenden Andrang. Man trägt Dirndln und Lederhosen. Bei Länderspielen wogt ein rot-weiß-rotes Fahnenmeer. Für viele junge Menschen ist es zentrales Ziel, in die dörfliche Blasmusik aufgenommen zu werden. Musiker erzielen mit patriotischen Liedern ihre größten Erfolge.


alles roger?-Kolumne von Dr. Andreas Unterberger 

Selbst die Linksparteien konnten nicht umhin, der Ausweisung von auslandsfinanzierten Imamen aus Österreich zuzustimmen. Sogar der ORF versucht neuerdings, seine Zwangsfinanzierung mit der Behauptung zu rechtfertigen, wichtig für Österreichs Identität zu sein; deshalb spielt er nun möglichst viele heimatorientierte Fernsehformate nach, die zuvor von den Privatsendern erfunden worden sind (ganz ohne Zwangsgebühren, aber mit Gespür für den Markt, also den Wünschen der Menschen).

Zwar gibt es noch linke Staatsanwälte, die mit Haftdrohungen gegen die "Identitäre Bewegung" loszugehen versuchen. Aber alles in allem kann kein Zweifel sein: Heimat, österreichische Identität, ist wieder in. Dabei ist diese eigentlich ein sehr junges Wesen. War sie doch jahrhundertelang nur ein Synonym für habsburgische Identität, für das "Haus Österreich". Nach dessen Sturz suchte dann ein Großteil der Österreicher von links bis rechts seine geistige Heimat in einer großdeutschen Identität.

Junge Österreich-Identität

Die heutige Österreich-Identität entstand erst in der Abwehr gegen den Nationalsozialismus, im Dollfuß/Schuschnigg-Staat, auf der Dachauer Lagerstraße und dann endgültig in der Nachkriegszeit, bis eine Generation an Österreichern nachgewachsen war, für die es nicht einmal mehr eine Zehntelsekunde Zweifel gibt, dass ihre Identität Österreich ist. Die Worte "großdeutsch" und "Anschluss" sind angesichts dieser emotionalen Selbstverständlichkeit genauso in die Geschichte zurückgesunken wie etwa die einstigen Erbfolgekriege.

Weder sozialistischer Internationalismus noch christliche Drittwelt-Rhetorik noch ein allzu befohlen wirkender Europa-Patriotismus haben diese tiefe Verankerung der Menschen in der eigenen Heimat ausreißen können, im eigenen Dorf, der eigenen Stadt, im eigenen Bundesland, im eigenen Staat.

Diese Verankerung ist eine emotionale, keine genetische, wie manche Dummköpfe meinen. Sie entsteht jedoch während der ersten Lebensjahre und ist danach nur noch schwer durch eine andere Heimat zu ersetzen. Und selbst bei jenen Menschen, die das schaffen, taucht dann im Alter wehmütige Sehnsucht nach den Orten der Kindheit auf.

Schweiz und Osteuropa

Das alles ist keineswegs eine österreichische Spezialität. Man denke etwa an die Schweizer, die seit Generationen begeistert das sind, was man als nationalistisch bezeichnen kann. Aber es ist ein liebenswerter Nationalismus. Er will keinem anderen Land Böses, empfindet sich nicht als überlegen, hält jedoch mit unglaublicher Kraft an der eigenen Identität, den eigenen Traditionen, am Eigen-Sein fest.

Genauso faszinierend ist das Wiedererwachen der nationalen Kraft in Mittel-Osteuropa. Ungarn, Slowaken, Balten, Tschechen und Polen haben alle ihren Wiederaufstieg nach 40 Jahren kommunistisch-sowjetischer Unterjochung vor allem durch die Kraft ihres Nationalbewusstseins geschafft. Gewiss mit westlicher Hilfe, aber entscheidend war die aus dem "Wir" strömende Energie. Aus der gemeinsamen Geschichte (je leidvoller, desto stärker), aus der gemeinsamen christlichen Grundlage (die auch Nicht-Kirchgänger trägt), und aus der gemeinsamen Sprache (auch wenn es Beispiele gibt, wie die Schweiz oder Finnland, wo es mehrere gleich(!)berechtigte Sprachen gibt, die jeweils alle im Interesse der Erhaltung des "Wir"-Gefühls enorm gefördert werden). 

Kein "Wir" - kein Erfolg

Es ist umgekehrt eindeutig, dass dort, wo dieses Wir nicht wirklich geklärt ist - wo juristisch gesprochen Staatsvolk und Staatsgebiet umstritten sind -, wo keine gemeinsame geistige Basis wirksam ist, auch die gesamte übrige Entwicklung nicht vorankommt. Man denke etwa an Bosnien oder den Kosovo. Man denke etwa an die vielen Konflikte in Afrika, wo die von den Kolonialmächten gezogenen Grenzen meist keinerlei Bezug zur regionalen Identität der Menschen haben.

Die Renaissance des Heimat-, des Wir-Gefühls ist aber nicht nur eine europäische Sache.

Bei den drei Großmächten führt das freilich auch zu bedenklichen Entwicklungen. Da droht das "America First" des US-Präsidenten manches zu zerstören. Da haben China wie Russland zwar den dogmatischen Kommunismus über Bord geworfen, aber dafür einen bedrohlichen Nationalismus beibehalten, beziehungsweise entwickelt. Dieser ist bei diesen drei Großen zum Unterschied von den Kleineren potenziell oder auch schon real sehr aggressiv. Und so positiv nationales Denken für die Mobilisierung innerer Kräfte ist, so negativ wird es, wenn es zu territorialer Aggression und Expansion, zu militärischen Abenteuern, zum Bruch internationaler Verträge und zu Dominanzverhalten führt.

Beispiel Südkorea

Aber lassen wir diesmal die Großen links liegen, bleiben wir bei den positiven Beispielen. Am Ostende Asiens findet man das überhaupt sensationellste Beispiel, welche Kraft nationalem Wir-Gefühl entspringen kann: in Südkorea. Lange von fremder, vor allem japanischer Herrschaft versklavt, tobte im Korea der 50er ein blutiger Krieg zwischen kommunistisch-chinesischen Kämpfern und einer westlich-amerikanischen Armee, der schließlich zur Teilung des Landes führte. Südkorea blieb verwüstet als eines der ärmsten Länder der Welt zurück. Es hat jedoch seither den fulminanten Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Länder der Welt geschafft. Vielfach ist es heute technologisch führend.

Südkorea hat dies ganz ohne Bodenschätze, geografisch isoliert, mit ein bisschen Entwicklungshilfe geschafft. Vor allem aber durch eigene nationale Anstrengung. Zwölf-Stunden-Tage waren kein Schreckgespenst, sondern lebenslange Selbstverständlichkeit. Im Bildungssystem waren das harter Drill und Erfolgsorientierung. Zugleich waren angesichts einer ständigen Bedrohung aus dem Norden stets intensive Verteidigungsvorkehrungen notwendig.

Nein zur Zuwanderung

Heute hat es Südkorea geschafft (wie auch immer es in Sachen Nordkorea weitergeht). Und das ganze Land weiß, dass das Erfolgsgeheimnis das südkoreanische "Wir" war, die eigene nationale Kraft, die aus den vielen Generationen nationaler Demütigung erwachsen ist. Dies erinnert frappierend an jene Osteuropäer, die ebenfalls in langen Phasen der Geschichte schwer gedemütigt gewesen sind wie etwa die Polen. Auch hier entwickeln sich die einst Versklavten besonders erfolgreich.

Das absolut Faszinierendste: Gerade diese Länder sind felsenfest und konsequent in ihrem Nein zu jeder Immigration. Sie wollen keine Fremden (mehr) im Land, obwohl etwa auch die Südkoreaner inzwischen von der europäischen Krankheit, der deutlichen Überalterung, erfasst sind. Aber sie lassen dennoch keine "Flüchtlinge" herein (was ja viele Linke als Gegenrezept zur Überalterung anpreisen). In Südkorea geht man freilich auch nicht mit 60 in die Untätigkeit über. Dort arbeiten auch alle Alten ihren jeweiligen Kräften entsprechend weiter mit. Sie wissen: Es ist ja für ihr Land, ihre Heimat.

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