Ich bereue nichts!

Foto: Beigestellt
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Manfred Tisal zählt zu den schärfsten Zungen des Landes und unterhält die Nation seit Jahrzehnten als "EU-Bauer". Nun wurde die Villacher Faschingsikone vom ORF gnadenlos abgesägt, nachdem er in Facebook seine Meinung kundtat. "Flüchtlinge sind Sozial-schmarotzer", postete er und sprach damit vielen Österreichern aus der Seele. Leider zählt die mehrheitliche Meinung in unserem Land nicht. Dafür steht Manfred Tisal alles roger? zu seinem Fall Rede und Antwort.


Interview: Roland Hofbauer

 Was hat Sie so verärgert, dass Sie sich getraut haben, so eine Meldung zu schreiben?

Heute frage ich mich schon manchmal, ob mich nicht der Teufel geritten hat. Aber ich bereue nichts. Ich erachte es genauer betrachtet nicht nur als Recht, sondern auch als Pflicht, in einer Demokratie eine Meinung zu äußern. Zudem ist es ein Thema, das viele bewegt. Jeder, der 45 Jahre für sein Land und für den Wohlstand aller Bewohner dieses Landes gearbeitet hat und dann mit einer Pension von etwas mehr als 800 Euro das Auslangen finden muss, während andere in den Topf greifen, der nicht für sie vorgesehen ist, und sich das Gleiche herausschmarotzen, weiß, wovon ich rede.

 Haben Sie nicht mit möglichen Konsequenzen gerechnet?

Na ja, zuerst habe ich gedacht, ich gehe vor die Hunde. Veranstalter haben abgesagt, der ORF hat sich von mir verabschiedet und so weiter. Aber dann hat sich ein Sprichwort bewahrheitet. Geht eine Türe zu, öffnet sich eine andere.

 Wie haben Ihr Umfeld und Ihre Familie darauf reagiert?

Ehrlich gesagt ,scheiße?. Zuerst der Schock, denn das kam ja alles nicht vorhersehbar, und dann die Erkenntnis, dass alles im Leben bewältigbar ist. Wenn man sich lieb hat und zusammenhält, ist alles andere nur mehr ein Klacks.

 Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie von den Konsequenzen des ORF erfahren haben?

Genauso scheiße. Jahrelang habe ich versucht, Menschen mit meinen Gedichten und Geschichten Freude zu bereiten. Sie haben sich an mich gewöhnt und ich an sie. Wir haben immer ein Lächeln für uns übrig gehabt. Aber es ist halt so. Verwunderlich ist nur, dass man in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender nicht das Recht hat, öffentlich ehrlich zu sein.

 Ist der Villacher Fasching für Sie nun wirklich in Gefahr?

Überhaupt nicht. Er ist eine wunderbare Einrichtung und ehrlich demokratisch, wenn Sie mich fragen. Wenigstens ein Mal im Jahr hat der Narr die Möglichkeit, straffrei seine Meinung zu sagen. Und außerdem ist der Villacher Fasching schon so etabliert, dass ein Aus undenkbar ist. Der Villacher Fasching steht so gesehen schon unter Denkmalschutz. Wenn der ORF mich nicht ausstrahlt, ist das seine Sache. Ich werde dort für mein Publikum auftreten, wie immer. Mir schadet der ORF nicht, wie es umgekehrt ist, sei dahingestellt.

 Sollte ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht jede Meinung akzeptieren?

Natürlich. Sie wissen das. Nur die Öffentlich-Rechtlichen anscheinend nicht.

 Gibt es in Österreich überhaupt noch Meinungsfreiheit?

Was bitte verstehen Sie unter Meinung? So etwas gibt es nicht mehr in Österreich, hier werden Meinungen vorgegeben. Da sollte man sich langsam schon etwas Sorgen machen.

 Wohin, glauben Sie, führt uns das politische Geschehen in Österreich in den nächsten zehn Jahren?

Man sollte sich lieber die Frage stellen, ob es in zehn Jahren überhaupt noch ein österreichisches politisches Geschehen gibt. Sind wir dann nicht schon unterwandert und Fremde im eigenen Land? Wie die Entwicklung aussieht, haben wir allen Grund, dies zu befürchten.

 Wie gefährlich schätzen Sie die Lage in Europa und in Österreich ein?

Man verbrennt sich jetzt schon die Finger, wenn man zu viel hinterfragt. Und was Europa anbelangt: Ich habe nichts dagegen und darf mich ja auch eigentlich nicht beklagen. Sie tun mir ja nichts, sie tun eigentlich gar nichts. Sie sind zu sehr mit dem Geradebiegen von Gurken und Bananen beschäftigt und immer noch beim sinnlosen Wechseln von Glühbirnen.

 Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?

Vieles, und das sehr bald. Was sich aber sofort ändern müsste, ist der Hang, ständig mit dem Handy zu kommunizieren. Miteinander reden, diskutieren und dabei Meinungen austauschen: Das kann so spannend und interessant sein. Menschen ins Gesicht sehen, grüßen und ein Lächeln schenken, bringt uns weiter als ein Touchscreen, der uns ärgert, weil sich das Telefon aufgrund eingecremter Hände nicht entsperren lässt.

 Kamen schon Alternativvorschläge von anderen Medien herein?

Nein. Momentan halten sich alle bedeckt. Ich übrigens auch.

 Darf ich Ihnen eine monatliche Kolumne in alles roger? anbieten?

Na ja, warum nicht? Vielleicht eine Kummerspalte oder ein kulinarisches Eckerl. Ich bin Koch von Beruf.

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