"Ich bin kein Sexsymbol"

Foto: beigestellt
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Ruth Brauer ist in erster Linie eine großartige Schauspielerin, Künstlerin und ein unheimlich liebenswerter Mensch. Ganz nebenbei ist sie auch die Tochter des Malers Arik Brauer und die Schwester der Sängerin Timna Brauer. Anlässlich Ihres Regiedebüts baten wir die Dame zu einem launigen Gespräch über Familie, Ängste und was sie Donald Trump gerne sagen würde.


Interview: Roland Hofbauer

Sie starten mit Ihrem ersten Regieprojekt, was können Sie über "Wiener Blut - a Soap Opera" erzählen?

Es ist eine Operette. Ich steh voll auf Operette, auf dieses Genre. Die Operette ist es wert, neu entdeckt zu werden, sie ist lustig, sinnlich, bescheuert, hysterisch und burlesk. Die Premiere findet auch nicht an einem großen Haus statt, das würde ich mir noch gar nicht zutrauen. Ich mache das in einem wunderbaren Theater namens Bronski & Grünberg. Dort gibt es ein kleines Team, unter anderem mit Alexander Pschill. Die gehen gerade ohne Förderung in die zweite Spielzeit und sind ein wunderbares kleines Haus, in dem Punk Boulevard stattfindet und das Ganze vor 64 Zusehern. Ich verlagere mein Stück in die 80er-Jahre, in die Welt von Dallas und Denver Clan, habe ein tolles Team von großartigen Schauspielern um mich und es ist spannend zu hören, wie Strauss in den 80er-Jahren klingt.

Sie sind selber sehr bekannt und haben schon an den besten Häusern gespielt. Nun stehen Sie erstmals nicht mit auf der Bühne. Wie fühlt sich der Unterschied an?

Ich habe die Möglichkeit, meiner Kreativität komplett freie Hand zu geben, aber es ist auch ein bisschen beängstigend. Man hat die totale Angst, zu versagen. Man hat Angst, dass niemand Spaß haben wird, dass die Proben zu kurz sind, dass man sich zu viel vorgenommen hat. Ich unterrichte ja auch seit sechs Jahren Schauspiel in der Musicalabteilung am Konservatorium in Wien, an der MUK, ich habe schon Erfahrung mit jungen Menschen und im Zuge meiner Arbeit dort Regie geführt. Aber Wiener Blut ist die Premiere meiner Regie-Arbeit mit Kollegen.

Sie kommen aus einer sehr bekannten Künstlerfamilie, wie hoch war der Erfolgsdruck für Sie?

Mein Vater ist Maler, meine Schwester ist Sängerin. Das sind andere Schienen, da muss man sich nicht direkt messen. Ich habe es gebraucht, mich jahrelang frei in Deutschland zu beweisen, und bin mit der notwendigen und wichtigen Reife nach Wien zurückgekehrt. Mich hat es auch nie gestört, die "Tochter von" genannt zu werden. Ich habe einen tollen Vater und bewundere ihn. Der Name hat mir vielleicht ein paar Türen geöffnet, aber man ist auch viel stärker der Kritik ausgesetzt. 

Wie schwierig ist es aktuell in Österreich, als Schauspieler den Durchbruch zu schaffen und davon leben zu können?

Es gibt viel mehr Frauen in der Branche als Männer, aber gleichzeitig viel mehr Rollen für Männer. Es wird immer schwieriger. Es kommen immer mehr junge Mädchen in die Branche, aber sehr viele verschwinden auch nach ein paar Jahren wieder. In dieser Branche wird es immer enger und man braucht Durchhaltevermögen. Man muss mit ganzem Herzen dabei sein und interessiert bleiben.

Was sagen Sie zu der metoo-Debatte? Finden Sie, dass dieses Thema gerechtfertigt ist, oder soll es nur von den wahren Problemen der Welt ablenken?

Ich finde es großartig und wichtig, wenn Themen so groß aufgebauscht werden. Es war schon immer so in der Geschichte, dass das Pendel immer erst ins Extreme schlagen muss, um etwas bewirken zu können. Es gibt natürlich viele Einflüsse und einige reiten auf dieser Welle, aber es ist sooo wichtig. Generell geht es dabei um Machtmissbrauch, und diese Debatte ist noch lange nicht vorbei. Das ist auch sicher keine Kastration für die Männer. Alles wird sich wieder beruhigen, aber es ist gut, dass einmal jeder über dieses Thema bewusst nachdenkt. Mir ist es in meiner Laufbahn noch nie passiert. Ich war nie auf einer Besetzungscouch, was aber auch daran liegen könnte, dass ich einfach nicht das Sexsymbol bin (lacht). Aber in der Jugend ist mir so was schon passiert, dass man in die Situation gekommen ist, wo man sich dachte, dass man etwas eigentlich gerade gar nicht will und nicht wusste, wie man reagieren soll. Ich habe selber Töchter und will, dass sie wissen, dass sie es auch sagen dürfen, wenn sie etwas nicht wollen.

Sie sprechen Ihre Töchter an, würden Sie sich wünschen, dass Ihre Kinder in Ihre Fußstapfen treten und ebenfalls Künstler werden?

Die Große ist mit zwölf Jahren mehr als interessiert und ich finde, sie soll machen, was sie will. Sie bekommt natürlich auch die Schattenseiten mit, wenn ich mich todkrank auf die Bühne schleppe oder Ähnliches, aber wenn einen der Bühnenvirus packt, dann kann man nichts dagegen machen.

Gab es Zeiten in Ihrer Karriere, in denen Sie kein Geld oder gar nichts zu essen hatten, so wie viele andere Künstler?

Nein, Gott sei Dank nicht. Meine Familie hat mich immer unterstützt, mir aber auch beigebracht, wie man mit Geld umgeht. Ich habe immer nur das ausgegeben, was ich auch hatte und habe mich seit meinem zwanzigsten Lebensjahr selbst finanziert. Es kam immer ein Job nach dem anderen, aber natürlich gab es auch schon viele Durststrecken und Monate ohne Engagement.

Viele Künstler bringen sich in die Politik ein und machen Stimmung. Finden Sie das gut, oder sollte man Kunst und Politik nicht vermischen?

Ich finde es gerade wichtig, dass diese Menschen sich engagieren, weil sie eine Stimme haben. Ich versuche mich sehr karitativ zu engagieren, egal bei welchen Projekten. Aber auch bei der aktuellen Regierung bin ich sehr wachsam und schaue, welche Sprache öffentlich verwendet wird und in welche Richtung das Ganze zieht. Das sind ganz schwere Zeiten und es kann ganz schnell gehen, um in Angst und ähnlichen Missständen zu leben. Die EU halte ich für richtig und wichtig und es gibt auch keine andere Möglichkeit, außer vereint zu sein, aber man muss sicher noch einiges reformieren.

Wie würden Sie sich selber mit drei Sätzen beschreiben?

Es geht immer irgendwie weiter. Die Antwort ist immer Liebe. Alles ist genau so, wie es sein soll.

Mit wem würden Sie gerne einmal auf der Bühne stehen, wen bewundern Sie?

Ich würde wahnsinnig gerne einmal mit Nina Hagen auftreten, ahhhhh und mit Björk. Mit ihr möchte ich essen und tanzen gehen, das wäre großartig.

Wenn Sie mit Donald Trump sprechen könnten, was würden Sie ihm sagen?

Der würde mir doch gar nicht zuhören.

Okay, stellen Sie sich vor, er wäre an einen Stuhl gefesselt und wäre gezwungen, Ihnen zuzuhören?

Dann würde ich ihm sagen, zieh dich aufs Land zurück in ein wunderschönes Haus. Kauf dir einen guten Wein, genieß das Leben mit deiner wunderschönen Frau, züchte Rosen oder schreib Bücher, aber bitte zieh dich aus der Politik zurück.

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