Ich würde gerne eine Killerin spielen

Foto: Beigestellt
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Sie zählt zu den nettesten Prominenten Österreichs, obwohl sie sich sogar ein paar Allüren leisten könnte. Kristina Sprenger ist nicht nur bei den Journalisten Everybodies Darling, sondern auch bei Kollegen, Regisseuren und natürlich ihren Fans. alles roger? bat die Intendantin des Stadttheaters Berndorf und ehemalige Soko Kitzbühel-Kommissarin zu einem Plausch kurz vor der Premiere des aktuellen Stücks Gott des Gemetzels.


Interview: Roland Hofbauer

 Was ist der Unterschied zwischen ihrer Arbeit als Schauspielerin und Ihrer jetzigen Position als Intendantin von Berndorf?

Es ist viel mehr Arbeit als Intendantin, man trägt viel mehr Verantwortung. Hauptcast in einer Serie war ein bisserl bequemer und exklusiver. Aber 13 Jahre in der Serie waren wirklich genug. Jetzt bin ich schon das vierte Jahr Intendantin und ich muss sagen, das ist genau zur richtigen Zeit gekommen. Dieser Job liegt mir sehr, da ist Teamfähigkeit gefragt, man muss auch Teams bilden können und jedem das Gefühl geben, wichtig zu sein. Man trägt die anderen, man darf nicht selber der Star sein, das ist immer das Stück.

 Tut es Ihnen nie leid, dass Sie das Erfolgsformat Soko Kitzbühel verlassen haben?

Natürlich hat man die Komfortzone verlassen, und das war auch bewusst. Bei der Serie war der Erfolg da, und es war auch kein Ende in Sicht. Ich habe mit Mitte zwanzig die Rolle in Soko Kitzbühel übernommen und habe mir dann mit 37 gedacht: Nein, das will ich nicht auch noch mit 40 machen. Der Entschluss ist lange gereift. Um sich weiterzuentwickeln, muss man auch einmal die Komfortzone verlassen. Ich habe mein Zeitmanagement jetzt in der Hand und auch für meine Tochter Rosa, die gerade in die Schule gekommen ist, war das viel besser. Sie hat jetzt eine Regelmäßigkeit, und das war auch ein Mitgrund für diese richtige Entscheidung.

 Wie sucht man sich die Stücke eigentlich aus, schielt man da auch darauf, welche Rolle man selbst besetzen könnte?

Das erste Kriterium ist die Frage, ob es funktioniert, ob es dem Publikum gefällt und es dieses vielleicht sogar fordert. Das Hauptstück soll unterhalten, darf aber nicht zu zotig oder ordinär sein. Es muss Niveau haben, witzig und charmant sein. Das zweite Stück soll ein bisserl die jüngere Generation ansprechen. Berndorf ist so ein klassisches Sommertheater, bei dem kaum 20-Jährige im Publikum sitzen. Das darf ruhig schärfer und bissiger sein. Generell schau ich nie, ob eine Rolle für mich dabei ist. Ich spiele auch oft kleine Rollen. Dass ich mitspiele, ist der Wunsch vom Spielort, ich müsste wegen meines Egos gar nicht unbedingt dabei sein, aber meine Bekanntheit ist natürlich ein wenig hilfreich.

 Kann man eigentlich mit allen Kollegen gut, oder gibt es wen, den Sie nie engagieren würden?

Ich kann eigentlich mit allen gut. Da gibt es maximal ein, zwei Namen, die mir unangenehm in Erinnerung geblieben sind. Das war aus dem Grund, dass sie sich selbst so ungemein wichtig genommen haben. Aber da werden keine Namen genannt. Ich suche nicht nach den großen Namen, ich suche Schauspieler. Ich habe meistens gleich zwei, drei Namen im Kopf und darum herum forme ich dann ein homogenes Team.

 Worüber macht sich eine Kristina Sprenger Sorgen, über Politik?

Ich bin politisch sehr interessiert, mein Vater war ja auch Vizebürgermeister von Innsbruck. Natürlich ist man oft fassungslos, was so in der Welt passiert. Zum Beispiel der Brexit oder die Präsidentschaft von Donald Trump. Auf der anderen Seite ist immer alles eine Wellenbewegung, auch in der Politik. Gerade wenn etwas zu sehr nach links oder rechts rutscht, im Normalfall reglementiert sich das bei der nächsten Wahl von selber. Es gibt aber kaum ein Land, wo ein Mädchen so sicher und unbeschwert aufwachsen kann wie in Österreich, also wirkliche Sorgen um meine Tochter mache ich mir jetzt nicht.

 Ihre Tochter ist jetzt sieben Jahre alt, hat sie Ambitionen, in Ihre Fußstapfen zu treten?

Sie hat da überhaupt keine Ambitionen. Zurzeit will sie Tierärztin werden. Sie sieht mich auch nicht als Star oder glaubt, dass mein Beruf besonders super ist. Ich beobachte oft, wie das bei Familien ist, wo die Kinder auch Schauspieler werden und den Eltern nacheifern. Denen fehlt dann oft der Biss und sie halten den Erfolg in diesem Beruf für ganz normal. Das ist er aber wirklich nicht. Ich kenne so viele Kollegen, die nicht von ihrer Arbeit leben können und um Jobs regelrecht betteln müssen. Von daher hoffe ich nicht, dass sie diesen Job machen will, um berühmt zu werden. Wenn das ihr Wunsch wäre, müsste sie wirklich eine komplette Ausbildung machen und sich ihr Talent von wirklichen Institutionen bestätigen lassen.

 Was sind in Ihrem Leben die Top-drei-Prioritäten?

Ganz klar die trivialen Dinge des Lebens, Familie, Gesundheit und einfach ein wirkliches Leben zu führen. Wenn ich am Nachmittag mit meinem Hund durch die Weinberge spaziere und tief durchatme, dann weiß ich, wofür man alles macht. Man soll die schönen Dinge, die man sich erarbeitet hat, auch genießen können. Was bringt es mir, wenn ich einen Film nach dem anderen drehe und nicht glücklich bin?

 Sie gelten als einer der nettesten Promis aus Österreich, was halten Sie von Kollegen mit Starallüren?

Es gibt einen Spruch im Theater: Den König spielen die anderen. Man kann sich selber keinen Status geben, das ist auch lächerlich. Jeder ist austauschbar. Man ist ja meistens bekannt durch ein Medium. Wenn man dir das Medium, zum Beispiel das Fernsehen, entzieht, dann bleibt nicht mehr viel über, und dann ist es ganz schnell vorbei mit deiner Bekanntheit. Das sollten sich die Menschen immer vor Augen führen. Mich selber kann man mit Disziplinlosigkeit, Unpünktlichkeit und Respektlosigkeit verärgern, da kann ich explodieren. Ich verlange von mir selber das Beste und das verlange ich von meinen Kollegen auch.

 Welche Rolle würden Sie gerne einmal spielen, eine Psychopathin, Mörderin oder etwas in der Art?

Natürlich, das würde ich sehr gerne. Ich spiel ja meistens die Nette, und gerade gegen den Typ zu arbeiten und eine Killerin oder eine Irre zu spielen, würde mich sehr freuen. Das wäre eine richtige Herausforderung.

 Was war das größte Missgeschick, das Ihnen je auf der Bühne passiert ist?

Einmal, bei einer letzten Vorstellung, musste ich aus einem Fenster hinausschauen und reden, und meine Kollegen haben mir auf die Innenseite einen ganz schirchen, nackten Mann mit Schnauzbart und einem unfassbar riesigen Gerät geklebt. Ich habe wirklich versucht, mich zu beherrschen, habe aber dann einen furchtbaren Lachflash bekommen. Aber solche Scherze sind bei der letzten Vorstellung immer erlaubt.

 In Amerika gibt es zwischen fast allen Hauptdarstellern Liebeleien. Wie oft kommt es bei Ihnen vor, dass man sich beim Proben oder Drehen mit einem Kollegen zu nah kommt?

Es kommt immer mal wieder vor, dass man einen Film- oder Kusspartner attraktiv findet. Aber es war nie einer dabei, wo ich mir gedacht habe, ohne den kann ich nicht mehr leben. Heute bin ich schon froh, wenn ich bei Kussszenen keinen Ungepflegten küssen muss. Dadurch, dass ich glücklich verheiratet bin, stellt sich die Frage auch nicht.

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