Kinderehen: Regierung schaut zu

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Immer mehr muslimische Mädchen leben in Österreich in Zwangsehen. Die Massenzuwanderung vergrößerte das Problem noch. Die selbst vor einer Zwangsheirat geflüchtete Menschenrechts­aktivistin Sabatina James fordert die Regierung dringend auf, Kinderehen auch für Ausländer zu verbieten.


Sie stehen am Beginn der Pubertät und hätten noch ihr ganzes Leben vor sich. Stattdessen müssen die jungen Mädchen gegen ihren Willen heiraten, oft viel ältere Männer. Zwei Fälle von Kinderehen bei syrischen Flüchtlingen schreckten die Hauptstrommedien vor wenigen Wochen auf: In einem Fall hatte ein Kind mit 13 Jahren einen 25-Jährigen geheiratet und war bereits Mutter. Die steirische Caritas, die die beiden Kinderbräute in ihren Betreuungseinrichtungen "zufällig" entdeckte, ging von "Einzelfällen" aus. Kann das stimmen? Während für Österreich keine offiziellen Zahlen vorliegen, waren in Deutschland Ende Juli 1.475 ausländische Minderjährige als verheiratet registriert. 361 davon hatten noch nicht einmal das 14. Lebensjahr erreicht. Fast die Hälfte aller minderjährigen Verheirateten kam aus Syrien, mit Abstand folgten Afghanistan, Irak und Bulgarien.

"Rund 150 Kinderehen in Österreich"
Für Sabatina James, die sich seit über zehn Jahren gegen Kinder- und Zwangsehen engagiert, sind die deutschen Zahlen auf Österreich zu übertragen: "Schon allein die offiziell angemeldeten Kinderehen müssen demzufolge auf 150 geschätzt werden, davon 30 bis 40 mit Mädchen unter 14 Jahren, mit denen Geschlechtsverkehr zu haben in Österreich an sich unter jeglichen Umständen als Straftat zu verfolgen ist." James stammt aus Pakistan und kam als Zehnjährige mit ihrer Familie nach Oberösterreich. Mit 17 sollte sie mit ihrem Cousin in Pakistan zwangsverheiratet werden. Als sie sich weigerte, bedrohte sie ihr Vater - den sie nach eigenen Aussagen bis heute liebt - mit dem Umbringen. Um dem "Ehrenmord" zu entgehen, tauchte sie unter, gab sich einen neuen Namen, eben Sabatina James, und musste unter Polizeischutz gestellt werden. Für sie ist klar, dass "von einer gravierenden Zunahme der Kinderehen im Rahmen der Flüchtlingswelle von 2015 auszugehen" sei. Dem stimmt auch die syrienstämmige Islamexpertin Laila Mirzo zu: "Bei meiner Arbeit als Beraterin habe ich erschütternde Geschichten von Familien gehört, die ihre Töchter unterwegs an Schlepper verkauft haben, um Geld für die Weiterreise nach Österreich zu haben", berichtete sie in der Zeitschrift Wochenblick.

Mohammed gilt als Vorbild
Sabatina James betont, dass nach dem islamischen Recht, der Scharia, "eine Frau ohne männlichen Vormund gar nicht rechtsfähig ist und dass die rechtliche Gleichstellung der Frau nicht den Vorstellungen der islamischen Welt entspricht". Dies habe die islamische Staatengemeinschaft OIC einstimmig in Artikel 6 der islamischen Menschenrechtserklärung EMRI beschlossen. Es gebe die Lehre, dass die Frau umso fügsamer sein werde, je jünger man sie verheiratet. Und hier gelte eine Altersgrenze von nur neun Jahren: "Da Mohammed selbst sich mit knapp 50 Jahren in eine Sechsjährige verliebte, die er zwei bis drei Jahre später mit Penetration heiratete, wie von islamischen Schriftexperten behauptet wird, kann dieses Alter von mohammedtreuen Muslimen kaum infrage gestellt werden." So sähen es auch die anerkannten islamischen Rechtsschulen. "Die Kinderehe wird insofern als religiöses Recht betrachtet, das Imame auch ohne staatliche Zustimmung in Kraft setzen dürfen, was die Überwindung besonders schwierig macht."

Das Problem verstärkt sich durch die in Massen ins Land geströmten Asylwerber: In Syrien ist derzeit bei jeder zweiten Hochzeit zumindest ein Partner unter 18 Jahre alt, verlautbarte die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer. Die Folgen sind verheerend: Mädchen werden oft Opfer von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch durch wesentlich ältere Ehemänner. Laut der Weltgesundheitsbehörde WHO ist die zweithäufigste Todesursache von Kinderbräuten die Geburt ihres Kindes, gefolgt von Selbstmord.

"Pädophilie ist Tür und Tor geöffnet"
Laut der Organisation Save the Children gibt es 700 Millionen Frauen weltweit, die als Kind heirateten oder verheiratet wurden. Von einem Randproblem könne keine Rede sein, so James. Kinder würden als Bräute teilweise auch - legal und straffrei - gekauft. "Den pädophilen Wünschen sind damit Tür und Tor geöffnet", betont James.

Trotz des unfassbaren Leids der - meist - jungen Mädchen, schaut die österreichische Regierung weg. Sowohl Familienministerin Sophie Karmasin als auch Justizminister Wolfgang Brandstetter mussten bei parlamentarischen Anfragen einräumen, dass keine Daten über Eheschließungen von Minderjährigen vorliegen. Dies bemängelten auch die Grünen im Parlament. Im November forderten sie eine Erhebung der Zahlen, betonten aber: "Der Antrag zielt also nicht auf eine gesetzliche Maßnahme zur Verhinderung von Kinderehen in Österreich ab." Ein Aufschrei der Empörung blieb jedoch aus. Obwohl Kinderehen laut österreichischem Gesetz verboten sind, setzte sich die rot-schwarze Regierung nicht für ein solches ausnahmsloses Verbot auch bei ausländischen Ehen ein. Gerichte entscheiden im Einzelfall, ob sie aufgehoben werden. Dasselbe gilt auch bei Vielweiberei, der Polygamie.

"Regierung muss Signal setzen"
Für James, die vom Islam zur katholischen Kirche konvertierte, ist klar, dass österreichisches oder deutsches Recht für alle zu gelten hat: "Die Regierung muss ein klares Signal senden, dass Kinderehen illegal sind und nicht akzeptiert werden. Das geht nicht ohne eine Trennung der Mädchen vom sogenannten Ehemann. Nur so kann der Schutz der Mädchen vor sexueller Ausbeutung und eine Entwicklung zu einer selbstbestimmten Frau sichergestellt werden." Mädchen sollten Jugendämtern anvertraut werden und wenn sie "nach Eintritt ihrer Volljährigkeit den Mann legal heiraten wollen, können sie das dann immer noch tun."

In den Niederlanden sind Kinderehen inzwischen auch für Ausländer verboten. "Wenn wir das nicht tun, untergraben wir die Integration und senden das Signal, dass Entrechtung und Ausbeutung der Mädchen hier genauso geduldet wird wie in ihrer Heimat", so James.

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