Kochende Wut

Foto: markus Litzlbauer

Der Titel Fucking Gastro sagt es schon: Hier ist ein Mensch mit Leidenschaft am Werk, ein Küchenkaiser, in dem es brodelt. Günter Hager, einer der ersten Haubenköche Österreichs, über sein Buch: ?Was ich in den letzten 45 Jahren als Koch, Gastwirt und Unternehmer erlebt habe, entspricht dem Fronteinsatz eines Elitesoldaten. Ich habe alles hinein-gepackt, was mir an Ungeheuerlichkeiten begegnet ist.? Heiß serviert wird dazu das Interview.


Text: Roland Hofbauer

Wie kamen Sie auf die Idee, so ein Buch zu schreiben?
Ich habe mir in den letzten Jahren so manchen Ärger im Unternehmen über unverständliche bürokratische Entscheidungen und neue Auflagen unserer Politik immer notiert, quasi von der Seele geschrieben. Ich spreche offen über Dinge, über die sich viele meiner Kollegen nur im Stillen ärgern: über den immer üppiger wuchernden Auflagen- und Gesetzesdschungel, über endlose Behördenschikanen, über respektlose Gäste und selbst ernannte Gas-trokritiker, über wild um sich schießende Rauchersheriffs und vieles mehr. Wenn unser Alt-Bundespräsident Fischer mit seinem Buch bei 3.000 verkauften Exemplaren von einem Bestseller spricht, bin ich eigentlich sehr stolz auf den Erfolg von Fucking Gastro und 7.000 verkaufte Exem-plare.

Wo, denken Sie, führt die Behandlung der Gastwirte in naher Zukunft hin?
Wir haben so gut wie jede Möglichkeit, politische Organisationen über die Folgen eines Verschwindens der österreichischen Wirtshauskultur zu informieren, ausgeschöpft. Leider wurde uns kein Gehör geschenkt, also bleibt nur mehr der Weg, Gäste und Lieferanten in das aktuelle Szenario miteinzubeziehen. Oder der Systemgastronomie das Feld zu überlassen. Da arbeitet der Gast quasi selbst, es werden kostengünstigere, meist Massenprodukte verarbeitet, und man braucht kaum Fachkräfte. Tatsache ist: Ohne Wirtshaus wird es keinen Fleischer, Bäcker, Landwirt mehr geben, unsere weltweite erstklassige Ausbildung ginge verloren, und die wohl wichtigste Säule des österreichischen Tourismus würde verschwinden. Das Horror-Szenario, wie in den USA zwischen Fast Food und teuren Restaurants zu wählen, sollte man mal durchdenken, Mittelklasse-Restaurants wie unsere klassischen Wirtshäuser gibt's da nicht mehr!

Haben Sie keine Angst vor der Rache von Staat und Politik?
Diese Frage kommt immer wieder, eigenartig, angeblich leben wir doch in einer hoch gepriesenen Demokratie, und nicht in Nordkorea oder der Türkei, wo jeder seine Meinung äußern darf ... oder doch nicht? Allerdings leben auch Wirte von Gästen aus der Politik, praktisch jedes Amt ist politisch gelenkt und vernetzt, Strafsanktionen sind hier ein gerne praktiziertes Instrument. Ja, man hat natürlich versucht, mir hier aufgrund meiner Kritiken die Rute ins Fenster zu stellen, erfreulicherweise werden die wenigen ausbleibenden Gäste von einer Vielzahl anderer ersetzt, die meine Bemühungen mit Begeisterung unterstützen.

Warum wehren sich die Gastronomen nicht?
Es gibt mehr "Wut-Wirte", als man denkt. Die 60.000 Wirte wehren sich durchaus, man sollte den täglichen hundertfachen Kontakt und die unzähligen Gespräche jedes einzelnen Kollegen mit Gästen nicht unterschätzen. Gegen das Nichtrauchergesetz hat ein Wiener Wirt sensationelle an die 400.000 Unterschriften gesammelt! Fakt ist, dass dieses "Volksbegehren" von unserer Regierung rücksichtslos ignoriert wurde. Mehrere Demos vor dem Parlament, zahlreiche Social-Media-Aktivitäten mit Zehntausenden aktiven Usern, die geniale Auflage von fast 12.000 Büchern Fucking Gastro zeigen, dass unsere Anliegen Thema in Österreich sind.

Wie stehen Sie generell zur Politik in Österreich, was muss man ändern?

Würden unsere Tausenden, durch unsere mühsam verdienten Steuern gut verdienenden Politiker, unsere Armeen an Beamten und Behörden, unsere unzähligen Funktionäre und Gutmenschen die Berge an Problemen endlich ehrlich ansprechen und wahrnehmen, wären wir schon um Lichtjahre weiter. Unsere Kinder hätten das Erbe eines schuldenfreien, wirtschaftlich erfolgreichen Österreichs sehr wohl verdient. Sie werden uns hier richtig große Vorwürfe machen, ich bin schon gespannt, welche Ausreden unsere Politiker dann wieder haben. Ich hab´ mit meinem Buch versucht, meinen Teil zu einer Änderung dieses sorglosen Umgangs mit unseren mühsam verdienten Steuergeldern beizutragen, ich hoffe, meine Enkerl werden es mir mal danken.

Was soll Ihr Buch bewirken und merken Sie schon eine Konsequenz?
In meinen Kurzgeschichten, die Titel wie Nichtraucherterroristen, "Kündigungsvirus, Unternehmensberater, die man rief, Österreichs Kastensystem oder Entmündigung tragen, erzähle ich aus dem richtigen Leben eines Wirts und auch schockierende Erlebnisse vom täglichen Überlebenskampf meiner "aussterbenden Spezies". Das Buch soll die Menschen wachrütteln. Wenn die moslemischen Salafisten es durch die Verbreitung ihres Korans schaffen, auf ihre eher unrühmliche Religion aufmerksam zu machen, sollte es mir doch auch mit
Fucking Gastro gelingen, auf den täglichen Wahnsinn in der Gastronomie hinzuweisen. Nachdem dieses Buch bereits im Nationalrat zur Budgetrede ausreichend vorgestellt und kritisiert wurde, geht meine Rechnung voll auf.

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