Nicht jede Musikbox ist ein Wurlitzer

Foto: beigestellt
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Viele glauben, dass Wurlitzer nur ein anderer Name für eine Musikbox ist. Wurlitzer ist aber ?nur? eine Musikbox-Marke, wenngleich auch die größte ? gefolgt von drei anderen wichtigen Marken: AMI, Rock-Ola und Seeburg. Hunderte davon sind im Museum Terra Technica in der Excalibur City zu sehen.


Text: Pindigi alias Günter Freinberger

Gründe, warum der Begriff "Wurlitzer" als Pseudonym für eine Musikbox gilt, gibt es viele:

> Die Firma Wurlitzer hatte gleich drei Fabriken: in Tonawanda/USA, in Mexico City und in Hüllhorst in Deutschland.

> Niemand erzeugte mehr Musikboxen - insgesamt rund 350.000 Stück - und über eine so lange Zeit.

> Es gab lange im ORF die Musikwunsch-Fernsehsendung "Wurlitzer" mit Peter Rapp.

Der Musikbox-Kaiser

Begonnen hat alles mit Franz Rudolph Wurlitzer, der 1853 aus Sachsen in die Vereinigten Staaten  emigrierte. Bald darauf begann er, Musikinstrumente zu fertigen. 1908 erwarb er eine Fabrik, in der auch Orgeln für die Stummfilme erzeugt wurden. Nach seinem Tod 1914 übernahmen seine drei Söhne die Fabrik. 1936 wurde mit 44.397 verkauften Wurlitzer-Geräten ein Rekord aufgestellt. Nach dem Krieg kam das Sensationsmodell 1015 Bubbler mit dem toll beleuchteten und die Farbe wechselnden Rundbogen auf den Markt und es konnten jährlich bis zu 56.000 Stück verkauft werden. Zwei der schönsten Vinylboxenmodelle sind die Modelle 2000 und 2100 aus dem Jahr 1956/57 - diese Geräte sind heute bis zu 20.000 Euro wert. Die letzte Wurlitzer-Fabrik schloss 2013 in Deutschland. Doch es gab noch drei andere wichtige Produzenten von Musikboxen: AMI, Rock-Ola und Seeburg.

AMI

Die National Piano Manufacturing Company wurde 1909 gegründet und hatte mit der National Automatic Music Company ein Tochterunternehmen, das ihr alle Geräte abkaufte und betrieb. Im Jahre 1925 wurden die beiden Firmen ein Zweig der Automatic Music Instrument Company, kurz: AMI. 1926 startete die Produktion von Musikautomaten mit einem sehr fortschrittlichen Selektionsmechanismus. Nach dem Krieg kam AMI mit dem Modell A - der größten Jukebox mit 1,75 Metern Höhe - auf den Markt. Der alte Wechselmechanismus (aus dem Jahr 1930) konnte 78er- und 45er-Platten spielen. Der neue AMI-Wechselmechanismus kam 1956 mit dem Modell G-200 zum Einsatz. Es legt die Platte auf wie ein DJ. In den 60ern kaufte die Firma Rowe AMI auf.

Rock-Ola: Den Bindestrich im Namen verdanken wir wohl der Tatsache, dass sich der Kanadier David C. Rockola darüber ärgerte, dass man seinen Namen schlampig aussprach. Er wanderte in die USA aus und begann, den Leuten den Wunsch nach Musik zu erfüllen. 1952 kam das Modell Fireball mit einem Karussellmechanismus für 120 Stück 45er-Singles auf den Markt. Ein Greifarm holte die Platte und legte sie, je nach gewünschter Seite, wie ein Discjockey auf den Plattenteller. Der offene, sichtbare Mechanismus war eine Attraktion und kostet auch jetzt ein Vielfaches von "geschlossenen Boxen".

Seeburg

Justus P. Seeburg wurde 1871 in Schweden geboren und wanderte 1886 nach Amerika aus. Er arbeitete zuerst in Klavierfabriken und gründete 1907 die J. P. Seeburg Piano Company. Sein erstes mechanisches teilautomatisches Instrument war ein "Orchestrion". 1948 kam die M100A mit der berühmten "Select-O-Matic" heraus, bei der die Platten senkrecht stehend aufgereiht waren und die Box 50 Platten beidseitig abspielen konnte - was damals eine Sensation war. Die legendäre V200 im Jahre 1955 war die erste Box mit 200 Wahlmöglichkeiten und mit einer drehbaren Titeltrommel. Weiters hatte sie eine Dual-Münzeinrichtung, mit der die Platten zu unterschiedlichen Spielpreisen angeboten werden konnten. Seeburg war immer technisch ein Vorreiter und bereitete Wurlitzer damit regelmäßig Stress.

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