Nun droht Hypo Alpe Adria 2.0

Foto: Picturedesk

Das Finanzsystem wankt. Und es stinkt gewaltig. Renommierte österreichische Finanzexperten haben den beißenden Geruch bereits länger in der Nase. Sie riechen, dass Wien mit der Bank Austria ein ähnliches Desaster drohen könnte wie Kärnten mit der Hypo Alpe Adria. Das jährliche Bankenranking des Vereins Wiener Wende unterstreicht dieses Bild. Wie man sein Hab und Gut retten kann, verrieten die Finanz-Insider gegenüber alles roger?.


Text: Martina Bauer

"Die UniCredit Bank Austria droht für Österreich zur Hypo Alpe Adria 2.0 zu werden. Die marode Mutterbank in Italien hat von der Bank Austria das Tafelsilber abgezogen. Allein die Haftungen für die Gemeinde Wien in Milliardenhöhe sind geblieben", erklärte der renommierte Wirtschaftsprüfer Günther Robol das Ausmaß der möglichen Katastrophe gegenüber alles roger?. Sollte die UniCredit tatsächlich in Schwierigkeiten geraten, könnte das auch die Bank Austria und Wien in den Abgrund reißen.

Da man die Stadt Wien - wie im Fall von Kärnten - nicht pleitegehen lassen wird, muss dann wieder der Steuerzahler einspringen, um den Schuldenberg der Bank zu tilgen. "Ein dramatischer Fehler der Finanzmarktaufsichtsbehörden. Die haben zugestimmt, dass die Ost-Beteiligungen ohne Entschädigungen bzw. Haftungsentlastung von Wien einfach übertragen wurden", so Robol.

 Dem Finanzexperten ist es weiter ein Dorn im Auge, dass sich die Banken ihre eigenen Bilanzregeln zimmern. Dazu sagt er: "Bankenbilanzen unterscheiden sich von üblichen Bilanzregeln. Althergebrachte kaufmännische Grundsätze wie Niederstwertprinzipien und besondere Sorgfaltspflichten sind über Bord geworfen worden. Um das eigene Bestehen zu sichern, hat man einfach die Bilanzierungsvorschriften geändert."

 Thomas Fuchs, der alljährlich für den Verein Wiener Wende das Banken-Ranking erstellt, sieht darüber hinaus im fehlenden Trennbanken-Modell eine riesige Gefahr. Der ehemalige Banker, Geldforscher und Finanzberater sagt: "Weil Investmentbanken, sogenannte Zockerbanken, die allgemein als sicher geltenden Spareinlagen annehmen, müssen sie vom Staat gerettet werden, damit nicht der kleine Sparer enteignet wird. So einfach ist die Rechnung." Als Zockerbanken gelten im Grunde alle großen internationalen Banken, die mit Derivaten handeln. Also auch jene, die im Ranking das Schlusslicht der langen Kette der Geldinstitute bilden.

 Von 606 ausgewerteten österreichischen Banken findet sich die RZB Österreich AG auf Platz 604. Zwei Plätze darüber landete die Raiffeisenbank International. Die Fusionierung der beiden Institute, die am 24. Jänner 2017 über die Bühne ging, verschönert dieses Bild auch nicht. Zumal man nicht so recht weiß, wer damit wen gerettet hat. Im Ranking zwischen den Raikas platzierte sich die Wüstenrot Bausparkasse auf Rang 603, die UniCredit Bank Austria auf Platz 595, die Erste Group der österreichischen Sparkassen auf 584. Lediglich die BAWAG, die im Ranking auf 505 zu finden ist, hat sich im Vergleich zum Vorjahr um einige Plätze verbessert und hält doch ein wenig Abstand zu den anderen Großbanken.

 Wie schon im Vorjahr belegte auch heuer wieder die kleine WSK Bank Wien Rang eins. Auf den Plätzen zwei und drei landeten die Raiffeisenbank Seefeld-Leutasch-Reith-Scharnitz (Tirol) und die Raiffeisenbank Gröbming (Steiermark). Nicht nur Experten ziehen daraus das Fazit, dass den Großbanken einfach nicht mehr zu trauen ist. Joe Ofenböck, einer der Initiatoren der Wiener Wende, meint gegenüber alles roger?, dass es gescheiter sei, sich mit seinem Geld einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen, anstatt es auf der Bank liegen zu lassen.

 

Dass bei den Vermögensverwaltern besondere Vorsicht geboten ist, betonte auch DDr. Manfred Moschner, einer der führenden Investmentbanker Österreichs und gelernter Verfassungsjurist. "Natürlich verdienen Banken mit Vermögensverwaltung Geld. Aber das sollte nicht nach freiem Ermessen der Bank erfolgen, sondern nach genauen Anweisungen vom Kunden", so Moschner.

 Alternativen dazu zeigt Thomas Fuchs auf. "Wenn alle Eier in einem Korb liegen und der runterfällt, dann bleibt keines heil. Je breiter man sein Kapital streut, desto besser ist es. Dann hat man zumindest die Chance, dass etwas davon den Wert behält." Die Anlage in Silber und Gold ist erfahrungsgemäß auch in Krisenzeiten wertbeständig. Allerdings könnte der Staat den Goldbesitz verbieten. Aktien und Immobilien sind gängige Möglichkeiten, sein Geld gut zu investieren. Immer beliebter werden aber auch sogenannte Krypto-Währungen, wobei Bitcoin am bekanntesten ist und es auch schon Nachahmer wie zum Beispiel OneCoin gibt, die angeblich die bessere Bitcoin sein soll. "Solange noch irgendwo ein Computer läuft, wird es immer Krypto-Währungen geben. Da müssten sie schon weltweit das gesamte Internet abdrehen, um Krypto-Währungen zu stoppen", sagt Fuchs.

 Von Traditionsbanken werden diese alternativen Währungen gerne als unseriös verunglimpft. Immer mehr Firmen erkennen aber die offensichtlichen Zeichen der Zeit. Sie akzeptieren bereits Krypto-Währungen und machen sie so salonfähig. Auch die österreichische Steuerberatungskanzlei Prodinger, die im ganzen Land acht Standorte unterhält, rät seinen Geschäftskunden Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Vor allem Hotels wissen sich die Vorteile zu schätzen, weil Überweisungen mit digitalen Währungen in Echtzeit über die Bühne gehen und kostengünstiger sind als klassische Banküberweisungen oder Kreditkartenzahlungen.

 Zu Jahresbeginn hatte Bitcoin unter einem starken Kursverfall zu leiden. Mittlerweile hat sich der Wert aber wieder erholt und ist wegen zunehmender Nachfrage pro Bitcoin auf 904 Euro gestiegen. Der OneCoin liegt derzeit (intern) bei 7,85 Euro. Ein gutes Geschäft ist das auch für Mining-Gesellschaften, die diese Coins herstellen. Neben internationalen Minern hat sich mit bitTex ITSolutions GmbH nun auch ein heimisches Start-up-Unternehmen auf die Blockchain-Technologien spezialisiert. Der Slogan der jungen Betreiber in Pasching: "Mining made in Austria". Und da-ran können sich Interessierte mittels Crowdfunding ebenfalls beteiligen. Dazu und zu den Krypto-Währungen informiert ebenfalls Thomas Fuchs unter www.gold-fuchs.at. Allerdings rät er, immer nur so viel Geld zu investieren, wie man im worst case auch verschmerzen kann: "Barreserven für Autoreparaturen oder dergleichen sollten immer im Haus sein." Seine komplette Barschaft in digitalem Geld oder in Gold oder Immobilien anzulegen, empfiehlt der Experte mangels Risikostreuung nicht.

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