Plácido Domingo "Im Pass steht kein Junior"

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Plácido Domingo, der Sohn des legendären Opernsängers Plácido Domingo, wird am 7. August bei der Notte Italiana auf der Seebühne in Mörbisch als Special Guest auftreten. alles roger? erzählte der Sänger und Komponist im Interview, warum ihn der Zusatz Junior nervt, für wen er gerne komponieren würde, wie er zum Vater steht und wovon er im Leben noch träumt.


Interview: Martina Bauer 

Sie werden bei der Notte Italiana in Mörbisch als Special Guest auftreten. Kennen Sie die Italiener alle persönlich?

Ja, ich habe Al Bano kennengelernt, auch Toto Cutugno kenne ich. Es ist ein großes Vergnügen, mit diesen Künstlern auf der Bühne zu stehen. 

Worauf dürfen sich die Besucher in Mörbisch freuen? Was werden Sie singen?

Italienische Pop- und Kinomusik. 

Nichts Klassisches? 

Nein, ich bin ja kein Opernsänger. Wenngleich ich in Don Giovanni klassisch gesungen habe. Ich benütze lieber Mi­krofone. 

Ist der Name Plácido Domingo mehr Segen oder Belastung? Sie sind ja mit 53 noch immer der Junior.

Ich finde das immer komisch, wenn sie Junior dazuschreiben. Im Geburtsdokument steht kein Junior und auch nicht im Pass. Einmal wollte ein Promoter auf ein fünf Meter großes Plakat unter meinen Kopf Junior schreiben. Ich habe ihm gesagt, dass er "der Sohn von" schreiben kann, wenn er will. Aber da sah sowieso jeder, dass ich nicht mein Vater bin. Das Publikum kann den Unterschied machen. Bei uns ist es ganz normal, dass der Sohn so heißt wie der Vater. Außerdem heißt mein Vater José Plácido Domingo.

Sind Sie der älteste Sohn?

Ich bin der älteste aus der zweiten Ehe. Aus der ersten Ehe meines Vaters gibt es noch Pepe. 

Wann war für Sie klar, dass Sie Komposition studieren wollen?

Da war ich acht Jahre alt. Ich habe mir selbst nach Gehör Klavierspielen beigebracht. Das hat mir Spaß gemacht. Noten habe ich aber nie gelernt. Als ich mit 17 die Aufnahmeprüfung für die Hochschule machen musste, war das schwierig, weil mir die komplette Theorie fehlte. Dann hat mir mein Vater einen Privatlehrer organisiert und ich musste in einem halben Jahr alles nachlernen. Danach habe ich die Prüfung absolviert.

Und wie kamen Sie zum Singen?

2010 oder 2011 musste mein Vater Lieder lernen, die ich für ihn geschrieben hatte. Er sagte: "Warum gehst du nicht ins Studio, damit ich sie mal hören kann?" Damals hat er meine Stimme erstmals in Form einer Studioaufnahme gehört und meinte: "Das ist gut. Warum singst du nicht?" Ich habe ihm geantwortet: "Weil du das tust. Wir brauchen keine zwei Sänger in der Familie." Er hat mich aber ermutigt und so hat das angefangen. 

Stehen Sie oft mit Ihrem Vater auf der Bühne?

Ja. Für mich ist das natürlich toll. Wenn ich alleine auftrete, singe ich vor rund 1.000 Menschen. Wenn ich aber mit meinem Vater singe, sind es 15.000 oder mehr. 2016 hatten wir ein Konzert im Bernabeu-Stadion vor 65.000 Besuchern. Die Einnahmen gingen komplett an eine Musikschule in Mexiko. Das war großartig. 

Hätten Sie nicht lieber im Camp Nou gesungen?(Placido ist Fan des FC Barcelona, Anm. d. Red.).

Nein, na ja, das darf ich nicht laut sagen. (lacht) Mein Vater ist ja Fan von Real Madrid. Das war schon toll in Madrid.

Offensichtlich haben Sie ein richtig gutes Verhältnis zu Ihrem Vater ...

Absolut. Vor fünf Jahren bin ich ja nach Italien gezogen und seither sehen wir uns auch mehrmals pro Monat, weil es viel einfacher ist, als über den großen Teich zu fliegen. Aber ein Mal im Monat treffen wir uns mindestens. Es macht mir auch großen Spaß, mit ihm auf der Bühne zu stehen.

Sie haben ja in Wien Komposition studiert. Wie ist das für Sie, wenn Sie Wien besuchen? Wie ein Stückchen Heimat?

Ja, immer wieder. Das ist so eine tolle Stadt. Als klar war, dass ich Komposition studieren möchte, hat mir mein Vater New York, St. Petersburg oder Wien zur Auswahl gestellt. Da ich mich im Sommer davor aber in eine Wienerin verliebt habe, habe ich mich für Wien entschieden. Von 1985 bis 1987 habe ich hier gelebt. Gott, ist das lange her ...

Gibt's Pläne für Auftritte in Wien in naher Zukunft?

Momentan nicht. Der nächste Auftritt in Österreich ist die Notte Italiana und darauf freue ich mich sehr 

Sie komponieren, singen und produzieren. Wofür verwenden Sie die meiste Zeit? 

Obwohl es so verschiedene Disziplinen sind, macht mir alles gleich viel Spaß. Darum schaue ich auch, dass der Zeitaufwand dafür ausgeglichen ist. Beim Komponieren muss man sich halt ein paar Stunden hinsetzen und viel rumprobieren. Fürs Singen muss man nur gut essen, gut schlafen und Stimmtraining machen. Dann kann es schon auf die Bühne gehen. 

Woran arbeiten Sie derzeit?

An der Produktion eines Musicals. Es ist eine Liebesgeschichte mit einem Vampir.

Wieso mit einem Vampir?

Weil das in den letzten Jahren auch bei TV-Serien ein großes Thema war und es einfach niemals stirbt. 

Die Premiere wird wann und wo sein?

Hoffentlich im Dezember in Madrid.

Sie komponieren für Opernsänger ebenso wie für Popsänger, machen Crossover und lieben den Tango. Wofür schlägt Ihr Herz am meisten?

Mein Herz schlägt am meisten für Latino Pop und Tango. Das liebe ich und ich singe das auch sehr gerne. Ich habe auch eine Tango-Show produziert.

Tanzen Sie selbst auch Tango?

Nein, ich habe das niemals gelernt. Das ist nicht einfach. Ich habe die Tänzer bei der Probe gesehen, das ist wirklich hart. 

Tanzen Sie gar nicht?

Doch, aber eher so (versucht im Sitzen Disco-Tanz nachzuahmen, Anm. d. Red.) 

Sie haben in Wien gelebt, wie sieht es mit Walzer aus?

(lacht) Leider, nicht einmal Walzer, aber den muss ich mal lernen. 

Haben Sie einen Lieblingssänger, für den Sie gerne mal komponieren würden?

Drei! Wenn ich könnte, würde ich gerne mal was für Billy Joel, Elton John oder Sting schreiben, aber das sind ja selbst alle großartige Komponisten.

Ist das die Musik, die Sie auch privat hören?

Ja, absolut! Das sind die Könige. 

Wie würden Sie Glück definieren?

Ich glaube nicht, dass es Glück an sich gibt. Das ist eher eine Mischung, aus positiver Einstellung und geistiger Haltung, auch zu sich selbst. Man muss immer man selbst sein und sollte nicht allzu sehr Materiellem hinterherjagen. Darauf antwortet das Universum meist mit einem Stoppschild. Ich akzeptiere die Menschen so, wie sie sind und habe nie große Erwartungen. Damit gibt es auch kaum Enttäuschungen. 

Sind Sie spirituell?

(überlegt) Ich bin auf jeden Fall ein tiefgründiger Denker. Ich denke über vieles nach. Ich glaube schon, dass ich dadurch irgendwie spirituell bin. Ich mag Menschen und mag sie auch verstehen. Dem gehe ich gerne auf den Grund. Ich bin auf jeden Fall nicht im Sinne einer Religion gläubig, weil Religionen zu viele Kriege verursacht haben und es noch tun. 

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht arbeiten?

Reisen zum Vergnügen. Ich gehe gern ins Kino oder relaxe daheim. Einfach mal nicht aufstehen und zu einem Flughafen hetzen müssen, das ist toll. Zeit auf der Couch ist Luxus, weil ich beruflich so viel unterwegs bin. 

Auf Facebook bedanken Sie sich immer wieder gerne bei Airlines. Ist das nur Höflichkeit?

(lacht) Nein, ich liebe das Fliegen.

Haben Sie noch Träume, die Sie unbedingt realisieren wollen?

(lacht wieder) Ja, ich möchte fliegen können, ohne es zu lernen. Ich liebe Flugzeuge. Dort gehe ich auch gerne ins Cockpit. Besonders glücklich bin ich, wenn ich dort eine Pilotin sehe. Ich bin ja mehr Feminist, als die feministischste Frau es sein kann.    

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