Schwache Persönlichkeiten vertragen keine Kritik

Foto: MARKUS SCHWABENITZKY, BEIGESTELLT
Foto: MARKUS SCHWABENITZKY, BEIGESTELLT

Elfi Eschke ist wahrscheinlich der Österreicher liebste Deutsche. In unzähligen Filmen und Serien wirkte die Schauspielerin mit, oft an der Seite von Regisseur und Ehemann Reinhard Schwabenitzky. Uns gab sie ein Interview über Rückgrat, Fehler und die politische Situation in Europa.


Interview: Roland Hofbauer und Jeanette Brunner 

Seit Jahrzehnten zählen Sie als gebürtige Deutsche zu den Schauspiel-Lieblingen der Österreicher. War es schwierig, das Herz der Ösis zu erobern?

Ich denke nicht. Bei meiner ersten Kinorolle in Österreich, als Ilona in Ilona & Kurti, wurde ich gemocht, obwohl ich von den Kinobesuchern eher als bosnische Schauspielerin wahrgenommen wurde und nicht als deutsche. Danach, bei meinen anderen Film- und TV-Rollen, sind, wie ich feststellen konnte, die Leute auch meinetwegen ins Kino gegangen, oder haben meinetwegen den Fernseher aufgedreht. Dass mich dies besonders gefreut hat, kann man sich ja vorstellen - immerhin galt ich damals nicht als österreichische, sondern als deutsche Schauspielerin. Ich habe mich daher auch schnell in Österreich gut aufgehoben gefühlt. Viele hier kannten mich allerdings schon durch meine deutschen TV- und Kinorollen, zum Beispiel als Gabi in Büro Büro, aus diversen Tatorten oder Eis am Stiel 8, den Dieter Hallervorden-Filmen, etc. Auch wenn ich in Wien Theater gespielt habe, waren die Vorstellungen alle ausverkauft.

Ihr Mann machte im Interview mit uns aus seiner Meinung kein Geheimnis und spricht generell auch heikle Themen direkt an. Dafür wurde er von Künstlern und Politikern kritisiert. Es wurde sogar versucht, ihn ins rechte Eck zu drängen. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Gelassen. Wir beide ticken ähnlich und wissen wo wir stehen. Und wenn uns jemand in irgendwelche Schubladen stecken will, soll er/sie es tun. Vor allem, weil dies vorwiegend Leute sind, die selbst ganz fest in Schubladen stecken und sich hinter Gruppenmeinungen verbarrikadieren. Eigenartig aber ist es doch, dass solche Attacken vorwiegend von Leuten kommen, die sich als "links" bezeichnen - aber zu einfältig sind zu bemerken, dass Vorurteile gerade bei einem "Linken" nichts zu suchen hätten. Wenn eben jemand zu weit nach "links" driftet, schließt sich der Kreis zu weit "rechts".

Wie beurteilen Sie die politische Situation in Österreich und Europa?

Österreich hat nun eine neue, andere Regierung. Mitte-rechts, wie man sie nennt. Noch ist schwer festzustellen, welch gute oder schlechte Auswirkungen diese Regierung auf uns Bürger hat; zum Beispiel, ob sie es schafft, Ängste über die Sicherheit von uns Bürgern zu verringern, oder die Kluft zwischen Arm und Reich zu verkleinern. Das heißt, die Armen unseres Landes nicht noch ärmer werden zu lassen - sondern im Gegenteil. Eine gute Regierung begreift, je weniger Arme es gibt, desto mehr wird gekauft und daher produziert, was als Folge weniger Arbeitslose, weniger Frust und damit weniger Gewalt bedeutet. Die Maßnahmen dieser Regierung dazu scheinen mir noch nicht intensiv genug. Auch ob die Umweltvorhaben reichen, wage ich zu bezweifeln. Dass diese Regierung aber anfängt, uns, die Bürger, für mündiger zu halten als die Regierung zuvor, ist bemerkenswert. Verbote durch gesunden Menschverstand zu ersetzen ist immer gut. Je weniger Regeln, desto freier fühlen wir uns. Neugierig aber bin ich, ob endlich die versteckten Steuern verringert oder abgeschafft werden, wie zum Beispiel Rezeptgebühren, oder die von Herrn Mario Draghi verordnete Zinspolitik, die den kleinen Sparer schröpft, dafür den Staaten auf unsere Kosten günstige Kredite verschafft (die ihren Schuldenberg trotzdem kaum reduzieren) - was ich für eine Unverschämtheit halte. Für mich sind Steuern nicht nur die eigentlichen Steuern, sondern alles was der Staat uns Normalbürgern wegnimmt - und das ist zu viel, denn ich denke, dass der Staat auf der Ausgabenseite noch viel sorgsamer handeln könnte.

Und leider hört man von dieser Regierung kaum etwas über Kunst und Kultur, obwohl wir angeblich ein Kulturland, und Kunst und Kultur wesentliche Wirtschaftsfaktoren sind. Kunst und Kultur gehört gefördert - und zwar jede Art von Kunst! Der Geschmack eines Politikers darf dabei keine Rolle spielen (was einige ganz rechte Politiker und deren Anhang noch nicht kapiert haben)! Und parteipolitische Postenbesetzung halte ich von jeder Regierung sowieso für fatal - besonders bei Kulturbetrieben - wie zum Beispiel dem ORF. Denn ein so wichtiges Medium schafft es sehr wohl schleichend Wählermanipulation zu betreiben, und zu guter Letzt diesen wichtigen Sender zu zerstören. Ich hoffe, dass diese Regierung diesbezüglich der Vorgängerregierung nicht nacheifert. Auch hoffe ich, dass die neu installierten Channel Manager die Macht und das Engagement haben im ORF das zu veranlassen was diesem Sender und seinem Publikum gut tut. Auch die ORF-Gebühren dürfen keinesfalls abgeschafft werden - im Gegensatz zu einigen momentanen Posten oder Personen in diesem Sender.

Und die EU schenkt wichtigen Themen, wie dem Tierschutz (Tiertransporte, kilometerlange Schleppnetze in den Meeren, Umweltgifte auf den Äckern, etc.) und der Zuwanderungspolitik viel zu wenig Beachtung, kümmert sich lieber um die Farbe von Kartoffeln und Fleisch oder nicht Fleisch in Hamburgern, verursacht sinnlos Millionenkosten für zu viele Beamte, die sich um Peanuts kümmern und herumreisen was das Zeug hält (alleine schon das Geld für die Reisen Brüssel-Straßburg und zurück würde viele Arme aus ihrem Elend entlassen). Die EU ist als Projekt gut gedacht, aber absolut kleinkariert und lobbyhörig umgesetzt.

Sie gelten als sehr wandlungsfähige Darstellerin, inwieweit spielt man auch im Privatleben Rollen?

Gar nicht - denn obwohl mich das immens ärgert, sieht man mir sofort an, wen ich sympathisch finde und wen nicht.

Wenn Sie Ihr Leben noch einmal leben könnten, was würden Sie gerne anders machen?

Vielleicht würde ich Angebote aus Hollywood oder andere aus dem Ausland nicht wieder ablehnen, aber sonst - so wie ich mich kenne - kaum etwas. Ich würde immer wieder in Fettnäpfchen tappen, weil ich zu oft sage was ich denke - und das mögen Rückgrat- oder humorlose Charaktere - von denen es leider genügend gibt - überhaupt nicht. Mein Mann hat den ORF öffentlich kritisiert, worauf ihn Kollegen angerufen und gemeint haben, ,Mensch du traust dich was?. Schwache Persönlichkeiten vertragen eben keine Kritik. Das wissen meine Kollegen, daher halten sie den Mund. Wer, auch in unserem Beruf, ist schon gerne arbeitslos. Schauspieler wollen spielen und Regisseure drehen. 

Viele Schauspielerinnen verweigern Nacktszenen, Sie hatten nie ein Problem damit. War es für Sie je eine Überwindung oder gehört das einfach zum Geschäft?

Natürlich war?s jedes Mal eine Überwindung, man gibt ja doch sehr viel von sich her. Aber wenn es die Rolle verlangt, wie zum Beispiel in Ilona & Kurti, oder in Verlassen Sie bitte Ihren Mann, etc., oder weil es in bestimmten Situationen normal ist, sich unbekleidet zu bewegen, muss es eben sein. Dann ist Nacktsein eben ein Kostüm. Und viele Frauen haben es mir gedankt, weil ich nicht so aussehe wie diese auf Plakaten retuschierten Klischee-Models, sondern wie viele normale Frauen. Zudem kann ich die Prüderie und Verklemmtheit in diversen anderen Filmen, besonders in Filmen aus Hollywood, nicht ausstehen - also kann ich mich auch nicht so verhalten. Ich finde, dass es uns die Franzosen vormachen wie es sein soll. Ausgewalzte Sexszenen allerdings mag ich gar nicht und mich seelisch in Filmen auszukotzen wäre für mich noch schlimmer, dann würde ich mir wirklich nackt vorkommen.

Was sind Ihre aktuellen Projekte, was ist in diesem Jahr geplant?

Als Schauspieler kann man nicht immer selber planen (ausgenommen Lesungen); man ist auf Angebote angewiesen und diese kommen meist direkt oder indirekt von TV-Sendern. Glauben Sie, dass Leute wie etwa mein Mann oder ich, die ab und zu Kritik üben, gerne von den Entscheidern im ORF beschäftigt werden? Wenn Sie das glauben, sollten Sie versuchen herauszufinden was ich den letzten acht Jahren alles für diesen Sender gedreht habe. Nur habe ich eine indianische Philosophie: ,Setz dich an die Biegung des Flusses und warte bis deine Feinde vorbeischwimmen?. Bin schon gespannt wer das sein wird.

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