So gründet man einen Staat

Foto: beigestellt
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Für den Verfassungsschutz und die Medien ist Monika Unger eine Reichsbürgerin. Sie selbst sieht sich als Präsidentin des Staatenbundes Österreich. alles roger? traf die Rebellin in ihrer steirischen Heimat und fand heraus, was hinter dem Staatenbund steckt. 


Text: Martina Bauer

Immer mehr Menschen sehen in der Republik Österreich eine Verwaltungsfirma und keinen Staat. Sie wehren sich gegen die Politik, die Banken und Konzernen dient und dafür die kleinen Unternehmer und Arbeiter ausnimmt. Sie wollen keine Personen sein, sondern Menschen. Manche nennen sich Freeman, andere treten dem Staatenbund Österreich bei. Den Wunsch nach Souveränität haben alle gemeinsam. Sind das wirklich alles Spinner oder Freaks? Für die Regierung und ihre Organe sind sie ganz einfach Reichsbürger.

"Ich bin keine Reichsbürgerin!", sagt Monika Unger und beißt wild entschlossen in den gebackenen Hendlhaxn. Ganz so, als wollte sie damit das Gesagte noch einmal unterstreichen. Wir sitzen in einem Wirtshaus in der Steiermark. Am Tisch eine österreichische Tageszeitung, in der sie nachlesen kann, dass man sie als Reichsbürgerin tituliert. "Das ist ein Schimpfwort aus der Nazi-Zeit und hat mit mir und dem Staatenbund gar nichts zu tun. Alles, was wir tun, geschieht mit Licht und Liebe. Zum Wohle aller Menschen. Die haben ja nicht mal mit mir geredet und schreiben irgendwas", merkt die Steirerin zu dem doppelseitigen Artikel an. An mediale Verunglimpfung ist sie gewöhnt. Auch, dass sie der Verfassungsschutz im Visier hat.

Die Begründung: Monika Unger bezeichnet die Republik Österreich als Firma. Tatsächlich hat Österreich einen Firmeneintrag im Handelsregister UPIK mit Adresse Ballhausplatz 1, 1010 Wien (siehe Bild). "Die Republik Österreich ist eine Verwaltungsfirma, die juristische Personen verwaltet und im Hintergrund Handel mit dem Steuergeld dieser Personen treibt. Wir haben keine Verfassung sondern nur ein Bundesverfassungsgesetz. Das ist eine Staatssimulation", erklärt Unger, die darum den Staatenbund gegründet hat.

"Ich habe mich mit der Thematik, der Geschichte und allen Gesetzen acht Jahre lang beschäftigt, und als mir klar wurde, dass wir in Österreich staatenlos sind, sah ich den einzigen Ausweg in der verfassunggebenden Versammlung. Bei der wurde ich aus der Mitte des Volkes mit 360 Unterschriften damit beauftragt, den Staat Steiermark zu errichten. Das habe ich dann auch getan. Am 26. Oktober 2015 wurde der Staat Steiermark aus der Mitte des Volkes gegründet und ausgerufen", erklärt Monika Unger.

Acht Jahre mag eine lange Zeit sein, allerdings ist die Materie auch ziemlich kompliziert. Um es auf wenige Sätze runterzubrechen: Alle Länder, die eine Zentralbank haben und mit der Federal Reserve Bank verbunden sind, werden vom Vatikan, der City of London und Washington DC gesteuert und regiert. Das ist das Dreieck der Macht. Gerne wird es bei Ansprachen von Politikern auch mit ihrer Handhaltung (Merkel-Raute) gezeigt. All unsere Steuergelder werden an diese drei überwiesen. Der Vatikan steht ganz oben, weil das ganze Handelsrecht, das Seerecht und das Wirtschafts-Kartellrecht (UCC) auf dem kanonischen Rechtssystem des Vatikans fußen.

Immer mehr sehen und glauben genau das. Darum wird die Schar jener, die auch zum Staatenbund gehören wollen, immer größer. Bundesland um Bundesland wurde von Unger zum Staat erklärt. Zuletzt Vorarlberg am 8. Oktober 2016. "Seither sind wir ein souveränes, unantastbares Völkerrechtssubjekt, also ein Staat mit Regelwerk", betont Unger.

Von 750 Anhängern in ganz Österreich berichten die Medien. Diese Schätzung kostet Monika Unger einen lauten Lacher, der fast nicht verstummen mag. Eine genaue Zahl möchte sie nicht nennen, aber es sind mehr als 100.000. So weit lässt sich die Präsidentin des Staatenbundes in die Karten blicken.

Zweifeln muss man an dieser Zahl nicht, zumal die Lokale bei ihren zahlreichen Vorträgen meist brechend voll sind. Danach stellen sich die Besucher um Befreiungs- und Lebendurkunden für je zehn Euro an. "Die Menschen wollen wieder Menschen sein, keine Personen, kein Humankapital, das ausgebeutet wird. Das Parteiensystem bei uns ist doch nichts als Spaltung. Oben sitzen alle in einem Boot und wohin das fährt, diktieren die Banken und die Oligarchen, die uns in Wahrheit regieren. Die Menschen müssen wieder zusammenhalten und einander gegenseitig helfen. Der Staatenbund vereint sie", erklärt Unger den regen Zulauf.

Sie kann auch verstehen, dass das Establishment mit ihrem Staat keine Freude hat und sagt: "Klar mögen uns die nicht, die dann vom Futtertrog weg müssen. Dazu gehören natürlich auch die Politiker." Einer von ihnen ist Innenminister Wolfgang Sobotka, und der hat der "Reichsbürgerbewegung", wie sie von den Behörden genannt wird, bereits den Kampf angesagt. Über die Medien drohte er sogar Gefängnisstrafen an. "Wofür wollen die mich denn einsperren? Dafür, dass ich mich für die Menschen und gegen ihre Knechtung einsetze?", fragt Monika Unger mehr rhetorisch. Fassungslos schüttelt sie so heftig den Kopf, dass ihre langen braunen Haare umherwirbeln.

Es gibt viel, das sie sprachlos macht. Zum Beispiel, dass sowohl Behörden und Medien ihren Staatenbund mit der Freeman-Bewegung in einen Topf schmeißen. "Die sind zwar auch souverän, haben mit uns aber nichts zu tun. Die Freemen stehen für sich. Die geben den Menschen keine Heimat. Bei uns geht es nicht um Ego, Macht oder Gier. Es soll allen gleich gut gehen, weil jeder Mensch gleich viel wert ist", so Unger, die damit unterstreicht, dass sie ganz weit weg von irgendeinem Gedanken aus der Nazi-Zeit ist.

Das hören die Menschen sowie die Beamten vom Verfassungsschutz, die ihre Vorträge immer wieder besuchen. Letzteren gefällt naturgemäß nicht, wenn sie hören, dass die Republik nur eine Kapitalgesellschaft ist und ihre Bürger vogelfrei sind, bereit gemacht zum Ausplündern. Dass es in Österreich kein Volk gibt, weil jeder mit der Geburtsurkunde zu einer juristischen Person gemacht wird. Zu einem Mündel unter staatlicher Vormundschaft.

Dass Ungers Aussagen von von den Politikern als staatsfeindlich eingestuft werden, darüber lacht die 1,60 Meter kleine Frau die ganz Großes vorhat. Sie kann gar nicht verstehen, welchem Staat gegenüber sie feindlich sein soll. Für sie gibt es keinen. Davon ist die Rebellin, die sie schon als Kind war, felsenfest überzeugt.

Was die Politik so beschließt, geht nach ihrem Dafürhalten immer gegen das Volk und dient nie dem Wohle der Menschen. Das ließ ihr keine Ruhe und sie tauchte immer weiter in die Materie ein. Bis sie dann auf das Buch Die BRD GmbH von Dr. Klaus Maurer stieß. Für Unger war klar, dass das in Österreich nicht anders ist als in Deutschland. Dann wurde sie auch noch von einer Richterin aus dem Gericht geschmissen, obwohl sie die Vollmacht eines Menschen hatte, den sie vertreten sollte. Da reichte es endgültig. "Ich habe nur gefragt, ob das ein staatliches Gericht und sie eine staatliche Richterin sei. Wenn man das in Österreich nicht fragen darf, dann rennt etwas gehörig falsch", erklärt Unger.

Damit stand der Beschluss der Steirerin fest. Sie musste etwas ändern. Und es gab so viele, die genauso dachten. Große Unterstützung erhält die Staatenbund-Präsidentin ausgerechnet von ihrer 13-jährigen Tochter, die auf die Mama einfach nur stolz ist. In die Schule geht das Kind nicht. Es wird von Lernbeauftragten unterrichtet und ist darüber mehr als happy. Das natürliche und freie Lernen, das ähnlich wie das russische Shetinin-Prinzip angelegt ist, tut dem Mädchen gut. Es lernt viel mehr und besser als früher. Noch dazu mit großer Freude.

Auch Ungers Mann steht hinter ihr, wenngleich ohne Engagement. Ähnlich zurückhaltend sind die Eltern, die aber auch keine Einwände haben. "Ich war ja schon immer so", sagt Unger lachend und erklärt damit, dass ihr ungewöhnlicher Weg für die Eltern nicht sonderlich überraschend kam.

So unaufgeregt wie die Familie sehen das die gängigen österreichischen Medien nicht. Die meisten haben sich ihr Urteil gebildet und gehen mit Unger wie mit Freiwild um. Berichte ohne Recherche, und wenn Recherche, dann so: "Da kam doch tatsächlich ein ORF-Team von ,Report? zu mir nach Hause. Mein Mann hat arglos die Tür geöffnet und den Reporter hereingelassen, obwohl sich der nicht mal vorgestellt und nur nach mir gefragt hat. Als ich die Kameras vor dem Haus sah, habe ich das Filmen untersagt. Das war denen ganz egal. Die haben einen Beitrag gesendet, mitsamt den Aufnahmen meines Hauses, ohne meine Einwilligung", ist
Unger empört.

Empörung ist wohl auch das Stichwort, das die Leute in Scharen zu ihren Veranstaltungen laufen lässt. Die 40-Jährige freut sich über so viel Erwachen in der Bevölkerung. Überhaupt scheint sie tiefenentspannt und ganz gelassen zu sein, obwohl ständig das Telefon läutet und sie mitten in ihrer Österreich-Tournee steckt. Auf die Frage, wann denn die Währung Österreicher gedruckt wird, antwortet sie: "Sobald wir das Geld dafür haben." Der herzliche Lacher danach beweist, dass die Frau wirklich Humor hat.

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