Toto Cutugno

Foto: beigestellt
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Die italienische Gesangslegende Toto Cutugno ist 74 Jahre alt und steht noch immer leidenschaftlich gerne auf der Bühne. Am 7. August kommt er zur La Notte Italiana auf die Seebühne Mörbisch. alles roger? führte mit dem Italo-Star ein Telefoninterview, als er in einem Tonstudio in Mailand gerade seine neue CD aufnahm. Dabei verriet er uns, warum er so gerne in Russland ist, dass es bald viele neue Liebeslieder von ihm geben wird und was er von der Politik hält.


Interview: Martina Bauer

Am 7. August werden Sie gemeinsam mit Al Bano & Romina Power, Ricchi e Poveri und anderen italienischen Stars auf der Seebühne in Mörbisch bei der La Notte Italiana auch wieder mal in Österreich auftreten. Wie ein Treffen mit alten Freunden. Freuen Sie sich darauf?

Ich spiele ja viele Konzerte mit ihnen. Wir waren erst in Russland, in St. Petersburg. Al Bano ist wie ein Bruder für mich und mit Ricchi e Poveri bin ich auch befreundet. Die treffe ich auch privat. 

Mireille Mathieu, Adriano Ce­lentano, Johnny Hallyday, Ricchi e Poveri - die Liste derer, für die Sie Songs geschrieben haben, ist lang. Machen Sie das nach wie vor, dass Sie für andere Hits schreiben, und wenn ja, welcher war der letzte?

Ja, ich mache das weiter, aber noch vor September kommt mal meine neue CD raus. Mit 19 neuen Songs, da bin ich schon aufgeregt. Ich bin gespannt, wie das Publikum auf diese Lieder, es sind Liebeslieder, reagiert. 

Sanremo darf man getrost als Ihr Wohnzimmer bezeichnen. Insgesamt haben Sie 15 Mal an dem Festival teilgenommen, als Sänger und Songschreiber, ein Mal gewonnen und sind oft Zweiter geworden. Was bedeutet Ihnen das?

Die haben mich dort einfach gerne (lacht). Claudio Baglioni hat letztes Mal wirklich ein ausgesprochen gutes Festival gemacht. Er hat den Liedern sehr viel Raum gegeben, und das ist gut, denn um die geht es ja immerhin.

Sie haben in den 90er-Jahren mit Insieme den Song Contest gewonnen. Wie stehen Sie heute zu dem Bewerb? Viele meinen ja, dass er zu einer Homosexuellen-Parade verkommen ist. Kaum jemand erinnert sich an das Siegerlied vom jeweils vergangenen Jahr. Insieme aber ist ein Evergreen.

Ich finde, dass das Eurofestival das wichtigste Festival für Lieder ist. Es ist doch nicht zu einer Homosexuellen-Parade verkommen. Ich hab' ja als einziger männlicher italienischer Teilnehmer gewonnen. Für mich ist das noch immer das absolut wichtigste Festival. Auch, wenn sich die Leute nicht mehr an die Lieder erinnern.

Begonnen haben Sie mit Schlagzeug. Sitzen Sie heute noch manchmal an den Drums und lassen so richtig die Sau raus?

Ja, mein Vater hat Trompete gespielt und das war mein Zugang zur Musik, dann habe ich Schlagzeug, Ziehharmonika und Klavier gelernt. Ich spiele ja fast alle Instrumente und das hat mir sehr geholfen, die Musik bei meinen Liedern so zusammenzubringen. Meine Musiker sind ja besser als ich, aber aus Spaß spiele ich noch.

L'Italiano hat auf YouTube 54 Millionen Klicks. Auf Facebook haben Sie auch viele Fans. Wie erklären Sie sich Ihre Beliebtheit? Und haben soziale Netzwerke irgendeine Bedeutung für Sie?

Ich bin sehr glücklich, dass meine Schöpfung so populär geworden ist. Es gibt ein Ranking von den berühmtesten Liedern in Italien ever. Nummer eins ist Nel blu dipinto di blu, Nummer zwei ist O sole mio und Nummer drei L'Italiano. Ich bin so froh, dass ich so bekannt bin. Dadurch kann ich so viel machen. Zum Beispiel derzeit in Russland. Vor allem in St. Petersburg gebe ich in Schulen Italienisch-Unterricht mit Klavierbegleitung. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß. Ich gebe aber auch Konzerte in Australien, bin in Paris im nächsten Monat im TV, in Deutschland gebe ich Konzerte und nach Österreich komme ich im Sommer ja auch.

Sind Sie in den sozialen Netzwerken selber aktiv, oder erledigt das ein Manager für Sie?

Mein Manager betreut Facebook.

Was interessiert Sie abseits der Musik? Politik? Was sagen Sie zur Lage von Europa? Zu den Problemen von Italien durch die massive Einwanderung?

Ich habe Interesse für das Leben. Es gibt nur das eine und das möchte ich ganz intensiv bis zum Schluss leben. Vor allem mit Freunden. Das Wichtigste für mich ist, dass die Leute, die mich lieben, um mich sind. Politik ist für mich ein No-Go. Das ist eine schwierige Frage zu schwierigen Themen. Ich habe Berlusconi kennengelernt, bevor er in die Politik gegangen ist, und das war einer der schönsten Tage meines Lebens. Er war sehr sympathisch, ich habe ihn gewählt, aber jetzt weiß ich nicht mal, ob ich im März wählen gehen soll (In Italien waren Anfang März Wahlen, das Interview hat kurz davor stattgefunden, Anm. d. Red.). Alle Politiker reden gut und machen dann etwas anderes. Alle meine Musiker wählen jedenfalls die Fünf-Sterne-Bewegung. 

Italien ist für seine Küche berühmt. Kochen Sie gerne? Und wenn ja, was?

Nein, ich koche nicht, weil ich genug Leute habe, die für mich kochen. Wenn ich aber kochen würde, würde ich spezielle Spaghetti kochen. Das Rezept: ein bisschen Öl, Zwiebel anbraten, Tomaten hinein und Erbsen und dazu die Spaghetti machen. In Österreich schmeckt mir Gulasch sehr gut. 

Die Österreicher machen sehr gerne in Italien Urlaub. Wohin fahren Sie, wenn Sie entspannen möchten?

Ich habe eine Villa mit Pool in Rapallo in Ligurien und ein Boot. Damit fahre ich gerne die Küste entlang. Das ist die beste Entspannung die ich haben kann. Wien ist aber auch eine großartige Stadt. Ich war da in einem tollen Hotel in einer Suite mit einem ganz tollen Badezimmer mit Sauna und Dampfbad, also mit einer ganzen Spa-Einrichtung. Mein Manager hat das geliebt (lacht).

Wie viele Auftritte absolvieren Sie in etwa pro Jahr?

Nicht mehr als 30 im Jahr und alle im Ausland. Vor allem in Russland, der Ukraine, Armenien, Kasachstan, Turkmenistan, Türkei, Georgien, Litauen, Weißrussland, Bulgarien, Polen etc. 

Warum so viel im Osten?

Ich bin dort sehr beliebt und gefragt, also gehe ich dort gerne hin. 

Al Bano wird sich mit Ende des Jahres ins Privatleben zurückziehen. Ist das für Sie auch schon ein Thema, oder denken Sie da gar nicht daran?

Ich denke absolut nicht daran, solange ich mich wohlfühle und fit bin. Warum soll ich aufhören, was zu machen, was so schön ist? Ich glaube auch nicht, dass Al Bano sich wirklich zurückziehen wird.

Gibt es in Ihrem Leben noch so einen ganz großen Wunsch? Etwas, das Sie sich unbedingt noch erfüllen möchten?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, vielleicht erzähle ich es Ihnen privat bei einem Abendessen.

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