Vergewaltigung in Traiskirchen: Ungerechtigkeiten ohne Ende

Foto: Beigestellt
Foto: Beigestellt

Es war eine Horrortat in Traiskirchen, als 2015 Asylantenmassen nach Österreich strömten: Eine 72-jährige Frau wird am helllichten Tag brutal vergewaltigt. Als wäre dies nicht schlimm genug, kommt der österreichische Staat, der diese Tat mitzuverantworten hat, auch über zwei Jahre später finanziell nicht für das Opfer auf. Ebenfalls Probleme gibt es mit dem Sachwalter. Im Gespräch mit alles roger? spricht die Tochter der tapferen Frau Klartext.


Text: Klaus Faißner

 Es ist ein Unheil, das seit dem 1. September 2015 scheinbar kein Ende mehr nimmt. Ein Albtraum nach dem Albtraum-Erlebnis einer damals 72-jährigen, vollkommen rüstigen Frau in Traiskirchen: Sie wird brutal vergewaltigt. Bis zur Bewusstlosigkeit, die Zähne zertrümmert, am ganzen Körper blau, der geliebte Hund der Frau erschlagen. Zum Schluss nimmt ein Täter auch noch die Unterwäsche der Frau mit. Alles passiert am helllichten Tag. Die Medien schwiegen zuerst, verleugneten danach teilweise sogar die Tatsache, dass der (Haupt-)Täter ein Asylwerber aus Afghanistan war. Nichts durfte im Herbst 2015 die damalige Willkommensstimmung für Hunderttausende Asylanten trüben. Der Fall schlug schließlich doch hohe Wellen. Sogar die berühmte New York Times berichtete darüber.

Doch dieser Fall hat abgesehen von der Ausländerkriminalität eine ganz andere Dimension: wie mit einem unschuldigen Opfer umgegangen wird. Sylvia B., Tochter des Opfers, macht im Gespräch mit alles roger? klar, dass sie keine negativen Gefühle gegenüber Asylwerbern hat. Ganz im Gegenteil: Sie arbeitete Jahrzehnte in der Flüchtlingsbetreuung, schildert jede Menge positiver Erlebnisse und betont, dass es ihre "Burschen" durchwegs zu etwas gebracht hätten. Nach der schrecklichen Tat an ihrer Mutter sei sie massiv von Bekannten und auch Fremden angefeindet worden, weil sie in der Flüchtlingsbetreuung gearbeitet hatte. Auch ihre Vorgesetzten in der Sonderbetreuungsstelle Mödling wandten sich von ihr ab, weil sie geglaubt hätten, sie würde nach dem Erlebnis ihrer Mutter nicht mehr gut mit Asylwerbern umgehen. "Ich bekomme keinen Platz in der Flüchtlingsbetreuung mehr, weil meine Mutter vergewaltigt wurde", so Sylvia B.

 "Es waren zwei Afghanen"

Doch sie stellt klar, dass die offizielle Version der Vergewaltigung ihrer Mutter nicht stimmt: Nicht ein Afghane habe ihre Mutter vergewaltigt, sondern zwei. "Einer wurde nicht verurteilt, weil er minderjährig und alkoholisiert war." Nach der Tat sei es mit ihrer Mutter rasch bergab gegangen. Die vorher vollkommen gesunde Frau habe rasch danach den Eindruck einer 90-Jährigen abgegeben, der es einmal besser und einmal schlechter gehe.

Sylvia B. habe sich gemeinsam mit ihrer eigenen Tochter intensiv um ihre Mama gekümmert, um sie wieder ins Leben zurückzuführen. Doch mehr als ein Jahr nach der Tat hing es an einem seidenen Faden: "Am 31. Oktober 2016 waren wir Halloween-Sachen einkaufen. Es redete sie wer an, dann brach Mama zusammen, ihr Körper versagte. Sie war in Lebensgefahr." Sylvia B. beantragte für sich die Sachwalterschaft über ihre Mutter und behielt diese auch vorübergehend.

Sie arbeite fast Tag und Nacht, entweder in - meist schlecht bezahlten - Gelegenheitsjobs oder für ihre Mutter. Das wichtigste sei ihr seit dem Verbrechen gewesen, möglichst viel Zeit mit ihrer Mutter zu verbringen. "Ich sehe sofort, wenn es ihr schlecht geht. Mutter braucht meine Nähe. Sie will, dass ich bei ihr bin. Sie braucht 24 Stunden jemanden, was vom Badener Spital bestätigt wurde." Sie selbst sei längst über ihre Belastungsgrenze gegangen, so Sylvia B..

 "Staat soll Kosten übernehmen"

An die Tat könne sich die Mutter nicht erinnern. Vom Staat gebe es keine Hilfe, obwohl die Asylwerber in staatlicher Betreuung waren und die Regierung die weitgehend unkontrollierte Masseneinwanderung duldete. Und hier setzt Sylvia B. ihre zentrale Forderung an: "Der Staat soll alle Kosten für meine Mutter übernehmen. Wie kommt sie dazu, dass sie für Fremdverschulden ihre Pension hergeben muss?"

Es ist ein Skandal, worüber Sylvia B. berichtet: "Mutter ist offiziell nicht als Vergewaltigungsopfer anerkannt. Ich musste für eine Kur für meine Mutter in Bad Bleiberg wegen der Lungenkrankheit COPD einreichen, damit sie einen Platz bekommt."

Im Winter 2016/17 bestellte das Bezirksgericht Baden einen Juristen aus Wien zum Sachwalter ihrer Mutter. "In einem Fünf-Minuten-Gespräch", wie Sylvia B.s Tochter ergänzt. Die Familie sei einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Danach habe der Sachwalter wie besprochen eine Betreuungsagentur engagiert. "Aber er hat mich und meine Tochter nicht wie besprochen angestellt." Mit dieser Agentur habe vieles schlecht funktioniert. Eine Betreuerin habe die Mutter einmal beschimpft: "Du hast nur Gulasch im Kopf!" Sylvia B.: "Meine Mutter ist urgescheit. Aber jetzt ist sie in der Kiste. Sie war super beieinander und wurde zerstört."

 Probleme mit Sachwalter

Die Betreuungsagentur wurde inzwischen gekündigt. Doch mit dem Sachwalter gebe es nach wie vor Probleme: "Er bekommt seit Monaten die Pensionszahlungen und sagt, es wäre kein Geld da." Lange Zeit habe er finanziell nichts erledigt. "Die Hausverwaltung hängte im Haus meiner Mutter aus, dass 1.300 Euro ausständig sind. Daraufhin ist Mutter zusammengebrochen, so hat es sie mitgenommen." Die Familie habe schon im Jänner 2016 beim Opferschutzverband im Ministerium um Hilfe angesucht, doch auch dieser mache nichts, weil ein Sachwalter bestellt ist. Der zu einer 18-monatigen Haftstrafe und 5.000 Euro Schmerzensgeld verurteilte Täter ist schon wieder in Freiheit. "Und meine Mutter wollen sie gegen ihren Willen 20 Jahre ins Altersheim sperren", meint Sylvia B..

Das Schicksal hat in ihrer Familie besonders hart zugeschlagen. Nur wenige Monate vor der Vergewaltigung ihrer Mutter sei ihr Sohn überfallen und schwer verletzt worden: "Es waren fünf Leute mit Migrationshintergrund, eine berüchtigte Bande mit Serben, Bosniern und Albanern."

 Mit Geduld am Ende

Jetzt hat Sylvia B. ihr Haus verkauft, um ihrer Mutter finanziell helfen zu können. "Damit der Sachwalter meiner Mutter nicht die Wohnung wegnehmen kann, indem er sie verkauft. Ich will aber, dass sie in der Wohnung bleibt, solange es geht." 20 Jahre Arbeit für ihr Haus seien nun weg.

Ihre Geduld sei jetzt am Ende. Einerseits warte sie seit mehreren Monaten auf das Geld für ihr Haus. Andererseits habe der Sachwalter ausstehende Rechnungen für ihre Mutter nicht beglichen.

"Mama war einen Monat ohne Fernseher und Telefon. Die neuen Zähne für sie wurden von der Krankenkasse abgelehnt, weil angeblich zu viel Geld da ist." Doch ihr Geld sei nicht verfügbar, weil der Sachwalter darüber bestimme. Dieser gab gegenüber alles roger? keine Stellungnahme zum Fall ab. Sie habe einen Anwalt eingeschaltet, erzählt Sylvia B. "Ich schrieb dem Bundespräsidenten, an Kern, an den Bürgermeister, war in der Bezirkshauptmannschaft - und erhielt keine Reaktion. Überall ist ein Hürdenlauf, als ob das Absicht wäre." An den Sachwalter gerichtet meint sie: "Er soll geradestehen für die Schulden, die er verursacht hat." Sie habe den Traiskirchner Bürgermeister Babler gebeten, ihr eine Wohnung zu besorgen. Doch der habe nicht geholfen, sie musste weg. Fündig wurde sie im Nachbarort: "Der Trumauer Bürgermeister Andreas Kollross hat mir geholfen."

 Mutter erholt sich

Trotz allem ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen: Ende August habe der Sachwalter genehmigt, dass Sylvia B. und ihre Tochter die Mutter als pflegende Angehörige betreuen. Daher kann sie sich intensiver um sie kümmern. "Seitdem geht es ihr weit besser." Die tapfere 74-Jährige wünscht sich, dass ihre Enkeltochter als Sachwalterin bestellt wird. Es ist schlimm genug, dass so ein Verbrechen wegen des Versagens staatlicher Stellen überhaupt passieren konnte. Doch jetzt ist es höchste Zeit, dass der Staat dem Opfer finanziell ausreichend hilft und auch die Frage der Sachwalterschaft genau im Sinne der Familie geregelt wird.

Das alles roger? Abo

Jetzt zum Vorteilspreis bestellen und das Querformat für Querdenker wird monatlich bequem zu Ihnen nach Hause geliefert.

Bestellen Sie alles roger? für ein Jahr, und Sie bekommen uns zum vergünstigten Paketpreis monatlich nach Hause geliefert. Bestellen Sie mittels Online-Formular bequem von Ihrem Computer aus.


Aktuelle Ausgabe

Auch diese Ausgabe wird begleitet von einer Episode "Die Meinungsmacher". Klicken Sie auf das Cover um das Video zu starten.

Klicken zum Abspielen

Aktuelle Ausgabe ab jetzt im Handel erhältlich

» Jetzt abonnieren
Zum Sonderpreis von nur 17€ pro Jahr!





Unser Partner