Verrückte Forschung

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Wissenschaftler arbeiten auf der ganzen Welt daran, Antworten auf die großen Fragen des Universums und der Menschheit zu finden. Einige beschäftigen sich aber lieber mit den skurrilen. Zum Beispiel: Ist es möglich, dass ein Mann mehr als 1.000 Nachkommen zeugt? Und wie schmecken gekochte Spitzmäuse?


Es ist der Traum jedes Wissenschaftlers: einmal einen Nobelpreis gewinnen. Besser stehen die Chancen für Forscher allerdings, mit dem Ig-Nobelpreis, auch Anti-Nobelpreis genannt, ausgezeichnet zu werden. Das ist ein satirischer Preis, mit dem wissenschaftliche Leistungen geehrt werden sollen, die "Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen." Seit 1991 wird der Ig-Nobelpreis in verschiedenen Kategorien verliehen, seit 2012 von der renommierten Harvard-Universität. Und 2015 hat ihn eine Österreicherin bekommen.

Die Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher und ihr deutscher Kollege Karl Grammer haben mit mathematischen Methoden ermittelt, ob ein Mann mehr als 1.000 Nachkommen zeugen kann. Konkret ging es um Moulay Ismail von Marokko, den Blutdürstigen, der angeblich einen Harem mit 500 Frauen hatte. Dem Kurier gegenüber zog die Österreicherin das Fazit: "Er muss schon ganz schön viel für so viele Kinder tun. Je nachdem welches Computermodell man verwendet, musste er ein- bis zu mehr als zweimal täglich Sex haben. Und das sein Leben lang ohne Wochenende, ohne Urlaub. Das ist dann schon Arbeit. Speziell in seinem Fall. Er war ja sehr kriegerisch und viel auf Feldzügen unterwegs." Aber möglich ist es.

Auch wenn der Unterhaltungswert der Studien oft höher ist als ihr Informationswert, die meisten Preisträger sind echte Forscher. Aber nicht nur Wissenschaftler bekommen den Ig-Nobelpreis. Bei der Verleihung 2016 wurde VW ausgezeichnet. Dabei ging es um die Abgasmanipulation. Sie sei "die Lösung des Problems von übermäßigen Autoabgasen, indem automatisch elektromechanisch weniger Abgase produziert werden, wenn die Autos getestet werden." Bravo.

Hier eine Auswahl der lustigsten und skurrilsten Erkenntnisse:

> Im Bereich Medizin ging der Ig-Nobelpreis 2016 an deutsche Wissenschaftler, die entdeckt haben, dass man ein Hautjucken auf der linken Seite des Körpers auch lindern kann, indem man sich vor einen Spiegel stellt und die rechte Seite kratzt.

> Neben Charles Foster, der einen Ig-Nobelpreis dafür bekam, dass er in der Wildnis mit Dachsen, Ottern, Wild, Füchsen und Vögeln lebte, wurde im vergangenen Jahr auch Thomas Thwaites im Bereich Biologie ausgezeichnet. Er hatte Prothesen zur Verlängerung seiner Gliedmaßen angefertigt, um dann als Ziege mit Ziegen in den Schweizer Alpen zu leben. Er aß sogar Gras.

> Michael L. Smith erhielt den Ig-Nobelpreis 2015 für seine Arbeit mit Honigbienen. Er wollte wissen, an welchen Körperstellen ein Stich am wenigsten schmerzhaft - Kopf, Spitze des mittleren Zehs, Oberarm - und an welchen er am schmerzhaftesten ist - Nasenloch, Oberlippe, Penisschaft. Dafür ließ er sich wiederholt an 25 Stellen stechen.

> Für die Perfektionierung einer Methode, mithilfe eines ferngesteuerten Helikopters Wal-Rotz zu sammeln, bekamen den Preis im Jahre 2010 Karina Acevedo-Whitehouse, Agnes Rocha-Gosselin und Diane Gendron.

> Die Bangkok Metropolitan Police bietet ihren Polizeibeamten eine zusätzliche Entlohnung an, wenn sie darauf verzichten, Bestechungsgelder anzunehmen. Dafür gab es einen Ig-Nobelpreis in der Kategorie Ökonomie.

> Wenn man Hühnern einen beschwerten Stab am Hinterteil befestigt, ähnelt ihre Gangart der von Dinosauriern. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

> Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kuh aufsteht, steigt mit der Zeit, die diese bereits liegt. Man kann aber nicht ohne Weiteres voraussagen, wann sie sich wieder hinlegt. Für diese bahnbrechende Entdeckung wurden Forscher rund um Bert Tolkamp ausgezeichnet.

> Menschen, die glauben, betrunken zu sein, glauben auch, attraktiv zu sein. Das hat ein Experiment gezeigt.

> 2013 gab es einen Ig-Nobelpreis in der Kategorie Frieden für Weißrussland und seinen Präsidenten. Und zwar für das Verbot des Applaudierens in der Öffentlichkeit. Und für die weißrussische Polizei, die einen Einarmigen festnahm, weil er in der Öffentlichkeit applaudierte.

> Tatsächlich interessant: Verirrte Mistkäfer können sich auf dem Heimweg an der Milchstraße orientieren. Und Hunde richten sich bevorzugt entlang des Magnetfeldes der Erde aus, wenn sie ihr Geschäft verrichten.

> Brian Crandall und Peter Stahl kochten tote Spitzmäuse und schluckten sie ungekaut, um anhand ihrer eigenen Exkremente nachzuweisen, welche Knochen sich im Verdauungssystem auflösen und welche nicht. Warum sie das untersucht haben, weiß man nicht. Aber einen Ig-Nobelpreis bekamen sie dafür.

> Anita Eerland, Rolf Zwaan und Tulio Guadalupe haben eine interessante Studie gemacht: "Der Eiffelturm sieht kleiner aus, wenn man sich nach links lehnt."

> Der IG-Nobelpreis wird auch in der Kategorie Literatur vergeben. 2012 bekam ihn das U.S. Government General Accountability Office für die Veröffentlichung eines Berichts über Berichte über Berichte, der empfiehlt, einen Bericht über Berichte über Berichte über Berichte vorzube-reiten.

> Die irische Polizei hat den Literatur-Ig-Nobelpreis 2009 bekommen. Weil sie mehr als 50 Strafzettel an einen Herrn namens Prawo Jazdy ausgestellt hat, dessen Name die polnische Bezeichnung für Führerschein ist.

> Illegal geparkte Luxusautos waren in Vilnius, Litauen, ein Problem. Der damalige Bürgermeister schlug eine Lösung vor: Man solle sie mit Panzern überrollen. Dafür bekam er 2011, völlig zu Recht, den Ig-Nobelpreis in der Kategorie Frieden.

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