"Wenn ich die Beziehung versau, werde ich schwul"

Foto: Felicitas Matern
Foto: Felicitas Matern

Egal ob als Theatermime, als lustiger Polizist oder als Kabarettist ? die Österreicher lieben Christoph Fälbl einfach. Und das zu Recht, denn kaum einer verbreitet stets so gute Laune und gönnt seinen Kollegen den Erfolg mehr als der Stofferl. alles roger? bat ihn zu einem Gespräch über Humor, Dummheit und warum er in Sachen Liebe endlich angekommen ist. 


Interview: Roland Hofbauer

 Seit 28 Jahren stehen Sie auf der Bühne und unterhalten die Menschen. War das schon als Kind so, oder wann wurden Sie zum Kabarettisten?

Das hat schon in der Volksschule begonnen. Wenn man die Mitschüler oder Lehrer zum Lachen gebracht hat, hat man Anerkennung bekommen. Ich glaube, die Grundvoraussetzung für jeden Comedian oder Kabarettisten für diesen Beruf ist die Suche nach Anerkennung.  Das beginnt schon als Kind in der Familie, da gibt man den Kasperl, um von den Eltern Aufmerksamkeit zu bekommen. Da hat sich nicht viel geändert. Ich hatte einen Schulfreund, mit dem habe ich immer geblödelt, da haben wir mit den Wuchteln Pingpong gespielt. Das war auch ein gutes Training für den heutigen Job. Nur Schlagfertigkeit kannst du nicht lernen, das muss man haben. Jeder kennt das, wenn einem viel zu spät gute Antworten bei einem Wortgefecht einfallen würden, da kann ich alle beruhigen, das hab ich ganz selten auch noch. 

 Worüber können Sie persönlich gut und gerne lachen?

Über Slapstick, über gut gesetzte Pointen und witzige Spontaneität. Ich gehe ja sehr viel Kollegen schauen, und ich freue mich über jeden guten Gag und jedes tolle Programm der anderen. Ich kenn' so was wie Neid gar nicht, das war bei mir schon immer so. Bis 2009 hab' ich ja sehr viel Theater gespielt, und da habe ich gemerkt, so denkt nicht jeder Kollege. Da gibt es Profis, die sind Perfektionisten und spielen ihre Rolle vom ersten bis zum letzten Abend immer gleich und fehlerlos. Ich bin jemand, der seine Figur gerne wachsen lässt. Ich mag es, diese weiterzuentwickeln, auch nach der Premiere. Da waren ein paar Kollegen, die konnten mit spontan improvisierten Witzen, die ihnen die Show oder ein paar Lacher gekostet haben, nicht so gut umgehen.

 Was finden Sie absolut nicht komisch, worüber können Sie nicht lachen?

Dummheit, darüber kann ich beim besten Willen nicht lachen. Das finde ich alles andere als witzig. Menschen die andere aus Dummheit, Ignoranz und wegen Vorurteilen schlecht behandeln oder gar beleidigen, das geht gar nicht. Wir Menschen sind alle so knapp beieinander, wir sind uns eigentlich sehr ähnlich, da ist keiner besser oder schlechter. Auch Leute, die mit der Angst der anderen spielen und so Hass erzeugen, das find' ich überhaupt nicht lustig.  Aber ich kann auch über viele deutsche Kollegen nicht lachen. Ich glaube, das ist eher eine Sprach- und Dialektgeschichte. Zum Beispiel eine Cindy aus Marzahn konnte mir nie einen Schmunzler entlocken, aber Gott sei Dank sind die Menschen ja verschieden und auch die hat ihre Fans. 

 Sind Frauen eigentlich in der Branche weniger lustig als Männer?

Geh, überhaupt nicht! Wir Männer sind nur viel mehr. Wenn Sie mich fragen, ob es viel mehr schlechte männliche Kabarettisten als weibliche gibt, muss ich sagen: ja klar. Schau dir die Angelika Niedetzky, die Andrea Händler, die Sigrid Hauser oder die Monika Gruber an - die sind alle ein Hit. Für mich ist es immer eine besondere Ehre, wenn ich mit einer von den Damen zusammenarbeiten darf.

 Sie wurden zum dritten Mal Vater. Wie läuft es mit der Kleinen und Ihrer Freundin Niki?

Alles läuft super, alles kein Problem. Ich bin wirklich glücklich und zufrieden. Die kleine Romy ist jetzt ein Jahr alt und ich bin unheimlich stolz und habe mit Niki eine unglaublich tolle Partnerin gefunden. Es gibt zwar keine Garantie, aber ich fühle, ich bin endlich angekommen. Das Einzige, was mich stört, ich sehe die zwei nicht so oft, wie ich es gerne hätte, da sie in Kärnten wohnen. Niki ist derartig großartig und liebenswert. Ich liebe meine drei Kinder abgöttisch, meine größeren Kids mögen auch meine Freundin, es läuft einfach rund. Wenn ich die Beziehung mit der Niki versau', dann wird ich schwul. Das soll die Homosexuellen nicht 

he­rabwürdigen, aber wenn ich das kaputtmache, dann probiere ich es mit einem Mann. Oder ich lass es ganz.

 Man munkelt, Sie wollen auch ein gemeinsames Haus in Kärnten bauen?

Ja, da ist was dran, es macht ja auch Sinn. Ich habe ein kleines Sommerhäuschen an der alten Donau, das werde ich jetzt verkaufen. Ich verbringe jede freie Minute in Kärnten, ich nutzte das Haus nicht mehr. Ich kann mir auch vorstellen, die Niki zu heiraten. Ich glaube, sie ist wirklich die Richtige. Viele glauben ja nicht mehr an die Ehe, wenn sie schon einmal verheiratet waren, aber das hat andere Gründe. Die meisten haben die Vorstellung, auf den Partner durch die Ehe Besitzansprüche zu haben. Das ist eben ein kompletter Blödsinn.

 Was würden Sie gerne beruflich tun, wenn Sie nicht mehr prominent wären?

Ich würde gerne ein Kaffeehaus betreiben. Ich komme ja aus dem Gastgewerbe und habe immer noch einen Gewerbeschein und eine Konzession. Ich habe auf dieses Metier ein bisserl eine romantische Sichtweise. Ich hab' halt einfach gerne mit Menschen zu tun. Ich könnte mir aber durchaus auch einen Sozialberuf vorstellen. 

 Welche Sätze sind für Sie relevant oder treffen auf Sie zu?

Menschen sollen sich selbst akzeptieren, wie sie sind, dann müssten sie nicht so ängstlich und neidisch sein. Zweitens: Ich bin die Summe meiner positiven und negativen Erfahrungen.

Trump oder Putin, wer hat für Sie die Nase vorn?

Das sind beide unglaubliche Wappler. Die halten sich komplett die Waage. Der eine ist nicht einzuordnen und dürfte manisch depressiv sein, der andere ist zwar ein wenig berechenbar, aber nicht weniger grausam. Beide sind menschenverachtend. Die Trotteln sollten Diener ihres Volkes sein und nicht Herrscher.

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