Wollen Rauchverbote zum Politikum machen

Foto: APA
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Eine blinde Verbotspolitik gefährdet Tausende Arbeitsplätze und nimmt vielen Menschen die Möglichkeit, sich im Beisl oder beim Dorfwirt zu treffen. Ronnie Walter, Obmann-Stellvertreter der Wiener Trafikanten, kündigt an, dies nun zum Politikum zu machen. Generell gehe es darum, die Nahversorgung ebenso zu erhalten wie Arbeitsplätze für Invalide.


Text: Klaus Faißner

900 bis 1.000 Trafiken sind extrem gefährdet und werden wahrscheinlich zusperren. Aber auch viele Gastronomen werden zusperren, und das trifft auch deren Zulieferbetriebe und Handwerker wie Elektriker, die immer wieder gebraucht werden. Die Tragweite für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, die damit ausgelöst wird, ist unglaublich." Aus Ronnie Walter, Obmann-Stellvertreter der Wiener Trafikanten in der Wirtschaftskammer, sprudelt es nur so heraus, wenn er über gravierende Fehlentscheidungen der Politik spricht.

Vor allem meint er dabei das absolute Rauchverbot in der Gastronomie, das im Mai 2018 in Österreich in Kraft treten soll. "Damit werden uns Umsatzeinbußen von 15 bis 20 Prozent treffen." Bei dem Thema gehe es aber nicht nur um die Vernichtung zigtausender Arbeitsplätze und damit auch von Treffpunkten für die Bevölkerung, sondern auch um eine Entmündigung des Bürgers und der Gastronomen. "Wir wollen das zum Politikum machen", gibt er sich kämpferisch. Und zwar bei der nun anstehenden Nationalratswahl.

"Die Gastronomie soll selbst entscheiden, ob geraucht werden darf, und der Konsument, in welches Lokal er geht." Wirte hätten viel Geld in Umbauten investiert, um Raucher- und Nichtraucherbereiche abzutrennen - alles umsonst, wenn die Politik nicht einlenkt. "Speiselokale werden weniger betroffen sein, aber kleine Beisln in der Stadt und Dorfwirte am Land werden oft aufgeben müssen. Und wo treffen sich dann die Leute?", fragt Walter, der auch bei der FPÖ-Unternehmervertretung Pro Mittelstand tätig ist.

"Nahversorgung bricht zusammen"

Die Regierung lasse vor allem die Menschen am Land im Regen stehen, wo neben Trafikanten und Wirten auch "der Bäcker, der Fleischhauer - weil in den kleinen Betrieben nicht geschlachtet werden darf - und Bauern zusperren". Die ganze Nahversorgung breche immer mehr zusammen. "Übrig bleiben ein paar Großkonzerne", warnt er. Dass zum Beispiel alte Leute vereinsamen, die nicht mit dem Auto in Einkaufszentren fahren können, interessiere offenbar niemanden. Derzeit gehe leider alles in die falsche Richtung.

Ronnie Walter führt eine Trafik in Wien-Meidling und ist sichtlich beliebt. Als "die Seele des Grätzels" bezeichnete ihn das Bezirksblatt vor ein paar Jahren. "Er ist unser letzter Nahversorger und auch Vertrauensmann. Seine Trafik ist ein sozialer Treffpunkt in unserem Grätzel. Hier ist doch eh schon fast alles ausgestorben", wurde die Meidlinger Wirtin Elfriede Simayr zitiert, die ihn auch als "Bezirkshelden" nominierte. Bescheiden wehrt Ronnie Walter im Gespräch mit alles roger? ab: "Ich bin auch Post-Partner, zahle Pensionen, Asylantengelder oder Arbeitslosengelder aus. Wir helfen beim Ausfüllen von Formularen oder helfen älteren Leute über die Straße, nachdem sie bei uns waren. Das hat für mich nichts mit einem Helden zu tun, sondern ist selbstverständlich."

 Arbeitsplatz für Invalide

Vor 30 Jahren hatte er unverschuldet einen schweren Verkehrsunfall. Eine Behinderung blieb zurück und er habe seinen Beruf aufgeben müssen, erzählt Walter. "Mit dem Schmerzensgeld und einem Bankkredit kaufte ich mir eine Trafik." 2.400 Trafiken gibt es zurzeit noch in Österreich - 8.000 waren es vor wenigen Jahrzehnten. Rund die Hälfte aller Inhaber sind Invalide. Der Gesetzgeber sieht über die Tabak-Monopolverwaltung vor, "dass Invalide ihr Leben selbst bestreiten können", erklärt Walter. Doch diese arbeite teilweise gegen die Trafikanten: "Sie entscheidet, wo Trafiken hinkommen. Werden solche in Einkaufszentren bewilligt, machen diese einen enormen Umsatz, die eingesessenen im Zentrum aber deutlich weniger. So zerstört sie die kleinen Trafiken."

Der Tabakindustrie und der Regierung sei es egal, ob Zigaretten in kleinen Fachgeschäften von Behinderten oder in Einkaufszentren verkauft werden - denn bei Gesamtumsatz und Steuereinnahmen gäbe es keine Unterschiede. Doch das Dilemma könnte bald alle treffen: "Wenn es immer weniger Trafiken gibt, dann wird irgendwann auch das Monopol fallen. Das wäre schlimm für kleine, aber auch für große Trafiken. Dann löst sich der Berufsstand auf." Weil dann gäbe es keine Tabak-Fachgeschäfte mehr und Invalide hätten in diesem Bereich kaum noch eine Beschäftigungsmöglichkeit.

 Verbotswahn ohne Ende?

Weiters sei es ein Problem, dass Trafiken nicht mehr exklusiv das Lottogeschäft betreiben. Ein kleiner Lichtblick sei die im Parlament kürzlich beschlossene geringfügige Erhöhung der Handelsspanne für Tabakwaren - wenn das allgemeine Rauchverbot 2018 komme, würde dies aber auch nicht viel helfen.

Dass Rauchen nicht gesund ist, wisse ohnehin jeder, sagt Walter. Aber Hunderte andere, erlaubte Sachen seien auch nicht gesund, gibt der Trafikanten-Vertreter zu bedenken. "Mindestens gleich viele Menschen erkranken oder sterben an falscher Ernährung wie am Rauchen. Wenn jemand jeden Tag mehrere Energydrinks und zuckerhaltige Getränke sowie Unmengen von Alkohol trinkt oder ausschließlich Fast Food zu sich nimmt, ist das auch nicht gesund. Wenn ich jeden Tag nur Fleisch esse, bekomme ich Gicht. Aber davon spricht keiner."

Es sei immer das Maß, worauf es ankomme - bei der Ernährung wie auch beim Rauchen. "Die Leute müssen selber entscheiden, was sie tun. Wenn wir uns alles gefallen lassen, bekommen wir bald auch vorgeschrieben, was wir essen und trinken sollen." Würde man alles verbieten, was gefährlich sei, so wären auch riskante Sportarten betroffen: "Wie viele Leute verletzen sich oder sterben gar bei Freizeitaktivitäten wie Schifahren, Radfahren oder Skatebordfahren?", fragt er. Erst unlängst sei er in einem Unfallkrankenhaus gewesen, wo es vor verletzten Sportlern nur so gewimmelt habe.

 Dialog statt Hetze gegen Raucher

Überhaupt habe die Dauerkampagne gegen die Raucher der vergangenen zehn, 15 Jahre Schlimmes angerichtet: "Früher hatte man als Trafikant in der Gesellschaft einen Stellenwert, heute wird man schief angeschaut", so Walter. Er fordert die Politik auf, ihrer Pflicht nachzukommen und für die Menschen zu arbeiten. "Man soll mit der Hetze gegen Raucher aufhören, sich zusammensetzen und vernünftig argumentieren."

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