"Ich scheue mich nicht davor, jemanden in den Arsch zu treten"

Foto: Linda Dziacek

Steffi Werger gehört zu den öster-reichischen Ausnahmetalenten der Musikszene. Aktuell hat die Grande Dame des Austropop eine neues Buch herausgebracht und ist mit ihrem Kabarett unterwegs. alles roger? sprach mit ihr übers Kochen, Musik und One-Night-Stands.

Interview: Roland Hofbauer

Gibt es in der heutigen Zeit überhaupt noch viel zu lachen?
Ich bin mir nicht sicher, ob es in früheren Zeiten so viel mehr zu lachen gab. In jungen Jahren lacht man wohl mehr, weil man den ernsten Dingen noch nicht so eindringlich auf den Grund geht. Ja, ich kann noch über vieles lachen, vor allem mit meinem Mann - sogar beim Frühstück, wenn er die Zeitung und den Teletext bereits gelesen hat und mit mir über so manchen Schwachsinn schmunzelt. Gott sei Dank kann ich sogar noch über mich selbst lachen.

Ihre Lieder waren immer der reinste Gefühlsausbruch, egal ob laut oder leise. Wie sehr hat die Seele schon leiden müssen, um solche Texte schreiben zu können?
Man muss nicht immer mit seiner eigenen Seele leiden, um tief gehende Texte zu schreiben. Es genügt oft eine gewisse Beobachtungsgabe - das Sich-einfühlen-Können in Menschen, denen es nicht so gut geht. Ich denke fast täglich mit großer Sorge an die Brutalität, die in letzter Zeit immer mehr um sich greift. Kein Tag, an dem niemand in diesem Land abgestochen oder regelrecht hingerichtet wird. Wenn ich das nicht manchmal auszublenden versuche, fällt mir gar nichts Lustiges mehr ein.

Allen Unkenrufen zum Trotz sind Sie seit mehr als zehn Jahren glücklich verheiratet. Was ist das Geheimnis einer erfolgreichen Beziehung?

Mein Mann und ich haben fünf Jahre gewartet, bis wir uns "getraut" haben. So konnten wir lernen, nicht nur unsere Stärken, sondern auch unsere Schwächen offenzulegen und eine gute Vertrauensbasis zu finden. Am Anfang ist die Liebe immer mit Atemlosigkeit und glücklicher Aufregung behaftet. Wichtiger ist jedoch, dass man nach dem großen Feuer eine Glut erhalten kann, die immer wieder wärmt und kleinere Feuer neu entfacht. Klingt kitschig, gell? Ist es auch, owa scheeee!

Wie wichtig ist Sex, und worauf kommt es bei einem guten Liebhaber an?
In meinen wilden Jahren gab es auch den einen oder anderen One-Night-Stand. Wirklich glücklich war ich nie damit, weil das eher mit kurzfristiger Gier zu tun hat. In einer funktionierenden Beziehung kann man - mit etwas Gespür - immer besser aufeinander eingehen. Das "wie oft" oder "wie lange" war für mich immer sekundär.

Wie sehen Sie die österreichische Politik, und was würden Sie tun, wenn Sie, sagen wir einmal, Kaiserin von Österreich wären?
Wäre ich "Kaiserin von Österreich" (was mir ehrlich gesagt viel zu anstrengend wäre), würde ich mit allen Mitteln versuchen, jegliche Machtgeilheit zu unterbinden, mit der so viele Wahnsinnige über ehrliche, fleißige Menschen drübersteigen. Und: Ich würde die besten Köche des Landes bei Hofe kochen lassen und dem darbenden Volk nicht bloß die Knochen hinschmeißen, sondern es bestmöglich verwöhnen. Das schafft Freude und weitgehend Frieden.

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Obwohl Sie auch den Ruf einer Grantlerin haben, lieben Sie die Menschen für Ihre gerade, ehrliche Art. Wie wichtig ist Ehrlichkeit, und wo findet man überhaupt noch Aufrichtigkeit?
Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind mir und meinem geliebten Karl-Heinz überaus wichtig. Fehler sind menschlich und meist auch verzeihlich, daher muss man darüber geradeheraus reden können, sonst lebt man mit einem Fremden zusammen und bleibt sich selber nicht ganz koscher. Aber "geflunkert" habe ich auch schon öfter. Ich bin ja keine Heilige. Schon deshalb nicht, weil ich fast immer sage, was ich denke, auch wenn es nicht zwingend angebracht wäre. Ich kann ziemlich undamenhaft fluchen und scheue mich auch nicht davor, jemanden in den Arsch zu treten, der er nötig hat. Mit dem Bücken und Schleimen hab ich es nicht so, obwohl ich trotz allem ganz schön lieb sein kann.

Wer Sie kennt, weiß, Ihre Kochkünste sind zum Niederknien. Würde es Sie reizen, eine Kochsendung zu moderieren oder in der Jury zu sitzen?

Meine Kochkünste sind okay, aber nicht sonderlich überragend. Ich koche nicht mehr ganz so gerne wie früher. Deshalb hat mein Mann, der nichts isst, was fliegt oder schwimmt, schon frühzeitig gelernt, sich selber was zu machen, wenn mir gerade nach Fisch, Gansl oder nach sauren Nierndln ist. Da bin ich etwas unflexibel. Dafür verwöhnt mich mein Liebster täglich mit einem köstlichen Frühstück und nimmt auf meine Vorlieben Rücksicht - in jeder Hinsicht! Kochsendungen möchte ich nicht unbedingt moderieren, - auch nicht in der Jury sitzen, weil heute in TV-Sendungen unter viel zu hohem Zeitdruck gekocht werden muss und die Muse zum Kochen auf diese Weise verloren geht. Beim Kochen muss man riechen, schmecken, gustieren und komponieren. Hennsler & Co machen mich nervös.

Wohin geht die berufliche Reise, was steht als Nächstes auf dem Plan und wird es noch ein Werger-Album geben?
Ich habe ein sehr dichtes und arbeitsames Jahr hinter mir und werde mir - bis auf sehr wenige Ausnahmen - eine längere Auszeit gönnen. Kreativität entsteht, was mich betrifft, nicht im Stress, sondern durch Einkehr und Innehalten. Das hatte ich in letzter Zeit so gut wie nie. Auch Urlaub gab es keinen, da wir umgezogen sind. Was es in weiterer Sicht noch von mir geben wird, weiß ich selber nicht. Das Schöne an meinem Alter ist: Ich muss nichts mehr müssen. Es wird schon wieder einmal was kommen, möglicherweise noch vor meinem Nachruf.

Wo sehen Sie die österreichische Musikszene generell und was sagen Sie zu Anfeindungen von Ostbahn Kurti und Kollegen gegen Andreas Gabalier?
Der österreichischen Musikszene geht es offenbar gut, vor allem jener Szene, die es geschafft hat, ihr Publikum in die reiferen Jahre mitzunehmen. Was Gabalier betrifft, dürfte mir was entgangen sein.

Wenn Sie Ihr Leben mit fünf Sätzen zusammenfassen müssten, wie würden diese lauten?

Mein Leben in fünf Sätzen? So oberflächlich kann ich mein Leben nicht beschreiben. Da sollen sich bittschön andere den Kopf darüber zerbrechen! Aber ich hätte einen guten Lesetipp für ein hochaktuelles Buch, in dem jede Menge Leben von mir steckt: Als ich auszog,
berühmt zu werden. Autorin: Stefanie Werger.

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