Inside Irrenhaus

Foto: 123rf

Viele Gerüchte und Mythen gibt es über eine Einlieferung in eine österreichische Irrenanstalt oder eine psychiatrische Klinik. alles roger? wollte es einmal ganz genau wissen und hat sich in eine Klinik über Nacht einliefern lassen. Aus rechtlichen Gründen werden wir den Namen der Klinik nicht veröffentlichen, da es sonst eine Klage wegen Erschleichens von medizinischen Dienstleistungen geben könnte. Dennoch war unser Insiderbericht eine ganz neue Erfahrung, sowohl eine gute als auch eine schlechte.

Text: Roland Hofbauer

Stellen sie sich einmal vor ihr Leben gerät absolut aus den Fugen, sie verlieren ihren Job, ihre Familie zerbricht und sie verfallen dem Alkohol. Irgendwann sieht man dann kein Licht mehr am Ende des Tunnels und man beginnt über Selbstmord nachzudenken. In genau diese Stimmung habe ich mich gebracht, bevor ich mich in diesem Monat selbst in eine Anstalt eingeliefert habe. Den emotionalen Zustand konnte ich natürlich nur simulieren, aber dafür hatte ich die berufliche Freigabe, mich bereits gegen Mittag ordentlich zu besaufen. Von einem Freund ließ ich mich also lallend in ein bekanntes Spital bringen, welches über eine sehr renommierte Psychiatrie verfügt.

Er begleitete mich zur Aufnahme und nach ein paar "Ich will nicht mehr leben, das hat alles keinen Sinn mehr" und ähnlichen Sprüchen wurde ich ohne große Bürokratie aufgenommen. Ein Pfleger brachte mich in eine eigene Abteilung, er hielt mich nicht grob, aber bestimmt am linken Arm und sagte ganz ruhig: "Machst mir eh keine Schwierigkeiten, gell. Das wollen wir sicher beide nicht und du bekommst hier eh Hilfe." Die Ärztin die uns begleitete meinte nur: "Nein, der ist nicht aggressiv, nur verzweifelt. Man brachte mich in einen Raum mit vier Betten, aktuell dürfte aber keines besetzt gewesen sein. Man bat mich, meine Sachen auszuziehen, ich gab alles ab, nur das Handy versteckte ich in der Matratze des Bettes gegenüber. Dann kam der Pfleger und durchsuchte mich kurz, hier wurde aber eher nach scharfen Gegenständen oder Drogen gesucht, ob ich ein Telefon dabeihabe, wurde ich gar nicht gefragt.

Danach wird mein Alkoholspiegel gemessen und ich schaffe es doch glatt auf 1,6 Promille, da sieht man, was man alles für seinen Job tut. Ich bekomme eine Infusion und man sagt mir, dass ein Arzt nach mir sehen wird. Die Tür bleibt eigenartigerweise offen, aber die Fenster sind vergittert. Ich versuche gelegentlich mit dem Pfleger, der ab und zu vorbeischleicht, ein Gespräch zu beginnen, aber dank meines Alkoholpegels und des Lallens werde ich nur mit einem: "Alles ist gut, schlaf ein bisserl" abgewürgt. Ich schlafe dann wirklich ein bisschen ein und so nach zwei Stunden werde ich von einer netten Stimme geweckt: "Nicht erschrecken, ich bin Ihre behandelnde Ärztin. Sind Sie schon so weit, wollen Sie sich ein bisschen unterhalten?" Natürlich bin ich so weit, deswegen bin ich ja hier. Wir gehen in kein Extrazimmer wie erwartet, sondern die Ärztin sitzt auf dem Bett gegenüber. Ich denke mir nur: Hoffentlich findet sie mein Telefon nicht, aber nichts dergleichen. Sie beginnt ganz freundlich und leise zu sprechen und ich erzähle eben über mein schweres Schicksal und meine Verzweiflung.

Ich denke kurz darüber nach, dass es eigentlich ungewöhnlich ist, das hier niemand steht um einzugreifen falls ich aggressiv werde. Ich erhebe kurz meine Stimme und eine Sekunde später steht ein Schrank von einem Pfleger/Sicherheitstyp im Raum und will wissen, ob alles in Ordnung ist. Natürlich ist es das und der Typ verschwindet wieder nach draußen. Das Gespräch ist wirklich erleichternd, ich erzähle natürlich nicht zu extrem, denn ich möchte ja nicht zwangseingewiesen werden. Die Dame ist so gut, fast hätte ich ihr gesagt das ich ein Schwindler bin. Aber das mache ich nicht und ich werde auf die Nacht eingestellt. Ich bekomme zwei Tabletten, den Namen haben ich mir leider nicht gemerkt, mit denen ich besser schlafen soll. Ich nehme die Pulver, behalte sie aber unter der Zunge. Als ich wieder alleine bin, möchte ich mich ein wenig umsehen. Ich schleiche also durch einen Gang, kann aber nichts entdecken außer einem Zimmer, in dem anscheinend die argen Fälle am Bett fixiert werden. Es ist aber leer. Auf dem Gang liegt in einem Gitterbett ein Mann, der sich anscheinend in seine Sachen erleichtert hat, es stinkt nach Urin. Da kommt ein Pflegerduo und fragt, was ich denn hier will. Ich stammle, dass ich das WC suche und die zwei lachen mich aus mit den Worten: "Das ist in deinem Zimmer, du solltest echt weniger trinken." Sie begleiten mich zurück aufs Zimmer und nun wird die Türe zugemacht und ich versuche zu schlafen. Erst jetzt merke ich, wie ruhig es hier eigentlich ist, aber das soll sich im Laufe der Nacht ändern, denn der Bewusstlose im Gitterbett ist wach geworden und schreit in einer Tour. Er schreit aber nicht, weil ihm irgendwer wehtut, sondern wegen des Entzugs fordert er Alkohol. Und das gefühlte zehn Stunden ohne zu pausieren. Jetzt bekommt das Ganze eine Horrorfilm-Atmosphäre.

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Irgendwann beginnen dann die Schlafpulver zu wirken und ich wache erst am späten Vormittag des nächsten Tages auf. Nun möchte ich mich noch einmal umsehen, aber es herrscht Hochbetrieb. Ich bitte um ein weiteres Gespräch mit der Ärztin, doch ich werde vertröstet. Nach einigen Diskussionen kann ich mich am frühen Nachmittag selber entlassen und bin echt froh darüber.

Fazit: Hier wird jeder aufgenommen, der augenscheinlich Hilfe braucht. Es gibt keine Gewalt vom Personal ausgehend, solange man sich halbwegs ordentlich benimmt. In der Klinik gibt es keine Schmerzensschreie, wie von vielen Anrainern kommuniziert, sondern allenfalls nach Alkohol brüllende Alkoholiker. Wie es ist, wenn man sich da drin danebenbenimmt und man fixiert und niedergespritzt wird, wird alles roger? bei der nächsten Reportage berichten. 

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