Ich bin kein Motherfucker

Foto: beigestellt

Fuck! Wo ist nur dieses Wort, das doch einen guten Rap ausmacht. Oder vielleicht auch nicht. Denn der österreichische Rapper Dame kommt ganz ohne aus. Dennoch bricht der Internet-Star mit seinen Songs Weltrekorde. Mittlerweile ist er auch auf der Bühne und im Radio daheim. Plattenverträge mit Sony und Universal lehnte er aber ab. alles roger? verriet er warum. Text: Martina Bauer

 

Von 0 auf 100.000 in 24 Stunden. Zehn Tage später waren es auf Youtube bereits über eine halbe Million Klicks. Das schaffte Dame mit seiner kürzlich erschienen Single Low Life. Ein Auszug aus dem Album Straßenmusikant, das der Salzburger seinen Wurzeln gewidmet hat. Denn vor zehn Jahren, also mit 16, stand er mit seiner Gitarre in der Getreidegasse und sang den Passanten alle möglichen Lieder vor.

Damals wie heute ging und geht es dem 26-Jährigen aber um die Leidenschaft für die Musik. Davon kann Dame mittlerweile gut leben, aber Antrieb war das Geld nie.

Gut dotierte Plattenverträge von Sony und Universal hat der Querdenker abgelehnt.

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"Ich bin nicht käuflich. Die wollten meine Musik verändern. Das geht aber nicht. Ich will mich nicht verbiegen und einfach das machen, was mir gefällt. Kritik nehme ich mir zu Herzen, aber ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich veröffentlichen soll", verrät Dame im Gespräch mit alles roger?.

Sein mittlerweile fünftes Album erschien Anfang September, so wie die anderen auch, im eigenen Label Damestream Records. Dadurch fehlt ihm zwar die Lobby für die begehrten Musikpreise, aber das ist Dame auch egal. "Die Awards gehen meistens an jene mit Plattenverträgen, aber ich mache meine Musik sowieso für Menschen und nicht für Preise", sagt der leidenschaftliche Textschreiber.

Frei nach dem Motto "Schreiben als Therapie" begann er schon früh mit dem Verfassen von Gedichten und Texten. "Das hat mir das Leben erleichtert", sagt er. Wie das halt so ist mit 14. Da gibt's viel, was man sich von der Seele schreiben muss. Damals war er Schüler des musischen Gymnasiums in Salzburg, spielte Gitarre und Klavier und hörte ständig durch die Wände des Nachbarn Musik. Er war es, der den Jugendlichen mit dem Hip-Hop-Virus infizierte, und irgendwie nistete sich der chronisch ein.

Der Weg schien vorgezeichnet. Die Kombination aus ehrlichen Texten, Gedichten und Musik war einfach feinster Hip-Hop. Aus purer Leidenschaft entstand ein Werk nach dem anderen. So ganz neben seiner Konditor-Lehre und Ausbildung zum Koch. Dass er die richtigen Zutaten und das perfekte Mischverhältnis für eine erfolgreiche Musikerkarriere gefunden hatte, war ihm damals nicht bewusst.

"Das Tun kommt aus dem Sein allein" hat schon ein anderer Wortgewaltiger gesungen, und genauso war es auch bei Dame, den die Freunde drängten, seine Musik bei YouTube einzustellen. Vor sieben Jahren stellte er eine Nummer ins Netz. Für die gab es rund 1.000 Klicks, was als epochaler Erfolg gewertet und gefeiert wurde.

"Damit hatte ich eine Mega-Freude. Ganz ehrlich! Aber es kam noch viel besser. Weil ich Computerspiele so mag, war es naheliegend, dass ich dazu auch Songs schreibe. Meine Freunde warnten mich, dass ich da leicht in die Ecke der Nerds rutschen könnte, aber als der Song 12 Millionen auf YouTube eine Million Klicks hatte, waren diese Befürchtungen wie weggeblasen", so Dame, der die Nummer dem Spiel World of Warcraft widmete, das damals genau zwölf Millionen Spieler hatte. Ein weiterer Spiele-Song, nämlich Pave Low, ging dann richtig durch die Decke. Mittlerweile hat er die 25-Millionen-Klicks-Marke durchbrochen und ist damit weltweit der meistgeklickte Spielesong. Und das, obwohl er auf Deutsch gesungen ist.

Nerd wurde er trotzdem keiner. Ganz im Gegenteil. Michael Zöttl, wie er wirklich heißt, ist ein zeit- und sozialkritischer Mensch, der sich viel mit dem Leben und dem Bewusstsein dafür auseinandersetzt. Das spiegeln auch seine Texte wider. Von Exzessen und Gewaltausdrücken hält er nicht viel. Skandale sucht man bei dem gelernten Koch und Konditor ebenso vergeblich wie Ecken und Kanten. Sorgen um seine Rapper-Karriere aufgrund des nicht vorhandenen einschlägigen Images macht er sich dennoch keine.

"Ich schreibe meine Texte und mache meine Musik. Solange es meinen Fans gefällt und ich davon leben kann, ist das gut. Wenn nicht, kann ich noch immer als Konditor oder Koch arbeiten", ist Dame voll gechillt. "Ruhe ist mir wichtig", erklärt Zöttl, der ein leidenschaftlicher Fischer ist. Außerdem spielt er Tischtennis und Bowling. Zu Hause steht er oft hinterm Herd, weil er gerne kocht und backt. Die Freundin, die gleichzeitig seine Buchhalterin ist, ein junger Hund und die von der Oma übernommene kleine Wohnung im Salzburger Zentrum runden das Bild des Biedermannes ab. Und das ist für einen Rapper irgendwie so schräg, dass es schon wieder geil ist. Dame ist einfach Dame und kein

Motherfucker. Die Szene hat das so akzeptiert.

Die "Straßenmusikanten"-Tour wird ihn von 24. November bis 18. Dezember nicht nur durch Österreichs Hauptstädte, sondern auch nach Berlin, Hamburg, Köln, München, andere deutsche Städte, Zürich und Luxemburg führen. Das ist wirklich krass für den Selfmade-Rapper, der mit seiner Kopfstimme sogar die Chöre selbst singt. Nur für die Musik hat er einen Partner, der auch

Inhaber des Late Hour Studios ist. Die Fans wissen die Arbeit des Duos zu schätzen. Das letzte Album stieg in die österreichischen Charts auf Platz eins ein, in Deutschland war es unter den Top 10.

Und auch Straßenmusikant stieg in den österreichischen Album-Charts auf Platz eins ein, in Deutschland landete es auf Anhieb auf Rang fünf.

Dass es dem Erfolg guttun kann, wenn man völlig unangepasst sein Ding durchzieht, das hat schon mal ein Musiker aus Salzburg bewiesen. Wenngleich Mozart seine Lorbeeren nicht mehr selbst ernten konnte ... Dame, der seinen Künstlernamen in Anlehnung an die Schachfigur gewählt hat, ist diesbezüglich schon mal glücklicher. Er setzt die Konkurrenz einfach schachmatt! 

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