Rick'n'Roll

Foto: beigestellt

Rick Astley hat sich in den 80ern mit dem Mega-Hit Never gonna give you up ins Gehör der Pop-Fans gesungen. Drei Jahrzehnte später startet er mit seinem neuen Album 50 durch. alles roger? hat den flotten Briten zum Interview gebeten.


Interview: Lauren Seywald

Gratuliere zum neuen Album. Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren wieder im Rampenlicht zu stehen?
Etwas komisch, um ehrlich zu sein. Der große Anklang war eine Überraschung. 50 ist Nummer eins in den britischen Charts. Damit habe ich nicht gerechnet. Das Album sollte mehr ein Geschenk von mir an mich sein, für meinen 50. Geburtstag. Auch den Fans wollte ich eine Freude machen. Man hört es ja immer: Rick, wann kommt das neue Album? Nun, hier ist es.

Die Hoffnung an alte Erfolge anzuknüpfen gab es also nicht?
Nein. So etwas ist unmöglich. Tut auch keiner. Natürlich gibt es einen gewissen Druck, wenn das Album auf den Markt kommt. Man schaut sich die Zahlen an, aber das war nicht wirklich wichtig. Ich mache so oder so Musik. In meinem kleinen Studio hinter meinem Haus.

"Never gonna give you up" war Nummer eins in vielen Ländern. Wie war es, von einem Tag auf den anderen berühmt zu sein?
Ganz ehrlich, das kann keiner nachvollziehen, wenn man es nicht selber erlebt hat. Ich war damals 21 Jahre alt. In fremden Ländern kannten die Menschen meinen Namen, bevor ich gelandet war. Länder, in denen ich noch nie zuvor war, geht man die Straßen runter, und die Leute wollen Fotos mit dir machen und eine Unterschrift haben. Das ist eine Alien-Situation. Als hätte jemand in einem Paralleluniversum alles geleistet und du siehst nur die Ergebnisse.

Klingt schräg.
Ist es auch. Die Menschen schauen zu dir auf. Sehen nur die Berühmtheit. Aber sie vergessen, dass man nur ein normaler Mensch ist. Der mit seinen 20 Jahren genau so durchdreht, wie die kreischenden Fans. Aber man kann es nicht aufhalten. So funktioniert das nicht. Es macht Boom, und dann steht man da, gerade noch die Schulbank gedrückt und in einer kleinen Band gespielt, singt man plötzlich auf den Bühnen dieser Welt.

Kennen Sie Rickrolling? Ist das ein Grund für ihren Erfolg? Und wurden Sie schon mal Opfer dieses Streiches?
Ja, klar kenne ich das. Ganz am Anfang des Phänomens hat mich ein guter Freund aus Amerika "gerickrolled". Ich hatte keine Ahnung, bis er mich aufgeklärt hat. Vorher dachte ich nur, was für ein Idiot. Lange Zeit war das ein großes Ding im Internet. Es hat zwar wenig mit mir zu tun, aber das ist wohl gerade das Schöne. Menschen haben mich und den Song Never gonna give you up dadurch nicht vergessen. Wurden daran erinnert, dass ich noch nicht gestorben bin. (lacht) Aber das ist kein Grund, dass eine Person in den Laden geht und sich das neue Album kauft.

Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?
Ich wurde Vater und hatte dank des großen Erfolgs die Möglichkeit für mein Kind da zu sein. Das war wirklich ein großes Glück, Zeit zu haben. Und sonst war ich natürlich im Studio. Habe auch für andere produziert, aber das ist nicht so mein Ding. Die eigene Musik zu machen, ist einfach ganz was anderes.

Was ist der Unterschied?
Der Prozess und die Technik. Wer einen Hit schreiben will, geht an die Sache anders heran. Das ist auch ein anderes Talent. Zum Beispiel Never gonna give you up war nicht von mir. Das ist bei 50 anders. Ich habe alles selber geschrieben, gespielt und produziert. Du weißt, wie und warum du das Ganze machst. Hast ein Verlangen in dir. Das sind nicht diese leichten Pop-Songs. Ich komme dafür auch nicht mehr in die Hit-Single-Charts. Da ist der Älteste auch Justin Timberlake. Aber damit kann ich gut leben.
Wer in meinem Alter in die Radio One Charts will, hat
zwei Möglichkeiten. Entweder remixed ein DJ deinen Song, oder Taylor Swift kommt her und sagt: "Ich liebe Rick. Er ist zwar alt genug, um mein
Onkel zu sein, aber er ist toll. Und ich möchte einen Song mit ihm aufnehmen." Dann würde ich in diese Charts kommen. Das ist der einzige Weg. (lacht)

Wie hat sich die Musik-Industrie Ihrer Meinung nach verändert?
Durch das Internet ist alles anders geworden. Nicht nur die Musik. Wobei es nicht die Musik an sich ist. Menschen lieben, hören und spielen Musik. Werden sie immer. Aber es ist das dazwischen, was sich verändert hat. Wie kommen die Leute heute zu ihren Songs. Kaufen sie das Album oder streamen sie es, zahlen sie für den Stream. Das ist das neue Geschäft. Die Technologie hat sich auch verändert. Ich habe mein Album alleine im Studio hinterm Haus produziert. Früher war das nicht so einfach. Da brauchte es ein ganzes Studium, um die Technik bedienen zu können. Heute geht alles über den Computer. Und man kann so lange Fehler machen, bis es sich gut anhört. Das war nicht immer so.
Sehr rasant haben sich die Verkaufszahlen minimiert. Meine Hits in den späten 80ern haben sich mehrere Hundert Mal am Tag verkauft. Das waren Millionen an Alben. Heute können das vielleicht noch 30 bis 50 Leute am Markt von sich behaupten. Das tut mir auch leid für die vielen Bands da draußen. Sich der Musik hingeben und gleichzeitig
seine Rechnungen zu bezahlen ist sehr schwierig. Dafür ist die Live-Musik stärker als je
zuvor. Das funktioniert immer irgendwie.

Zwischen diesen ganzen Pop-Sternchen, schätzen Menschen da Künstler wie Sie, die alles selber produzieren und Musik lieben?
Ich glaube, das interessiert die Mehrheit nicht wirklich. Entweder sie mögen die Musik oder nicht. Es ist nicht wichtig, ob das jetzt vier Affen produziert haben. Es geht ums Gefallen. Allerdings sehe ich auch andere Beispiele. Menschen, die sagen: Wow, du hast das echt alles selber gemacht. Das schätzt doch eine Handvoll. Ich habe mir damit einen Traum erfüllt.

Wie schaut ein gewöhnlicher Tag bei Ihnen aus?
Nach dem ganzen Trubel um das neue Album weiß ich gerade nicht, was das bedeutet. Aber umso glücklicher bin ich, heute nach dem Interview, zu meinem Boot an der Themse runter zu gehen und es ein bisschen putzen zu können. Ich habe verschiedene Boote am Fluss - große, kleine, offene, welche zum Schlafen. Ein Hobby von mir. Später schnappe ich mir eins und fahre mit meiner Frau und ein paar Freunden die Themse runter. Dann suchen wir uns ein Pub, bestellen ein paar Bier und quatschen eine Runde.

Und wie stehen Sie zu Brexit?
Das ist alles so verwirrend. Ich glaube keiner weiß genau, was da gerade abgeht. Besonders die Politik nicht. Auf beiden Seiten, Labors und Conservatives, treten alle zurück. Weil keiner den Job übernehmen will. Sie sagen: "Ah, ich gehe dann mal, du kümmerst dich jetzt sicher darum." Ich weiß nicht, was da jetzt passiert. Ich finde schade, dass die anderen europäischen Länder jetzt schlecht von uns denken. Alle glauben, die Engländer wollen kein Teil von Europa sein und hassen es. Aber das sehe ich nicht so. Am Ende geht es mehr um die britische Politik als um das eigentliche Thema.

Was sind die nächsten Pläne? Kommen sie nach Österreich?
Ja, wir wollen durch ganz Europa touren. Es braucht jetzt viel Promotion, um das neue Album an die Leute zu bringen. Das ist mir wirklich wichtig. Damit man nicht nur die alten, sondern auch die neuen Lieder hören will. Aber ich freu mich darauf. Mit den Auftritten fangen wir dann Ende des Jahres an, denke ich.

Großartig. Viel Erfolg und einen schönen Abend im Pub.

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