Der Untergang des europäischen Imperiums

Foto: 123rf
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Die Geschichte Europas sah eine Anzahl von Reichen entstehen und untergehen. Der Historiker Helmut Neuhold zeigt anhand der EU auf, dass die Machthaber aus der Geschichte offensichtlich nichts gelernt haben.


Das Römische Imperium, das Byzantinische Reich und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation: Diese Reiche bestanden jeweils etwa 1.000 Jahre, bevor sie untergingen. Andere hingegen entstanden rasch und verschwanden nach wenigen Jahren oder bestenfalls Jahrzehnten wie das Reich Napoleons, das Reich Bismarcks und das sogenannte Dritte Reich Hitlers.

Wir leben nun in einem politischen Gebilde, das sich meist nicht als Reich definiert, aber sich dennoch gewisse imperiale Züge anmaßt: Die Europäische Union. Diese stellt als Reich historisch ein Unikum dar, unter anderem deshalb, weil sie nicht von einem Herrscher, sondern von einer Oligarchie regiert wird. Alle wirklich großen Reiche haben Niederlagen erlitten und sind daran gewachsen, da letztlich ihre Erfolge die Niederlagen aufwogen. Die Außenpolitik der Europäischen Union hingegen ist eine einzige Abfolge von Fehlentscheidungen und Niederlagen, ohne Hoffnung auf Besserung - siehe zum Beispiel die Sanktionen gegen Russland. Die Macht der oligarchisch-bürokratischen EU-Zentrale dient vor allem dazu, die eigenen Bürger unter Druck zu setzen und zu disziplinieren.

Beeinflussung von außen

Es gab schon einmal in Europa ein Reich, das die meiste Zeit seiner Existenz eine leere, machtlose Hülle war und dennoch scheinbar tausend Jahre bestand. Es war dies das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation", welches weder heilig noch römisch, sondern vorwiegend deutsch war. Da gab es einen Kaiser, der seine Würde vom Papst in Rom erhielt und der in erster Linie ein deutscher König war. Allerdings einer, der von den Fürsten gewählt wurde. Ohne die Fürsten ging gar nichts. Und diese wurden von außen beeinflusst, zuerst von Rom, dann von Schweden sowie anderen Mächten und später von Frankreich. Heute sind es die USA, welche die "europäischen Fürsten" massiv beeinflussen (siehe Kasten).

Keinem Herrscher des Heiligen Römischen Reiches gelang es, dieses wirklich völlig unter Kontrolle zu bekommen. Immer musste er Kompromisse mit den Fürsten schließen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Reich nur mehr eine völlig machtlose Hülle, in der jeder Territorialfürst machte was er wollte, und der Kaiser sich nur mehr auf seine "Erblande" stützen konnte. Aber man hielt den Schein der Reichsidee aufrecht - bis ein korsischer Eroberer namens Napoleon kam und innerhalb kurzer Zeit alles zertrümmerte.

Der Versuch, beim Wiener Kongress ein Nachfolgegebilde des Reiches in Form eines Deutschen Bundes zu installieren, erschien zunächst erfolgreich, doch war auch diesem Gebilde keine lange Lebensdauer beschieden. Genauso wie dem "Vielvölkerstaat" der Habsburger, der von Anfang an ein historisches Relikt darstellte und zwangsläufig scheitern musste, als das Nationalbewusstsein der einzelnen Völker wirklich zum Tragen kam. Chaos und Segregation waren die Folgen all dieser Vereinigungsexperimente von Völkern und Territorien, die nicht zusammengehören wollten.

Einwanderung und abgehobene Herrscher

Reiche scheiterten meistens an einer Reihe von Faktoren. Dabei wären zum Beispiel die immer weiter vorangetriebene Ausdehnung (siehe Osterweiterung der EU), das Eindringen von absolut fremden Völkern und Kulturen (siehe Völkerwanderung bei den Römern oder die Asylpolitik der EU) sowie die innere Desintegration und die Abgehobenheit der Herrschenden zu erwähnen. Reiche haben auch immer nur eine begrenzte Kapazität zur Assimilation und Integration fremder Einflüsse. Wenn die herrschende Elite die nötige Bodenhaftung verliert und vergisst, dass der wirklich entscheidende Faktor das Wohlergehen der Bevölkerung und der innere Friede ist, dann ist der Untergang gewissermaßen vorprogrammiert.

Das "Europäische Imperium" in Form der Europäischen Union wurde von einer Führungsschicht ins Leben gerufen, die von Anfang an nichts Besseres zu tun hatte, als alle möglichen Fehler bei der Konstruktion eines großen staatlichen Zusammenschlusses zu begehen, die bereits andere zuvor begangen hatten. Es wurde ein überdimensionierter bürokratischer Apparat installiert, der in erster Linie dazu dient, die eigene Klientel mit Posten und Pfründen zu versorgen. Diese Leute hatten dann nichts Besseres zu tun, als den gesamten Organismus durch eine erdrückende Vielzahl sinnloser Verordnungen zu behindern, ohne sich jemals mit den wirklich bedeutenden Problemen auseinanderzusetzen.

EU nicht reformierbar

Damit war das Scheitern auch vorprogrammiert. Letztlich ist dieses Gebilde nicht reformierbar, da man die gesamte "Elite" austauschen müsste, was aber auch das Projekt insgesamt zu Fall bringen würde. Mit der Nomenklatura in Brüssel, die keinerlei demokratische Legitimation hat, wird niemals ein "Einheitsstaat" und nicht einmal eine wirklich Union zu machen sein - was ohnehin sehr viele Österreicher ablehnen. Stattdessen wird man es bis zum Untergang dieser Institution mit einem "tönernen Riesen" zu tun haben, der sich selbst im Wege steht und letztlich als Gesamtheit viel weniger erfolgreich sein kann als die Summe seiner Bestandteile.

Das Gegenteil von dem, was von den Eurokraten und ihren Handlangern in den Medien verheißen wurde, ist derzeit der Fall: Statt zusammenzuwachsen, strebt alles auseinander. Statt Europabewusstsein feiert das nationale Bewusstsein seine Auferstehung. Statt einheitlicher Politik verfolgen die meisten Staaten einen immer eigenständigeren Kurs. Alle Intentionen der "Weisen" in Brüssel laufen genau ins Gegenteil. Die Idee, durch eine gemeinsame Währung das zusammenzufügen, was nicht zusammengehört, zeigt schlimme Auswirkungen, die wahrscheinlich bald noch schlimmer werden.

Wiederholt sich die Geschichte?

Das Römische Reich ist an seiner "Integrationspolitik" gescheitert, es wurde von Horden von kulturfremden Barbaren, die man ins Reich hineinließ, zuerst innerlich geschwächt und dann zerstört. Die alten Römer erkannten, dass eine Integration nicht funktionieren konnte, aber da war es schon zu spät. Letztlich musste man Schutzgeld zahlen, um somit den eigenen Untergang hinauszögern. Die Asylanteninvasion in die Europäische Union zeigt heute auf, dass man erstens aus der Geschichte nichts gelernt hat, und zweitens, dass sich historische Ereignisse oft wiederholen - doch zumeist als Groteske.

Die Machthaber in Brüssel und Angela Merkel in Berlin sind derzeit dabei, den Untergang des Römischen Imperiums im Zeitraffer zu wiederholen. Wie sagte der feine deutsche Humorist Loriot über die EU beziehungsweise ihre Vorgängerorganisationen: "Europa - das Ganze ist eine wunderbare Idee, aber das war der Kommunismus auch."

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