Folter ist längst nicht überwunden

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Eines der wesentlichen Übel, das sich quer durch die Geschichte der Menschheit zieht, ist jenes von Folter und Tortur. Das Quälen anderer Menschen zum Zwecke der "Wahrheitsfindung", zur Bestrafung oder auch aus sadistischer Lust findet sich in allen Zivilisationen und Zeitaltern - leider bis zum heutigen Tag.


Text: Helmut Neuhold 

Auch unser "modernes" Zeitalter ist nicht frei vom Übel der Folter, ganz im Gegenteil: Wir erleben derzeit eine Rückkehr zur Folter unter verschiedenen Vorzeichen, insbesondere was die Vereinigten Staaten von Amerika betrifft, die einst mit der Erklärung der Menschenrechte gegründet wurden.

War in den antiken Sklavenhalterstaaten die Folter schon Teil der gesellschaftlichen Ordnung und Disziplinierung, so erlebte die Tortur im Mittelalter und der frühen Neuzeit unter den Vorzeichen der christlichen Inquisition ihren traurigen Höhepunkt. Millionen Menschen jeden Alters und Geschlechts wurden von versierten Inquisitoren und Folterknechten aller Arten der "peinlichen Befragung" unterworfen, bis sie gestanden, mit dem Teufel im Bunde zu sein, nur um ihrer persönlichen Hölle auf Erden zu entkommen.

Fast ganz zurückgedrängt

Wurde die Folter schließlich im Zuge der Aufklärung zumindest in Europa im 18. Jahrhundert immer mehr zurückgedrängt, um im 19. Jahrhundert in zivilisierten Staaten nicht mehr als "salonfähig" zu gelten, so zeigte das 20. Jahrhundert, dass diese Entwicklung leicht umkehrbar war. Nun wurden in totalitären Regimen wieder Millionen Menschen schlimmsten Qualen unterworfen, um ihnen fragwürdige Geständnisse abzupressen, wobei wie bereits zu Zeiten der Inquisition meist genau das herauskam, was die Folterer hören wollten.

Die Geschichte der Folter ist trotz oder auch wegen ihrer Willkür, Grausamkeit und Brutalität ein faszinierendes und bewegendes Thema der Geschichtsschreibung. Wobei den Leser in der Regel Einzelschicksale mehr emotional ansprechen als überblicksmäßige Darstellungen. Das Phänomen Folter ist sicher eines, das kaum jemanden in der einen oder anderen Form "kaltlässt".

Afrika "Spitzenreiter"

Wir sollten nie vergessen, dass genau jetzt und in überraschend vielen Teilen unserer Welt Menschen in Gefängnissen, Verhörzimmern oder sonstigen Orten die schlimmsten Qualen erleiden, die ihnen die menschliche Würde und meistens auch die Gesundheit rauben - selbst wenn sie die Tortur überleben -, um aus ihnen Informationen herauszupressen, die als solche meistens nicht viel wert sind, oder auch nur, um sie zu bestrafen. Offensichtlich wird - zumindest laut Amnesty International - in immerhin 140 Staaten der Welt zumindest gelegentlich gefoltert. Afrika soll als Kontinent der Spitzenreiter sein. Der kollektive Wahnsinn, der von linken Euphorikern "Arabischer Frühling" genannt wurde, hat zu einem massiven Anstieg von Folterungen, die zudem immer brutaler werden, in den davon betroffenen Ländern geführt.

IS und USA

Während bei uns die veröffentlichte Meinung schon von "Polizeifolter" spricht, wenn ein gefasster aggressiver schwarzafrikanischer Drogendealer ein blaues Auge hat, werden jenseits des Mittelmeeres Menschen durch Arten der Tortur gequält, verstümmelt und langsam ermordet, die man nicht "mittelalterlich" nennen sollte, da sie jenes "dunkle Zeitalter" durch Raffinesse weit übertreffen. Jeder von uns ist in gewisser Weise traumatisiert durch die Bilder, die zeigen, wie die Kopfabschneider des IS Menschen rituell abschlachteten. Die davor stattfindenden Folterungen sind nicht auf Videoclips dokumentiert, aber sie haben natürlich stattgefunden. In den durch die Intervention der Amerikaner "gescheiterten Staaten" Irak, Syrien, Afghanistan und Libyen gilt die massenhafte Folter ganz ungeniert als bestes Mittel, um mit politischen und religiösen Feinden umzugehen. Im Gefängnis von Abu-Ghraib haben die US-Amerikaner nach der Irak-Invasion im Jahr 2003 gezeigt, dass sie sich zumindest bei der Folter den Sitten der von ihnen unterworfenen Völker anpassen können.

Während man mit den Formen mittelalterlicher Folterung, die zumeist schon auf die Antike zurückgehen, wie der Streckbank, Daumenschrauben, Würgeeisen oder der "Eisernen Jungfrau" als einigermaßen historisch Interessierter seltsam vertraut ist, sind "moderne" Formen der Tortur viel weniger bekannt. Durch Medienberichte können viele Menschen lediglich mit dem Begriff des "Waterboarding" - also dem simulierten Ertrinken - etwas anfangen. Kaum bekannt sind sehr verbreitete Formen der so genannten "Weißen Folter", bei denen es vordergründig keine Spuren gibt, die aber die Psyche der Opfer stark in Mitleidenschaft ziehen und oft schwer schädigen oder gar zerstören. In einigen "fortschrittlichen" Folterstaaten, zu denen insbesondere die USA zu rechnen sind, hat die Psychologie ihren Einzug gehalten.

Brutales Nordkorea

Andere Länder wie das offiziell noch immer kommunistische China und ganz besonders auch das realsozialistische Nordkorea setzen da mehr auf "Altbewährtes" wie das Verdrehen und Überdehnen von Gliedmaßen, Elektroschocks und das Zufügen von Verbrennungen. Wobei das Land, das nach Kambodscha unter Pol Pot dem Ideal des kommunistisch-marxistischen "Arbeiter- und Bauernparadieses" am nächsten kommt, also Nordkorea, da noch viel brutaler vorgeht als China. Hier wird die Folter zur Vernichtung der "Klassenfeinde" eingesetzt und es scheint keine Grenzen und Hemmungen zu geben.

Es gab einmal eine "gute alte Zeit", die noch gar nicht so lange her ist, als fortschrittsgläubige gute Menschen verkündeten, die Folter werde schon bald weltweit verschwinden, weil ja die Zeit von "Friede, Freude, Eierkuchen" anbrechen werde. Die Entwicklung geht jetzt in eine andere Richtung. Genauso wie bei der Renaissance völlig intoleranter Religionen taumelt der "Fortschritt" zurück in überwunden geglaubte Zeiten - leider offensichtlich auch im heute angeblich liberalen EU-Europa.

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