Nur noch zwei Minuten!?

Foto: Adobe Stock
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Vor Kurzem hat mich mein 14-jähriger Neffe angerufen: "Tante Gabriela, darf ich wieder mal ein Wochenende bei Euch sein?"


alles roger?-Kolumne von Gabriela Benesch

Ich habe mich riesig gefreut und sogleich einen Plan geschmiedet. Erster Abend: Hausaufgaben machen, Abendessen, Harry Potter schauen, am nächsten Morgen ausschlafen, gemütliches Frühstück, Waldspaziergang, Hausaufgaben Teil 2, Essen beim Sushi-Run und Kino-Besuch, am übernächsten Morgen Frühstücksbrunch auf dem Donau-Turm, Besuch bei der Ur-Omi, Nachmittagsvorstellung im Theater der Jugend und zu Hause Spieleabend. 

Guter Plan, oder?

Theoretisch schon, aber leider verbrachte er die meiste Zeit vor seinem Handy!

"Willst du nicht mal ein bisschen mit uns sprechen?" 

"Gleich. Noch zwei Minuten!"

Und weil man keine "fade Tante" sein will, lässt man zwei weitere Minuten ins Land ziehen.

Später, beim Sushi-Run immer noch am Handy!

"Was magst du essen, mein Schatz?"

"Ähm, gleich, nur noch zwei Minuten." 

"Die zwei Minuten sind seit zwanzig Minuten um!" 

"Ich kann jetzt nicht ausschalten, sonst muss ich das Game nochmals von vorne beginnen!" 

Vielleicht ist doch was dran an diesem Paradigmen-Wechsel des Bewusstseins, der laut Maya-Kalender im Jahr 2012 stattgefunden hat, denn zwei Minuten sind für meinen Neffen definitiv nicht das Gleiche wie für uns!

"Kann man mit dir vielleicht auch mal ein Gespräch führen?" 

"Ja, klar, worüber wollt ihr denn sprechen?" 

Ich gebe zu, es ist nicht die interessanteste Frage, aber ein altbewährter Einstieg: 

"Wie geht's dir denn so in der Schule?" 

"Eh gut! Hey, Mann! Jetzt hat mich der Scheißkerl erschossen und ich hab? nur noch ein Leben! Ich muss schnell ein Schutzschild bauen, sonst bin ich tot!"

Schließlich platzt meinem Liebsten der Kragen: "Schalt jetzt dieses Scheiß Ding aus, oder ich schmeiß es samt Schutzschild aus dem Fenster!" 

"Onkel, entspannt dich, hier gibt's keine Fenster, ist doch alles klimatisiert in der Lugner-City", grinst er und legt das Handy weg.

Im Kino schließlich wird mir klar, unser Neffe ist kein Sonderling, denn im ganzen Saal sitzen lauter erleuchtete Kindergesichter.

Wer ist eigentlich für diese ganze Misere verantwortlich - für diese weltumspannende Sucht nach virtueller Dauerkonsumation!

Alle reden von Gewalt an Kindern! 

Lehrer dürfen im Turnunterricht kein Kind mehr anfassen. Auf der Straße darf man kein Kind ansprechen. Die Kids werden aus Sicherheitsgründen mit SUVs in die Schulen gefahren und wieder abgeholt. Es wird alles dafür getan, dass unseren Küken nichts passiert, aber die milliardenschweren Telekomunikations-Konzerne dürfen ungestraft zur allgemeinen Verblödung, ja zur globalen Seelenverarmung, unserer Kinder beitragen!

Und wer hat dem Neffen seinen innigsten Wunsch erfüllt, und ihm das neueste iPhone gekauft? ICH!

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