Raucher, Trinker, Esser - Wer schadet dem Staat am meisten?

Foto: 123RF /  dolgachov
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Liest man täglich die Zeitung und sieht regelmäßig Nachrichten, hat man den Eindruck, es gibt derzeit nur ein Thema in Österreich: das Rauchen oder vielmehr das Nichtrauchen. Der Kampf um die saubere Luft ist allgegenwärtig. Doch unser Leben ist in besten Händen - in unseren. Wir brauchen keine Bevormundungspolitik.


alles roger?-Kolumne von Felix Baumgartner

Ob bei den Zigaretten oder beim Dieselauto, es herrscht dicke Luft, so weit das Auge reicht - oder besser: so weit die Nase riecht. Politiker, Ärzte und Aktivisten im Kampf um Österreichs Gesundheit. Ist diese Hysterie berechtigt oder nur eine gute Gelegenheit, mit der aktuellen Regierung abzurechnen?

Begeben wir uns auf eine Spurensuche.

Im Jahr werden in Österreich rund 1,8 Milliarden Euro aus der Tabaksteuer eingenommen. Pro Zigarettenschachtel beträgt der Steueranteil rund 78 Prozent des Verkaufspreises. Dieser eklatant hohe Steueranteil macht den Raucher ungewollt zur "Goldmarie" und verhilft dem Staat zu erfreulichen Steuereinnahmen. 

Raucher ohne Lobby

Doch bekommt der Raucher dafür auch Rechte? Nein, im Gegenteil! Raucher haben keine Lobby und ihr Image wurde in den letzten Jahren durch das Zusammenspiel von Medien und Politik dermaßen geschädigt, dass sie heute froh sind, wenn sie überhaupt noch irgendwo rauchen dürfen.

Natürlich stellt sich der kritische Bürger aber auch die Frage, ob die Tabaksteuer die Kosten für Gesundheitsschäden von Rauchern überhaupt trägt. Diverse Studien bringen in der Regel unterschiedlichste Ergebnisse. Lungenkrebs, der oft durch Tabakkonsum hervorgerufen wird, ist zum Beispiel diejenige Krebsart, die EU-weit angeblich die höchsten Kosten verursacht. 

Diesen Kosten stehen die Einnahmen der Tabaksteuer und die Einsparungen von Alterspensionsbezügen, aufgrund der geringeren Lebenserwartung von Rauchern, gegenüber. Laut einer zehn Jahre alten österreichischen Studie bringt der Tabakkonsum einen fiskalischen Nutzen von 1,13 Milliarden Euro. Der ist durch gestiegene Tabaksteuern inzwischen höher. Im Gegenzug entstehen dadurch Kosten in Höhe von 1,64 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Differenz von etwa 510 Millionen. Somit überwiegen die Kosten, die dem Staat durch den Tabakkonsum entstehen. Fazit: Raucher schaden also dem Staat. 

Passivschäden durch Alkohol

So weit, so richtig. Nachdem manche Politiker, Ärzte und vermeintliche Aktivisten die Gesundheit von Herrn und Frau Österreicher zur Chefsache gemacht haben, sollten wir den Scheinwerfer der Fairness halber auch auf andere Suchtgruppen richten. Zum Beispiel Trinker und solche, die es noch werden wollen. 

Rauchergegner sind sich alle einig: "Jeder kann rauchen, so viel er will, aber es werden auch Passivraucher geschädigt und diese gilt es zu schützen." Alkohol hingegen ist für Rauchergegner okay, da es hier keine Passivschäden gibt. Oder hat jemand von euch schon mal erlebt, dass er hinter einem Betrunken hergeht und dann selber zwei Promille hatte? 

Doch Spaß beiseite, natürlich gibt es Passivschäden beim Alkohol, wenn auch erst auf den zweiten Blick, wie den Daten der Statistik Austria zu entnehmen ist: Zehn Prozent aller Verkehrstoten in Österreich kamen aufgrund von Alkoholunfällen ums Leben.

Alkohol- und Medikamentenmissbrauch

1,2 Millionen Österreicher sind alkoholgefährdet, 8.000 Menschen sterben hierzulande jedes Jahr an den Folgen des Alkoholkonsums. Bei Jugendlichen, die zu viel über den Durst trinken, liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld! Im Unterschied zu Männern verfallen Frauen viel schneller der Alkoholsucht und nehmen auch mehr Medikamente. 60 Prozent der 110.000 Medikamentenabhängigen in Österreich sind Frauen. Die Ursachen für Alkoholmissbrauch sind bei Frauen meist psychische und soziale Probleme beziehungsweise die Doppelbelas­tung durch Familie und Beruf.   

Alkoholismus und dessen gesundheitliche Folgen kosten die österreichischen Krankenkassen im Jahr insgesamt 375 Millionen Euro. Die Einnahmen durch die Alkoholsteuer betrugen im selben Jahr aber nur 300 Millionen Euro. Also auch hier: Trinker schaden dem Staat, vom Leiden der Familienangehörigen, Freunde und Mitmenschen ganz zu schweigen!

Fettleibigkeit am teuersten

Kommen wir nun zur letzten Gruppe von Suchtgefährdeten die möglicherweise dem Staat schaden oder die eigene Gesundheit gefährden könnten.

Laut einem aktuellen Bericht der OECD sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die Todesursache Nummer eins und stehen zumeist mit Fettleibigkeit und Diabetes in Verbindung. Vor allem bei jungen Menschen sei weltweit ein besorgniserregender Anstieg an Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes zu beobachten. Aktuellen Studien zufolge entstehen in Österreich jährlich zwischen 8,6 und 12,2 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten, die durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel verursacht werden. 

Diese erschreckenden Zahlen zeigen einmal mehr, wo hier der Hebel angesetzt werden muss, liebe Politiker. Es sind nicht die Raucher, die mit 510 Millionen Euro Schaden im Jahr, Österreich in Schutt und Asche legen. Nein, es sind Herz-Kreislauferkrankungen, verursacht durch Fettleibigkeit, Diabetes und Mangel an Bewegung beziehungsweise Sport, die es auf den ersten Platz der gesundheitsgefährdenden Ursachen geschafft haben. Bei den daraus resultierenden Todesfällen liegt Österreich sogar noch über dem OECD-Schnitt!

Medien bleiben stumm

Gratuliere, meine geschätzten Verantwortlichen aus der heimischen Politik, und wo ist hier der Aufschrei der Medien?

Es ist höchste Zeit, endlich alle Verantwortlichen aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Industrie und Handel in die Pflicht zu nehmen und gemeinsam ein konkretes Maßnahmenpaket zu entwickeln und dieses auch konsequent umzusetzen. 

CETA, TTIP und andere aberwitzige Handelsabkommen helfen uns dabei nicht im Geringsten. Was wir dringend brauchen, ist eine klare Kennzeichnung und Bewerbung von gesunden Lebensmitteln, aber auch die Einführung von höheren Steuern sowie Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel. Warum gibt es hässliche Bilder von Raucher-Beinen nur auf Zigarettenschachteln und keine Säufer-Leber auf der Weinflasche? Wo sind die Karieszähne-Bilder auf den Torten der Konditoreien?

Jedem das Seine

Keine Angst liebe Leser, das war nur ein Scherz, denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass solche Bilder keinen Raucher auch nur im Geringsten abgeschreckt haben. Brüssels Politiker haben es zwar gut gemeint, aber gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht - wie so vieles, das aus Brüssel kommt!

Also liebe Politiker, die ihr gegen die derzeitige Raucherregelung angetreten seid: Entweder ihr setzt den Hebel bei allem an, was die Gesundheit der Österreicher gefährden könnte, oder wir lassen es, wie's ist. Dem Raucher sein Zigaretterl, aber im Lokal, dem Trinker seinen Spritzer und den Genussessern ihr Lieblingsgericht und alle sind happy, so wie in den letzten Jahren auch. 

Gegen Bevormundung

Wir brauchen euch nicht, denn unser Leben ist in den besten Händen - in unseren Händen. Ich, als bekennender Nichtraucher, werde mir dann, wie der viel zu früh verstorbene Otto von Habsburg, der selber Nichtraucher war, eine Zigarette anzünden. Und zwar genau am Weltnichtrauchertag, um ein Signal zu setzen: gegen eine Bevormundungspolitik!

Smoke on.

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