Wenn die Glocken nach Rom fliegen ?

Foto: Adobe Stock
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Ostern ist nicht nur das wichtigste Fest der katholischen Kirche, sondern auch eine Zeit voll Brauchtum und Traditionen, die in den Bundesländern ganz unterschiedlich begangen werden. Von Antlasseiern über Osterfeuer bis zu Ratschen und Speisenweihe - alles roger? zeigt wie bunt das Osterfest in Österreich gefeiert wird. 


Text: Regina Zeppelzauer

Manche Rituale unserer Zeit gehen auf heidnische Traditionen zurück, etwa das Eiersuchen. Auch viele bäuerliche Osterbräuche haben ihre Wurzeln im vorchristlichen Frühlingsfest. So werden im Salzburger Land traditionellerweise Palmbuschen aus sieben Pflanzen gebunden, die, am Feld aufgestellt, die Ernte sichern sollen. Im Haus werden die geweihten Buschen aus Buchsbaum, Eibengras, Wacholder, Zeder, Schradler, Sefeu und Palmkatzerln unter dem Dach angebracht, um vor Feuer und Blitzschlag zu schützen. In Tirol sind es kunstvoll verzierte Palmstangen oder Palmlatten, wie etwa in Imst, wo nicht nur die Tradition des Palmlattentragens besonders hochgehalten wird, sondern auch die Länge der Latten beeindruckend ist. Der Rekord liegt derzeit bei 36 Metern.

Die Ratschenkinder

Am Gründonnerstagabend beginnt der Höhepunkt des katholischen Jahres - die Kirchenglocken werden bis zur Osternacht schweigen. Im Volksmund heißt es dann, die Glocken fliegen nach Rom. Ihre Aufgabe wird in den ländlichen Gegenden von den Ratschen übernommen. Kinder ziehen mit den hölzernen Klappern von Haus zu Haus und sagen Sprüche auf. Früher halfen diese Lärminstrumente bei der Dämonenabwehr, das glaubten zumindest unsere Vorfahren. 2015 wurde das Ratschen in der Karwoche von der UNESCO als immateriales Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Auch der Karfreitag, neben dem Aschermittwoch der strengste Fastentag im Kirchenjahr, war mit allerlei Aberglauben behaftet. So war an diesem Tag jede Erdarbeit strengstens verboten, weil Christus in seinem Grab nicht gestört werden durfte. Wer trotzdem am Karfreitag in der Erde grub, dem drohte Unglück.

Osterfeuer und Antlasseier

Ein fixer Bestandteil des Osterfestes im Alpenraum sind die Osterfeuer. Sie dienten einst der endgültigen Austreibung des Winters und der Begrüßung des Frühlings und der Sonne. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag werden die Osterfeuer auf Anhöhen entzündet. Besonders prächtig ist dieses Spektakel im Salzburger Lungau, wo bis zu sechs Meter hohe Holzkästen mit Reisig gefüllt in Flammen aufgehen. Auch in Tirol kann man die lodernden Osterfeuer bewundern, zum Beispiel im Zillertal. Der Brauch des "Kreuz hoaz'n" ist vor allem in der südlichen Weststeiermark zu finden. Dafür wurden früher christliche Symbole auf Osterkreuzen mit kleinen brennenden Holzstücken oder Blechdosen, in denen Pech brannte, zum Leuchten gebracht. Heute werden dafür Glühbirnen verwendet.

Im Christentum soll das Osterfeuer an die Auferstehung Christi erinnern. Zu Beginn der Liturgie am Abend des Karsamstags werden die Osterfeuer vor der Kirche entfacht, geweiht und die Osterkerze daran entzündet. Diese wird anschließend in die bis dahin noch finstere Kirche gebracht.

Der in vielen ländlichen Regionen verbreitete Brauch der Antlasseier - das Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen "antlaz" ab und bedeutet Ablass oder Lossprechung - geht zurück auf die Zeit, als Bauern ihren Grundherren am Gründonnerstag (dem Antlasstag) Steuern in Form von Eiern bezahlen mussten. Diese am Gründonnerstag gelegten Eier wurden rot gefärbt, um mit der Farbe das Blut Christi zu symbolisieren, das von Schuld freisprach. Außerdem sollen die Antlasseier Glück bringen und Unheil abwehren. Das Antlassei gilt auch ohne priesterliche Weihe als gesegnet und wird beim Haus oder Brunnen vergraben, um vor Unwettern, Gebäudeschäden und Unglücken zu schützen. Auch den am Karfreitag gelegten Eiern werden besondere Eigenschaften nachgesagt. Sie sollen jahrelang halten und vor Blitzschlag und Krankheit schützen.

Gesegnete Mahlzeit

Keine Osterjause in Kärnten ohne Reindling. Das Hefegebäck mit Rosinen-, Walnuss- und Zimtfülle schmeckt besonders gut zum saftigen Osterschinken. Bevor es aber ans Verzehren geht, werden in vielen Teilen Österreichs am Karsamstag oder auch am Ostersonntag Weihekörbe mit Ostereiern, Schinken, Speck, Pinzen, Biskuit-Osterlämmern und Brot in die Kirche gebracht und gesegnet. Geweiht werden sollte bei der Speise- oder Fleischweihe, worauf man während der Fastenzeit verzichtet hatte. Dieser eigentliche Sinn ist teilweise verloren gegangen. Viele Menschen streichen heute andere Dinge während der Fastenzeit - Alkohol, Schokolade oder Zigaretten.

In Niederösterreich, vor allem im Mostviertel, findet man den Brauch des Godntag, an dem den Kindern von ihren Paten (den Godn) das "Godnküpfi" überreicht wird. Dieses Hefeteiggebäck in Form eines Kipferls wird mit einer Münze gespickt und zum Osterschinken gegessen.

Ei, Ei, Osterei

Im burgenländischen Stinatz werden ausgeblasene, bunt gefärbte Eier mit Gravierungen versehen. Spezielle Farben machen die Schale widerstandsfähiger, mit einem scharfen Messer werden die Muster eingeritzt. Die Stinatzer Ostereier werden meist mit religiösen Motiven oder traditionellen Blumenornamten verziert. Diese filigranen Kunstwerke gab es ursprünglich nur in Rot, Violett oder Schwarz.

In der Kulturgeschichte des Menschen wurden dem Ei viele unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben. Es galt als Symbol des Lebens und als Liebesgabe. Angeblich geht das Verschenken von Eiern auf eine heidnische Tradition an Ostaria zurück und wurde einst von der Kirche unter Strafe gestellt. Aus diesem Grund wurden die Ostereier nicht mehr persönlich übergeben, sondern auf den Feldern versteckt. Man musste die Eier erst suchen gehen. Das Färben der Eier hatte dagegen pragmatische Gründe: Weil die Hennen im Frühjahr mehr Eier legen und während der 40-tägigen Fastenzeit tierische Produkte früher nicht auf dem Speiseplan standen, wurden die Eier hart gekocht und damit haltbar gemacht. Um sie nicht mit den rohen Eiern zu verwechseln, hat man sie eingefärbt. Heutzutage werden nicht nur hartgekochte, sondern auch Schoko-Ostereier versteckt.

Emmaus-Gang

Nach den kulinarischen Köstlichkeiten des Osterwochenendes, wird der Ostermontag für ausgedehnte Spaziergänge genützt. Zurückzuführen ist dieser Brauch auf eine Erzählung aus dem Lukasevangelium. Sie beschreibt den Gang der Jünger von Jerusalem nach Emmaus, auf dem sie Jesus, zunächst unerkannt, als Auferstandener begleitet hat. Heute steht der Begriff "Emmaus-Gang" für einen Osterspaziergang mit der Familie oder Freuden. Und wer genau schaut, der entdeckt vielleicht sogar den Osterhasen.

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