Bayer für Monsanto-Übernahme abgestraft

Foto: Adobe Stock
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Mit 63 Milliarden Dollar war es der teuerste Firmenkauf, den je ein deutsches Unternehmen durchgeführt hat: die Übernahme des Gentechnikkonzerns Monsanto durch Bayer. Wie ein Gerichtsurteil zeigt, könnte es für Bayer aber noch viel teurer werden.


Mitte August verurteilte ein Geschworenengericht in San Francisco Monsanto-Bayer in erster Instanz, einen Schadenersatz von 289 Millionen Dollar (über 250 Millionen Euro) zu zahlen. Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat habe "wesentlich" zur Erkrankung des ehemaligen Hausmeisters Dewayne Johnson an Lymphdrüsenkrebs beigetragen, hieß es in der Urteilsbegründung. Johnson arbeitete jahrelang mit Roundup und Monsanto habe die Gefahren des Unkrautvernichters verschwiegen. Der Konzern kündigte Berufung an. Nach dem Urteil stürzte die Bayer-Aktie knapp 20 Prozent ab. Doch das könnte erst der Anfang eines Desasters für Bayer sein: Über 5.000 weitere Klagen gegen Monsanto sind anhängig, auch gegen andere Produkte als Roundup beziehungsweise Glyphosat. Laut Berechnungen der Analysten der britischen Bank Barclays drohen Bayer bei ähnlich hohen Strafzahlungen für andere Glyphosat-Kläger bis zu 1,3 Billionen-Dollar-Strafzahlungen. Das wären weit über 1.000 Milliarden Euro. 

Regierung will aussteigen

Während von Monsanto beauftragte Studien Glyphosat als harmlos ausweisen, kamen über 100 unabhängige Studien zu gegenteiligen Ergebnissen: Demnach schädigt Roundup beziehungsweise Glyphosat Zellen, DNA, Nieren, das Hormonsystem, Leber sowie Darm und ist krebserregend. Trotz heftiger Proteste verlängerte die EU-Kommission im Vorjahr die Zulassung für Glyphosat um fünf Jahre. Die neue österreichische ÖVP-FPÖ-Regierung versprach den vorzeitigen Ausstieg aus dem Pflanzenvernichtungsmittel. Dieser soll schrittweise erfolgen. Die Kärntner Landesregierung beschloss im März ein Glyphosat-Verbot auf öffentlichen und sensiblen Flächen, was die EU-Kommission jedoch nicht akzeptierte. 

Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat spülte Monsanto Unsummen an Gewinnen in die Kassen. Insbesondere die Entwicklung von genmanipulierten Pflanzen, die resistent gegen das Totalpflanzengift waren, entpuppte sich als "Lotto-Sechser", da der Konzern den Verkauf von Saatgut und Roundup miteinander verband. Die EU-Kommission erhöhte den Grenzwert für Glyphosat in Soja-Futtermitteln um das 200-fache, sonst hätten genmanipulierte, mit Glyphosat gespritzte Sojaprodukte nie in die EU eingeführt werden dürfen. 

Geschichte voller Skandale

Die Geschichte von Monsanto ist auch abgesehen von Roundup und Glyphosat reich an Skandalen und Vertuschungen: So hielt der Konzern 40 Jahre geheim, dass die von ihm produzierten Polychlorierten Biphenyle (PCB) schwere Gesundheitsschäden verursachen - sie wurden zum Beispiel als Kühlmittel in Transformatoren oder als Weichmacher in Kunststoffen verwendet. Monsanto war an der Herstellung der Atombombe beteiligt ("Manhattan-Projekt") und produzierte das Entlaubungsmittel Agent Orange, an dessen Folgen immer noch Hunderttausende Vietnamesen leiden. Kirk Azevedo, ein ehemaliger Mitarbeiter des Konzerns, brachte das Ziel Monsantos an die Öffentlichkeit: "Wir wollen die weltweite Nahrungsversorgung kontrollieren." Als Mittel dazu dienten Patente auf Leben, die Monsanto in hoher Zahl beantragt und auch zugesprochen bekommen hat.

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