Kampftraining für Flüchtlinge: Ja oder Nein?

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Harald Vilimsky ist seit 2014 für die FPÖ im Europäischen Parlament. Ronny Kokert ist Trainer, Autor und Gründer von Shinergy, einem besonderen Training für Körper und Geist. Kokert trainiert in einem Projekt, das sich "Freedom Fighters" nennt, Flüchtlinge in Kampfsport. Vilimsky kritisierte dies in der Öffentlichkeit. Nun hat alles roger? beiden Herren fünf fast identische Fragen zur freien Beantwortung gestellt.


Interview: Roland Hofbauer

Interview Harald Vilimsky

Was halten Sie von dem Kampftraining für Flüchtlinge?

Die Angelegenheit hat ja in den sozialen Medien schon für einiges Aufsehen gesorgt. Ronny Kokert, der das in seiner Kampfsportschule gratis anbietet, meint das wohl gut. Aber ich halte das für den falschen Ansatz. Gerade die vergangenen Tage haben wieder gezeigt, dass es ein nicht zu unterschätzendes Gewaltpotenzial gibt. Da war zunächst ein Afghane, der in Wien eine Familie brutalst mit einem Messer attackiert hat; dann der offenbar islamistisch motivierte Messerangriff auf einen Bundesheer-Posten vor der iranischen Botschaft und heute (13. März) neuerlich ein Afghane, der einen Polizisten vor dem provisorischen Parlamentsgebäude attackiert hat. Das alles binnen weniger Tage. Wie sich an den zahlreichen positiven Reaktionen auf meine Beiträge zu Kokert in den sozialen Medien gezeigt hat, kann man einfach kaum jemandem erklären, was es bringen soll, wenn man Flüchtlingen auch noch Kampfsporttraining anbietet.

Verstehen Sie die Skepsis, wenn Menschen Angst haben, dass das ohnehin schon hohe 

Aggressionspotenzial noch gefördert wird?

Natürlich kann ich das verstehen. Wir haben - ganz besonders im rot-grün regierten Wien - ein virulentes Problem mit bestimmten Gruppen. Da kommen Gewalterfahrungen aus den Fluchtländern, ein übertriebenes Macho-Gehabe, eine nicht selten auch aggressive Ablehnung anderer, Bandenbildung, islamistische Radikalisierung und Kriminalität zusammen, die ein immer explosiveres Gemisch ergeben. Natürlich nicht bei allen, aber eben bei einem Teil dieser Menschen. Das ist die logische Folge aus Massenzuwanderung und einer seit Langem gescheiterten Integrationspolitik, die vor allem eine Nicht-Integrationspolitik war. So haben wir Probleme importiert, die wir ohne diese Art von Zuwanderung nicht hätten. In Wien ist das für viele Menschen außerhalb der Nobelbezirke täglich erlebbar, auch jenseits von konkreter Gewalt. So gesehen wundert es mich nicht, wenn Menschen da besorgt sind und nicht wollen, dass junge Flüchtlinge auch noch in Kampfsport trainiert werden.

Was wäre eine vernünftige Alternative, um Flüchtlinge zu beschäftigen?

Fast alles wäre wohl besser als Kampfsport-Training. Vor allem Aktivitäten, die dazu beitragen, dass Flüchtlinge die Regeln und Menschen des Gastlandes akzeptieren und sich daran halten, solange sie hier sind. Unter anderem, dass Gewalt ein No-Go ist.

Fast täglich liest und hört man von Angriffen durch Flüchtlinge - ist ein Kampftraining hier förderlich oder kontraproduktiv?

Kokert als professioneller Kampfsportler mit zahlreichen respektablen Titeln sieht das vielleicht etwas naiv. Der lange Weg, den er als Profisportler - begleitet offenbar auch von der Beschäftigung mit Zen-Buddhismus - gegangen ist, ist etwas anderes als ein paar junge Männer, die einfach Kampfsport trainieren wollen, vielleicht auch, um sich auf der Straße besser durchsetzen zu können. Aber natürlich kann ich nicht beurteilen, welche Menschen er trainiert. Und ich kann auch nicht sagen, wie er diese auswählt, um sicherzustellen, dass er nicht potenziellen Gewalttätern das Kämpfen beibringt.

Sollte es durch Kokerts Schüler zu gewalttätigen Übergriffen kommen, müsste man ihn dann mitverantwortlich machen?

Formaljuristisch wohl nicht, aber moralisch träfe ihn meiner Ansicht nach in einem solchen Fall tatsächlich eine Mitverantwortung.


Interview Ronny Kokert 

Was war die Grundidee für Ihr Kampftraining für Flüchtlinge?

Jeder, der uns besucht oder sich zumindest ein wenig mit der Materie beschäftigt, weiß, dass dieses Projekt kein "Kampftraining" ist. Vielmehr unterrichte ich seit zwei Jahren ausgewählte Angekommene aus Syrien, Irak und Afghanistan in der Trainingsmethode "Shinergy". Neben Meditation, Kondition und Techniken zur Selbstverteidigung steht vor allem das respektvolle Miteinander-Üben sowie die friedliche Lösung von Konflikten im Mittelpunkt. Das schafft Möglichkeiten zum konstruktiven Umgang mit Emotionen, wie Wut und Angst und unterstützt die Burschen bei den Herausforderungen zur Integration. 

Verstehen Sie die Skepsis, wenn Menschen das ohnehin schon hohe Aggressionspotenzial dadurch gefördert sehen?

Welches "ohnehin hohe Aggressionspotenzial" meinen Sie? Das von männlichen Jugendlichen? Oder geht es um einen Generalverdacht, der jeden Flüchtenden betrifft? Natürlich kann ich die Skepsis von Menschen, die unser Training nicht kennen, verstehen. Da muss man eben genau hinsehen. Dann wird man schnell merken, welch positive Auswirkungen unser Training auf die Burschen hat. Das sind anständige, friedliche und hilfsbereite Menschen. Ein erhöhtes Aggressionspotenzial bemerke ich leider immer öfter bei manchen, die das Glück hatten, in solch einem wunderbaren Land wie Österreich geboren worden zu sein, und ihren mangelnden Selbstwert trotzdem in der Abwertung scheinbar Schwächerer kompensieren müssen. Da würde ein wenig mehr Dankbarkeit helfen.

Was wäre eine vernünftige Alternative, um Flüchtlinge zu beschäftigen?

Die Frage impliziert, dass wir unvernünftig wären. Dabei sind die Freedom Fighters einfach nur eine von vielen tollen Initiativen von engagierten Menschen, die einen wertvollen Beitrag zur Integration leisten. Meine Burschen wünschen sich nichts mehr als ein Leben in Sicherheit und die Möglichkeit, ihren Teil dazu beizutragen. Am liebsten hätten sie einen Job. Dazu gehen wir auch regelmäßig zu Bewerbungsgesprächen und konnten bis jetzt schon drei Lehrstellen finden. Wenn wir den Asylwerbern den Zugang zur Arbeitswelt erleichtern würden, könnten wir alle von deren Engagement profitieren. 

Fast täglich liest und hört man von Angriffen durch Flüchtlinge - ist ein Kampftraining hier förderlich oder kontraproduktiv?

Wut und Aggression wurzeln immer in der Angst. Das gilt für Angekommene aus Kriegsgebieten genauso wie für einheimische Gewalttäter, über deren Taten man noch weitaus mehr lesen kann. Deshalb zielt unser Training auch darauf ab, sich zuerst mit innersten Konflikten, mit seiner Wut und Angst, zu konfrontieren. Der Gegner wird als Spiegel erkannt und jeder äußere Konflikt als Ausdruck innerster Angst. Hat man das erst einmal erkannt, gibt es niemanden mehr, gegen den man kämpfen müsste. Denn "Kämpfen zu können bedeutet, nicht mehr kämpfen zu müssen". Das ist unser oberstes Prinzip.

Wenn einer Ihrer Schüler in einen gewalttätigen Vorfall verwickelt wäre, würde Sie dann eine Mitschuld treffen?

Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und habe auch schon Interessenten abgewiesen, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, oder durch mangelnden Respekt gegenüber ihren Trainingspartnern aufgefallen sind. Alle Teilnehmer haben zudem unterschrieben, dass sie im Falle eines verschuldeten Gewaltdeliktes sofort aus dem Training ausgeschlossen werden. Für meine Burschen lege ich aber die Hand ins Feuer. Die haben es auch gar nicht notwendig, sich irgendwo in Schlägereien beweisen zu müssen. In den letzten Jahren haben sie unzählige Medaillen bei Staatsmeisterschaften und sogar beim Worldcup errungen. Vor allem weil sie so diszipliniert sind.

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