Oans, zwoa, gsuffa!

Foto: Frank Bauer
Foto: Frank Bauer

Dirndl, Lederhosen und Maßkrüge, dazu laute Volksmusik und Menschen in Schunkellaune - der Sommer ist die Zeit der Bierzelte. Man feiert am Neustifter Kirtag, der Wiener Wiesn oder dem Altausseer Kiritog. Und auch beim größten Volksfest der Welt, dem Münchner Oktoberfest, heißt es bald wieder: O´zapft is!


Text: Regina Zeppelzauer

Tradition und Brauchtum oder doch nur saufen bis zum Abwinken? Die einen können es kaum erwarten, andere wiederum bringen keine zehn Pferde in ein Bierzelt hinein. Für die Fans der zünftigen Feste aber heißt es in den nächsten Wochen, rein in die Tracht und auf ins Getümmel. Nicht nur am Land feiert man ausgelassen, auch in der Bundeshauptstadt erfreuen sich Volksfeste immer größerer Beliebtheit.

Wiesn-Flair an der Donau

Manche von ihnen haben eine jahrhundertealte Geschichte. Der Neustifter Kirtag etwa wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts gefeiert. Damals begaben sich die Neustifter Weinhauer mit einer Erntedankkrone zu Kaiserin Maria Theresia und baten um Steuerfreiheit, da sie aufgrund einer schlechten Ernte in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten waren. Die Kaiserin erließ den Winzern die Zahlungen und gab ihnen sogar die Erntedankkrone zurück, mit der Auflage, von nun an jedes Jahr ein Fest zu veranstalten. Der Neustifter Kirtag wird seither immer im August gefeiert. Heuer dürfen sich die Besucher von 16. bis 19. August auf Schmankerl aus der Region und Weine der Neustifter Winzer freuen. Der Kirtag in der Döblinger Vorstadt hat sich neben der Wiener Wiesn zum größten Trachtenfest der Stadt entwickelt. Über 100.000 Gäste zieht es in den kleinen Heurigenort, gefühlt ist dort halb Wien versammelt.

Österreichs größtes Brauchtumsfest, die Wiener Wiesn, beginnt am 26. September um 11.30 Uhr mit dem offiziellen Bieranstich. 400.000 Gäste sorgten 2018 für einen Besucherrekord. Rund 100 Mitarbeiter sind 23 Tage lang mit dem Aufbau des Festgeländes beschäftigt. 18 Tage herrscht Gaudi pur für das Dirndl- und Lederhosen-Publikum. Authentische Holzhütten, Almen und ein paar Heuballen sorgen für ländliches Feeling in der Großstadt. Neben kulinarischen Schmankerln, Bier und Schnaps wird den Wiesn-Gästen auch ein vielseitiges Programm geboten. Volksmusik, Schlager, Party-Hits, aber auch Kabarett und Rockmusik sorgen für Stimmung und volle Zelte. Hunderte Menschen in mehr oder weniger schönen (Pseudo-)Trachten, grölen aus voller Inbrunst altbekannte Party-Hits mit. Auf Tischen und Bänken stehend, feiern sie als gäbe es kein Morgen. Die Szene gleicht einer Mischung aus Fasching und Hüttenzauber. Wie Skiurlaub, nur ohne Schnee. Hauptsache der Gerstensaft fließt in Strömen, heuer gibt es sogar ein eigenes Wiesn-Bier.

Luftburg-Jubiläum

Seit vielen Jahren feiert tout Vienne in Kolariks Luftburg im Wiener Prater ein traditionelles Oktoberfest. Heuer findet das Zehn-Jahres-Jubiläum statt. Am 18. und 19. Oktober wird bei Live-Musik ein abwechslungsreiches Programm geboten. Der Ticketpreis von 75 Euro pro Person inkludiert nicht nur einen Sitzplatz, sondern auch ein "All you can eat and drink Paket" - da ist vom Bierbrunnen zum Selbstzapfen, über Weißwurst und Brezn bis zur Stelze alles dabei.

Niederösterreichs größtes Oktoberfest

Wenn am 6. September die Brunner Wiesn startet, dann heißt es rein ins Dirndl und rauf auf die Bierbänke. Mit über 30.000 Quadratmetern Veranstaltungsfläche gehört die Brunner Wiesn flächenmäßig sogar zu den größten Oktoberfesten Österreichs. Dort steht auch das größte Oktoberfestzelt des Landes. Drei Wochen Remmidemmi und jede Menge Live-Acts erwarten die Besucher. Die Atzen, Culcha Candela, Geier Sturzflug, die Münchener Freiheit und die Spyder Murphy Gang gehören zu den musikalischen Programm-Highlights am Areal des Business Park Campus 21 in Brunn am Gebirge.

Wenn man im niederösterreichischen Pielachtal von Dirndln spricht, meint man in erster Linie nicht junge Frauen oder die gleichnamige Tracht, sondern die leuchtend roten Kornelkirschen, die dort besonders gerne wachsen. Säuerlich-herb, eignet sich die Wildfrucht für die Herstellung von Säften, Marmeladen, Schokoladen oder Edelbränden. Am 5. und 6. Oktober feiert man in Hofstetten-Grünau den bereits traditionellen Pielachtaer Dirndlkirtag mit allerlei Kulinarischem rund um die roten Dirndln. Aber auch Handwerkliches, wie Dirndlschmuck oder Dirndltrachten werden angeboten sowie ein abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt.

Das Wort Kirtag geht ursprünglich auf das Kirchweihfest, ein wichtiges dörfliches Brauchtum im ländlichen Raum, zurück. In den regionalen Dialekten haben sich dann verschiedene Bezeichnungen etabliert. In Vorarlberg spricht man von Kilbi oder Kirbe, in anderen Bundesländern heißt es Kirta, Kirchtag oder auch Kiritog.

Brauchtum im Salzkammergut

Eine Institution unter den Bierzelten ist der Altausseer Kiritog, der bereits seit 1961 jedes Jahr am ersten Wochenende im September stattfindet. Heuer feiert man von Samstag, 31. August bis Montag, 2. September. Das Festzelt steht am Fischererfeld in Altaussee, vor der malerischen Kulisse des Losers und der Trisselwand. Zelebriert wird die traditionelle Kirchweih mit Kirtag-Standln, Bierzelt und den besten Grillhendln weit und breit. Angeblich wird hier pro Kopf mehr Bier getrunken als beim Münchner Oktoberfest. Laute Partymusik und den obligatorischen Tanzboden sucht man vergebens. Hier wird Wert auf Brauchtum gelegt. Zum Altausseer Kiritog geht man in Tracht und an den Lederhosen erkennt man dann auch gleich, ob es sich um einen Besucher aus Wien oder einen Einheimischen handelt. Egal ob Zweitwohnbesitzer oder Urlauber - sie wirken immer ein bisserl verkleidet, die Ostösterreicher in ihren fleckenlosen, teuren Krachledernen mit passenden Stutzen und Trachtenjankern. Aber am Montag gehört das Fest dann sowieso wieder den Ausseern, weil dann die Schule beginnt und die Wiener wieder nach Hause fahren.

Dult in der Mozartstadt

Der Rupertikirtag in Salzburg geht auf das Domkirchweihfest für den Heiligen Rupert zurück. Dieser Herbstmarkt wurde erstmals 1331 erwähnt und erinnert an die Überführung der Gebeine des hl. Rupert, dem Gründer der Stadt Salzburg und ersten Abt von St. Peter, von ebendort in den damals neu errichteten Dom. Von 20. bis 24. September erwarten die Besucher rund um den Salzburger Dom Festzelt, Biergarten, Ochsenbraterei und Blasmusik. Über 150.000 Gäste kommen in die Salzburger Altstadt und erfreuen sich an Musik- und Brauchtumsgruppen, Schaustellern, Marktfahrern und dem dargebotenen Handwerk. Vorbild ist die historische Dult, daher sucht man vergebens nach hydraulischen Fahrgeschäften und aufdringlicher CD-Musik.

Ein bisschen lauter geht es dafür am größten Dorfplatz Österreichs, der Grazer Innenstadt, beim Aufsteirern zu. Von 13. bis 15. September werden die Gassen und Plätze der steirischen Landeshauptstadt zur Bühne. Zahlreiche Musik- und Tanzgruppen zeigen steirische Volkskultur - modern und traditionsbewusst, vielfältig und originell. Die Steirer legen Wert auf Qualität und Regionalität der Produkte. Kitsch und Plastikramsch wird nicht angeboten, dafür kulinarische Spezialitäten der steirischen Bauern.

Fest steht: Wiesnzeit ist Gaudizeit und wie bei vielen Dingen im Leben gibt es Gründe solche Volksfeste zu lieben oder eben nicht. Wer gerne im Kollektiv überteuertes Bier aus Maßkrügen trinkt und laut grölend zu Schlagermusik schunkelt, der wird sich auf den großen Oktoberfesten und Kirtagen wohl fühlen. Für alle anderen sind die kleineren Oktoberfest-Ableger sicher die bessere Alternative.

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