Kult-Regisseur spricht Klartext

Foto: STARPIX / PICTUREDESK.COM
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Reinhard Schwabenitzky zählt zu den besten Regisseuren des Landes. Was ihn neben seinen Fähigkeiten in der Filmbranche auszeichnet, sind sein gesunder Menschenverstand und, dass er kein Parteibüchl hat.


Interview: Roland Hofbauer

Als vor kurzem Andreas Gabalier von linken Gutmenschen und Medien attackiert wurde, sprang er für den Volks-Rock'n' Roller in die Bresche. Mit alles roger? sprach er über Politik, seine neuen Projekte und über seine glückliche Beziehung mit Elfi Eschke.

Vor kurzem haben Sie Andreas Gabalier öffentlich verteidigt. Was hat Sie dazu bewogen, und wie waren die Resonanzen aus Ihrem Umfeld und der Kunstszene?

Für mich gehörten Pauschalierungen, Verunglimpfungen, Gerüchte und Unterstellungen schon immer in die Kategorie Vorurteil; also ein Urteil ohne Beweise. Damit kann man einen Menschen vernichten. Meine Großmutter hat schon gesagt, Gerüchte sind wie ein aufgerissenes Federbett. Man kriegt nie wieder alle Federn zusammen. So fand ich es haarsträubend, was man um Gabalier herum alles konstruiert und ihm unterstellt hat. Was dieser Mann alles ist oder gemacht haben soll - ohne zugrundeliegende Fakten. Veranstaltet wurde diese Hexenjagd primär von Leuten, die sich als politisch ,links? bezeichnen, sich Sozialdemokraten nennen. Sie halten sich für sozial und demokratisch geprägt. Für mich sind sie aber das Gegenteil, also faschistoid! Ob ich Gabalier für einen großen Künstler halte oder nicht, spielt dabei keine Rolle. 

Allerdings habe ich als liberaler Mensch zu akzeptieren, dass es Leute gibt, denen gefällt was er macht. Im Übrigen habe ich einmal ein Special von ihm gesehen, da war er vielseitig und hervorragend. Das Phänomen Gabalier habe ich aber schon oft erlebt. Zum Beispiel, als man zu Zeiten der Filmtage in Wels eine Straße entdeckte, die nach einem Nazi benannt war. Und weil der damalige Leiter, Reinhard Pyrker, das Festival trotzdem nicht aus Wels weghaben wollte, wurde er denunziert, zusammen mit jenen, die auf seiner Seite waren. Auch einem meiner Kollegen, der sich öffentlich zur ÖVP bekannt hatte, ging es nicht besser, etc.

Auch was jetzt bestimmte, angeblich sozialdemokratische, Künstler zur momentanen Regierung von sich geben, ist widerlich und lächerlich. Da wird Kurz als ,Schnulli? bezeichnet, oder als ,der mit den Elefantenohren?, oder ,Babykanzler?. Kritik, die sich rein auf Äußerlichkeiten reduziert, anstatt zu kritisieren was man konkret für falsch hält. 

Auch die Parteibuchwirtschaft ist für mich unerträglich - und zwar von allen Parteien. Denn nicht die beste, von einer unabhängigen Findungskommission ausgewählte Person bekommt den wichtigen Posten, sondern die mit dem richtigen Parteibuch - auch, wenn es dann ,rechtzeitig? still gelegt wird -, ob sie es kann oder nicht. Und je weniger der oder die draufhaben, desto leichter ist er oder sie zu manipulieren. Parteibuchwirtschaft ist für mich eine Art von Korruption und tut unserem Land keinesfalls gut.

Die Resonanz aus der Kunstszene auf mein Facebook-Posting war zum kleinen Teil positiv, zum anderen Teil habe ich keine bemerkt. Deklariert hat sich kaum jemand. Hildegard Knef hat ja schon gesungen: ,Der Mensch an sich ist feige?. Von den Normalbürgern war die Resonanz primär äußerst positiv, die negative Minderheit bestand entweder aus eingeschworenen Parteigängern oder solchen, die mein Posting nicht verstanden, oder nur zur Hälfte gelesen haben. Einen Fan, eine pensionierte ORF-Moderatorin, habe ich verloren, ein paar andere waren enttäuscht von mir...  Zusammengenommen war aber doch ziemlich viel los auf meiner Facebook-Seite. 

Sie gelten als Mann mit Handschlag-Qualität und Rückgrat, wie schwierig ist es heutzutage ganz offen seine Meinung zu sagen? War das früher einfacher?

Wer in unserem Land glaubt, dass öffentliche, berechtigte Kritik an bestimmten Personen oder Institutionen keine negativen Folgen hat, ist ein Träumer. Oder wieso zum Beispiel denken Sie, dass es seit vielen Jahren keine neuen Filme mehr von mir gibt? Früher, also noch vor rund 13 Jahren, konnte man noch Probleme ansprechen und sie ausräumen. Im ORF hatte ich sogar einige harte Auseinandersetzungen, die ausschließlich positive Konsequenzen hatten, zum Beispiel, dass der Film Hannah doch gedreht werden konnte, bessere Produktionsbedingungen erreicht wurden, oder die Fortsetzung der politsatirischen Reihe ?Der ideale Kandidat?. Heute: Sie glauben gar nicht, wie viele Anrufe ich nach öffentlichen, kritischen Äußerungen bekomme, mit dem Tenor: ,Mensch du traust dich was?. Kurz gesagt, theoretisch haben wir freie Meinungsäußerung, praktisch aber kaum mehr, wenn man sich nicht schaden will. Besonders da nicht, wo Personen am Ruder sitzen, die wohl aufgrund selbsterkannter Unfähigkeit um ihren Posten fürchten. 

Finden Sie, dass Künstler sich in die Politik einmischen sollten?

Sogar absolute Herrscher der Vergangenheit haben sich Hofnarren geleistet, die alles sagen durften. Ich denke, dass Künstler, die etwas zu sagen haben, sich einmischen sollten. Denn sie genießen Aufmerksamkeit und sind - abgesehen von der Opposition, oder auch nicht im Parlament vertretener Parteien - ein wesentliches Korrektiv, wenn sie nicht blind parteipolitisch geprägt sind. Eine Randbemerkung, beziehungsweise ein Vorschlag für die Wahlverlierer: Keine Partei wird besser, indem sie die Gegner schlecht macht. Nur wenn man die Fehler der eigenen Partei erkennt und korrigiert, wird man für die Wähler glaubhaft; oder auch, wenn man machbare, bessere Vorschläge hat und diese verständlich vermitteln kann. Frau Rendi-Wagner hat es als Erbin des Kern-Nachlasses also nicht leicht ihrer Partei wieder den Stellenwert zu verschaffen, den das Land braucht, denn eine schwache Opposition ermöglicht auf Dauer auch eine schwache Regierung. 

Was halten Sie von der aktuellen Regierung hier in Österreich und was von der EU?

Zuallererst hat man als Demokrat zu akzeptieren, dass uns Parteien regieren, die demokratische Wahlen gewinnen; genauso wie man jede vom Gesetz zugelassene Partei zu akzeptieren hat. Dabei muss man sich als Demokrat aber auch eine intelligente Opposition im Parlament wünschen, damit - was offensichtlich in der menschlichen Natur liegt - die Regierenden nicht den Bodenkontakt verlieren. Wenn man sein Gegenüber nicht zu verstehen versucht, begegnet man ihm ohne Respekt, und ohne Respekt funktioniert Demokratie nicht konstruktiv. 

Vieles an dieser Regierung finde ich gut, vieles kann man noch nicht abschätzen, da prophezeite Früchte immer erst nach einer Zeit geerntet werden können, falls es sie dann noch zu ernten gibt. Wir werden es erfahren. Schlecht finde ich, dass das Regierungsprogramm zum Teil zu schnell durchgepeitscht wird, zum Teil auch ohne fundierte Überprüfungen der Entscheidungen zuzulassen. Daher passiert einiges an Fehlentscheidungen.

Dass sich ÖVP und FPÖ klar unterscheiden, finde ich gut, aber auch, dass sie einen Konsens gefunden haben gemeinsam zu regieren. Auch vieles was die FPÖ will, finde ich gut. Mir geht es immer um Sachpolitik! Ganz schlecht aber finde ich die nicht wenigen, verbalen, vermutlich auch ideologisch fundierten Entgleisungen, vorwiegend der Ewiggestrigen. Denn nur dem absolut Dummen fehlt die Empathie für den Anderen, ist unfähig sich in dessen Lage zu versetzen und fähig ihn abzuurteilen. Auf solche Wähler, die nach wie vor nicht begriffen haben, dass es gut ist, dass wir nicht von Nazis regiert werden, sollte jede demokratische Partei verzichten und dies auch diesen Leuten klar machen. Viele davon, die ich meine, tummeln sich in,  - oder im Umfeld - der FPÖ, aber leider nicht nur.

Die EU ist eine wunderbare Idee. Allerdings inzwischen von überbordender Bürokratie vereinnahmt. Sie schafft Regeln und Vorschriften, die uns Bürger buchstäblich entmündigen und uns das selbständige Denken abgewöhnen. Dagegen müssen wir uns wehren. Wir dürfen nicht zulassen, dass man uns die Farbe der Pommes Frites vorschreibt, oder wie wir Produkte zu nennen haben, etc... Auch Freihandelsabkommen mit eigener Gerichtsbarkeit dürfen wir nicht zulassen. Das unterhöhlt unsere Demokratie. Wir müssen uns dagegen wehren, dass Geld arbeitet und nicht Menschen, dass dadurch nur die Reichen reicher werden, alle anderen aber ärmer. Die EU gehört gezwungen Schleppnetze, Schweröl in Schiffen, Atomkraft (nach wie vor gibt es keine Endlager für Atommüll), Gift auf Äckern, Wiesen und in Lebensmitteln, Abgase, die widerlichen Tiertransporte und Massentierhaltung zu verbieten. Treibhausgase müssen sofort und extrem zurückgefahren werden, Kohlekraftwerke gehören stillgelegt. All das wäre die Aufgabe der EU und nicht die, wie die Farbe von Kartoffeln zu sein hat, etc.      

Unvergessen Ihre Kultserien wie Kaisermühlen Blues und Ein echter Wiener geht nicht unter. Wann darf man wieder mit so einem herzlichen Stück österreichischen Alltags rechnen?

Dies obliegt allein den Entscheidern im ORF. Es ist also nicht so, dass ich diesbezüglich keine Ideen beziehungsweise dem ORF seit Jahren nichts angeboten hätte. Zurzeit aber gibt es nur Wiederholungen meiner älteren Filme, Reihen und Serien. Allerdings mit beachtlichen Quoten, was dafür spricht, dass sich das ORF-Publikum durchaus Neues von mir wünscht. Meine Frau und ich bekommen diesbezüglich sehr viel Post.   

Sie sind mit der Schauspielerin Elfi Eschke verheiratet. Es gibt keine Skandale und Sie arbeiten oft und gut zusammen. Was ist Ihr Geheimnis?

Wir sind beide kreativ, jeder eine eigenständige Persönlichkeit, belassen den Beruf dort wo er hingehört, und zwar am Filmset oder im Theater - und Privates eben nur zu Hause.

Die Filmfirma Star Film führen Sie gemeinsam mit Ihren Söhnen Markus und Lucas, Ihre Tochter ist selbst Schauspielern - generell gilt diese Branche als extrem hart und gnadenlos. Würden Sie heutzutage jungen Menschen empfehlen, in dieser Branche zu arbeiten?

Jungen Menschen kann ich nur empfehlen, das zu tun, was sie unbedingt tun wollen. Angst vor dem Scheitern zu haben ist nicht gut. Allerdings sollten die Eltern schon auf eventuelle Gefahren hinweisen - blind ins Messer laufen lassen sollte man seine Kinder nicht. Obwohl die dann ohnehin das machen was sie machen wollen. 

Wie schwierig ist es, sich in Österreich als Regisseur einen Namen zu machen und Investoren für Filmprojekte aufzutreiben?

Sich einen Namen zu machen darf niemals Absicht sein. Das einzige was man wollen sollte, wäre, das was man tut, so gut wie möglich zu machen. Wenn ein sogenannter ,guter Name? dabei herausspringt, ist nicht nur Können, sondern auch viel Glück dabei. Das heißt, Demut ist immer angebracht und Überheblichkeit wäre Dummheit.  

Investoren für unsere Filme sind in so einem kleinen Land in erster Linie die Fernsehanstalten und die Filmschaffenden selbst, indem sie ihre Gagen einbringen. Und dann gibt's noch die Filmförderungen. Nachdem das System zum Beispiel des ORF, also einer Anstalt öffentlichen Rechts, es erlaubt, dass die Quoten und damit die Publikumsakzeptanz immens sinkt, ohne, dass den Verantwortlichen Konsequenzen drohen, ist es weder der Erfolg eines Regisseurs oder Produzenten, noch die Qualität, die Beschäftigung garantieren, sondern eher, dass man ,ein bisserl brav ist?. Als Draufgabe für Misserfolg der Verantwortlichen gibt es dann traumhafte Abfindungen und Pensionen, während die eigentlich Erfolgreichen und nicht Braven durch die Finger schauen.

Was sind Ihre nächsten Projekte, was wird man in naher Zukunft von Ihnen sehen?

Nachdem ich noch viele - und wie ich meine - gute Ideen habe, werde ich versuchen, diese über Deutschland, eventuell auch als österreichische Koproduktionen (wenn überhaupt möglich), zu finanzieren und produzieren. In Deutschland war ich ja auch sehr erfolgreich, zum Beispiel mit Serien wie Büro, Büro, Parole Chicago, oder auch mehreren Kinofilmen. Zurzeit geplant sind der Kinofilm Der Cellist (eine rabenschwarze Komödie) oder Jailhouse Blues (eine Komödie um das Comeback eines gealterten Rockstars). Auch an die Verfilmung meines Romans Stille Nacht und das Geheimnis der Zauberflöte ist gedacht. Dazu sind ziemlich verrückte und gewagte Serien-Ideen vorhanden, ein Kinderfilm, Drehbücher zu tollen historischen Stoffen - an Ideen mangelt es uns also nicht.

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