Wie weit darf ein Narr gehen?

Foto: beigestellt
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Narren sind Demokraten, denn sie sagen der Obrigkeit ihre Meinung. Manfred Tisal machte das über Jahrzehnte als EU-Bauer beim Villacher Fasching ? und jetzt bei alles roger?.


alles roger?-Kolumne von Manfred Tisal

Die närrische Zeit geht in die Frühlings-Sommer-Herbstpause. Es wird nicht mehr Maulaffen feilgehalten, und die Politiker müssen keine Angst mehr haben, "verrissen" zu werden. Von mir schon gar nicht, denn ich habe mich in den närrischen Unruhestand begeben. Die Politbonzen können sich wieder damit beschäftigen, jene Fehler und Fauxpas zu machen, über die sich die Narren in der kommenden Lachperiode das lose Maul zerreißen.

Historisch betrachtet waren jedoch die Narren die ersten Demokraten. Sie waren es, die zu einer bestimmten Jahreszeit das Recht hatten, der Obrigkeit ungestraft die Meinung zu sagen. Man kann also sagen, Narren sind Demokraten. Oder sind Demokraten Narren? Genauer betrachtet stimmt's auch so rum. Denn wenn jemand unverblümt die Wahrheit sagt, weil er glaubt, Demokrat zu sein und das Recht zu haben, zu sagen was er denkt, setzt er sich in die Nesseln und hat womöglich auch mit Konsequenzen zu rechnen.

Sagen, was man denkt

Die Obrigkeit hat es nämlich verlernt, zu akzeptieren dass es ein verfassungsmäßig geschütztes Recht ist zu sagen, was man denkt. Der Passus ziert sogar die Außenwand des Ersatzparlamentes. Leider nur auf der Hinterseite des Gebäudes. Denn wäre es unmittelbar neben dem Haupteingang, würden diesen Satz aus der Verfassung auch die Politiker lesen können.

Nur, wie weit darf man gehen? Die Kritik, der Witz oder die Pointe soll schon einen Wahrheitsgehalt haben. Die Schmähs sollen aus der Wahrheitskiste gegriffen sein. Nur kleine, mit winzigen Gemeinheiten gespickte Unter­griffe sollten schon gestattet sein. Gute Politiker verstehen es, über einen Witz, in dem sie im Mittelpunkt stehen, zu lachen. Sie verstehen es, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Das war früher so. Heutzutage haben es jedoch die Politiker anscheinend verlernt, zu lachen. Oder nehmen sie ihre Aufgabe zu ernst? Nehmen sie sich selbst zu wichtig?

Keine Beleidigungen

Ex-Bundeskanzler Viktor Klima und viele Politiker von damals legten sogar Wert da­rauf, verrissen zu werden. Dafür landete schon manchmal ein Scheinchen in der Kaffeekasse der närrischen Gesellschaft. Nur, wie weit sollte man mit den Schmähs gehen? Persönlich beleidigen sollte man den Angesprochenen natürlich nicht. Obwohl Kurz selber auch weiß, dass seine Ohren groß sind. Also sehr wohl imstande ist, damit fertig zu werden. Und Politiker sind nun einmal öffentliche Personen und stets im Rampenlicht. Zeitung, Rundfunk, TV, und so weiter, überall sind sie präsent. Vielfach hat man ja schon Angst, eine Konservendose zu öffnen.

An den Pranger

Wie auch immer. Ein Narr sollte das Recht, wenn nicht sogar die Pflicht haben, Politiker an den Pranger zu stellen. Sich über die Fehler lustig zu machen und so einen Hinweis auf die Weisheit zu geben, dass auch Politiker das Recht haben, Fehler zu machen. Vielleicht sind es sogar die Narren, die in der heutigen Zeit Politik sympathischer, wenn nicht menschlicher erscheinen lassen. Ein Narr, wer glaubt, dass es nicht so ist.

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