Die Schlacht um Österreich

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Im österreichischen Boxsport gibt es aktuell einen Kampf, auf den alle gewartet haben. Am 13. April kommt es in der Wiener Erste Bank Arena zum Profibox-Duell zwischen Marcos Nader und Gojko "Gogi" Knezevic. Während Nader das Image des anständigen Familienvaters erfüllt, galt Knezevic früher als Badboy, Gefängnisaufenthalt inklusive. Heute ist er ein Vollprofi, sehr gläubig und familiär. alles roger? bat die zwei Fighter zu einem launigen Gespräch über Shitstorms, Rivalität und Frauenboxen.


Interview: Roland Hofbauer

Es herrscht schon lange Rivalität zwischen Ihnen. Wie ist es nun dazu gekommen, dass dieser Kampf, der den Fans seit vielen Jahren in Aussicht gestellt wurde, endlich stattfindet?

Nader: Es wurde ja viel darüber geredet. Mein Bruder, der auch mein Trainer ist, hatte die blendende Idee, einen Kampf gegen den Gogi Knezevic zu machen. Bei meinem Comeback habe ich einen Knezvic (Darko) geboxt, der ist aber nicht lange gestanden. Also haben wir gesagt, da müssen wir uns einen holen, der ein bisschen besser ist, so haben wir bei "Gogi" Kneevi? angefragt und er wollte. Es war der richtige Zeitpunkt und ich bin froh, dass es dazu kommt und dass er zugesagt hat.

Knezevic: Ich wollte Marcos Nader schon immer boxen, nicht weil er so schlecht ist, sondern weil er gut ist. Ich will immer die Besten boxen. Das ist, glaube ich, der Sinn im Leistungssport. Marcos Nader ist eine neue Herausforderung für mich und ich glaube, ich bin auch eine für ihn. Aber das werden wir dann nach dem Kampf, nach den zwölf Runden, sehen. Ich freue mich schon darauf. Ich kann mich nur bei Daniel Nader und beim Team Bounce bedanken, dass sie das auf die Beine stellen, denn so ein Event ist keine einfache Sache. Das kostet auch sehr viel Geld. 

Ist die "Schlacht um Österreich" etwas Besonderes für Sie?

Nader: Auf jeden Fall. Ich weiß nicht, wie lange es schon um diesen Kampf geht, aber sicher seit vielen Jahren. Es ist ja nicht nur ein Boxkampf. Es geht auch um eine persönliche Sache, zumindest ist es so bei mir. Es wurde ein Shitstorm gegen mich ausgelöst, genauso wie gegen Gogi. Insofern ist es mir - und da kann ich jetzt nur von mir reden -, scheißegal, ob es da um den Titel geht, ob der Kampf sechs oder zehn Runden dauert. Ich will einfach nur gegen ihn boxen. Das ist die Hauptsache.

Knezevic: Ich bin jetzt 39 Jahre alt und werde bald 40. Und ich bin immer, immer, immer sehr ehrlich gewesen. Damit haben die meisten Menschen ein Problem. Ich habe gegen Marcos als Person überhaupt nichts, aber es hat viele Schwierigkeiten gegeben. Provokationen von seinen Fans, nicht von ihm ausgehend. Ich habe natürlich zurückgeschossen. Wir haben uns über die Medien beleidigt. Es war ein ständiges Hick-Hack. Jetzt sind wir hier und wir haben unterschrieben. Nun können endlich unsere Fäuste sprechen. Ich wollte, dass es dazu kommt und er auch. Ohne das ganze Drumherum, die Beleidigungen und Beschimpfungen, wäre es gar nicht dazu gekommen. 

Gehört eine gewisse Show nicht auch zum Boxen dazu?

Knezevic: Ich sage dazu ganz ehrlich: Es war keine Show. Ich war schon ein paar Mal kurz davor, in sein Boxstudio zu fahren, damit wir es uns gleich dort ausmachen. Aber ich sage auch ganz ehrlich: Da sind nicht die Brüder Marcos und Daniel Nader schuld, da trage ich selber Schuld, weil ich sehr emotional bin und Sachen aufgreife, die sie nicht einmal persönlich gesagt haben. Im österreichischen Boxsport gibt es in den letzten 15 Jahren beim Profiboxen zwei Namen in den Medien: Nader und Knezevic. Die Familie Nader und das Team Bounce haben für den österreichischen Boxsport, das muss ich ehrlich zugeben, eine Riesenleistung vollbracht. Als ich vor 15 Jahren Profi geworden bin, waren wir in einem Team. Wir haben bei Schwarz-Weiß Wien als Amateure geboxt. Damals sind zwei- oder dreihundert Leute zu den Veranstaltungen gekommen. Jetzt kommen Drei- bis Viertausend und der ORF ist auch dabei. Die zwei ausschlaggebenden Personen dafür sind Marcos Nader und ich. Wir haben es so weit gebracht, und natürlich die gesamte Familie Nader mit dem Boxsport-Zentrum Bounce.

Und für Sie war das ein bisschen Show, oder haben Sie das wirklich auch so ernst genommen?

Nader: Ich habe das schon ernst genommen, na sicher. Ich kann nichts dafür, dass von meiner Seite, also von verschiedenen Leuten, ein Shitstorm ausgelöst wurde. Das habe ja nicht ich bestimmt. Ich habe niemanden provoziert und gesagt: Schicke auf Facebook eine Nachricht und beleidige Gogi. Im Gegenteil, ich bin jemand, der das nicht macht. Er hat das damals aber persönlich genommen und dann ist es für mich auch persönlich geworden. Die Show gehört halt dazu, aber bei uns ist sie nicht aufgesetzt, sondern ist wirklich passiert.

Würde man sich als Profiboxer dazu hinreißen lassen, sich auf der Straße zu prügeln?

Knezevic: Ehrlich, die Situation war so angespannt und ich habe nicht gewusst, wenn ich ihn auf der Straße treffe, was passiert. Der Marcos und ich sind zwei ganz verschiedene Typen. Ich bin anders aufgewachsen und bin sehr emotional. Ich bin in drei Sekunden auf 500, aber bin in drei Sekunden auch wieder auf null. Deswegen weiß ich, ich werde topfit sein für den Kampf und er wird topfit sein. Ich habe im Gefühl, dass es ein Superkampf sein wird und ich glaube, dass wir uns stark prügeln werden. Aber das ist Okay, das gehört zum Sport dazu. Und was im Vorfeld war, gehört auch dazu, das war aber wirklich nicht aufgesetzt und auch keine Show.

Nader: Na ja, wir sind zivilisierte Menschen, aber wenn er mir eine in die Goschen hätte hauen wollen, dann hätte ich zurückgehaut.

Was halten Sie vom Frauen-Boxen? Ehrlich! 

Knezevic: Ehrlich, ganz ehrlich, überhaupt nichts. Ich weiß genau, dass die Leute jetzt sagen werden: Oh, was will der Gogi jetzt wieder. Man muss doch sagen, was die Leute hören wollen. Aber ich habe nie gesagt, was die Leute hören wollen. Das ist mir egal. Ich bin nicht in der Position, dass ich Leuten gefallen muss. Ich bin in der Position, weil ich hier sein wollte, weil ich es sehr hart gehabt habe. Ich halte vom Frauen-Boxen nicht viel, weil Frauen für mich etwas Zärtliches sind und Mütter. 

Nader: Ich bin nicht seiner Meinung. Er hat noch kein Kind, aber wird bald eines haben, und wenn er sieht wie seine Frau ein Kind gebiert, dann wird er sehen, dass sie nicht so zärtlich und weich ist. In Zeiten der Emanzipation ist es auch sehr wichtig, dass eine Frau, wenn sie boxen möchte, auch boxen soll.

Finden Sie es leiwand, wenn sich zwei Frauen ?in die Goschn? hauen?

Nader: Na ja, leiwand..., aber wenn es das Ziel ist.

Knezevic: Es ist zwar eine Show, es ist nicht schlecht, aber ich bin nicht unbedingt ein Fan davon.

Ich weiß, Sie stehen in der Nacht auf, um einen Profiboxkampf der Männer live zu sehen. Würden Sie sich auch den Wecker für einen Damen-Kampf stellen?

Nader:Es gibt eine Amerikanerin, Claressa Shields, die beim Olympischen Boxen Olympiasiegerin geworden und jetzt bei den Profis ist. Oder die Katie Taylor, die hat einen Chinesen umgehauen, aus dem chinesischen Nationalteam. 

Knezevic: Aber das ist keine typische Frau.

Nader: Das ist mir Wurscht, aber ich würde mir sie ansehen.

Knezevic:Aber schau, das ist das was ich sage, und das ist der Unterschied. Ich pfeif? drauf, ob das die Ansagen sind, die die Menschen gerne hören wollen. Ich lebe nicht dafür, dass die Leute mich gernhaben. 

Nader: Aber ich habe dich gern.

Knezevic: Wer mich gern hat, hat mich gern. Wer mich nicht gern hat, kann mich gernhaben. Ich bin hart aufgewachsen. Wirklich, wirklich hart. Ich habe Sachen gesehen, die ein Kind nicht sehen sollte. Mein Vater war wirklich ein reicher Mensch, aber in dem Moment, als er alles verloren hat, hat es keine Freunde mehr gegeben. Solange du oben bist, wirst du geliebt, verlierst du einen Kampf, bist du schon wieder weg. Deswegen lebe ich für meine Familie und für meine Freunde. Ich werde immer meine Meinung sagen so wie sie ist.

Wie ist Ihre Taktik für den Kampf? Wollen Sie ein K.O., oder was stellen Sie sich vor?

Nader: Wir haben uns eine Taktik zurechtgelegt. Wir haben einen Plan. Wir haben auch einen zweiten Plan und einen dritten Plan. Wir haben so viele Pläne, dass sein Plan nicht aufgehen wird. 

Knezevic: Schau, er kann reden was er will. Ich kenne ihn schon sehr lange. Ich weiß was seine Taktik ist, im Leben und auch im Ring. Ich kenne seine Taktik, und die ist defensiv. Das hat auch das Gespräch hier gezeigt, weil er nicht offensiv sein kann. Meine Taktik ist immer offensiv gewesen und die wird dieses Mal auch offensiv sein. Ich habe das Gefühl, dass der Kampf sehr gut sein wird, denn unsere beiden Stile passen gut zueinander. Ich bin offensiv und er ist ein top defensiver Boxer, ein Techniker und daher glaube ich, es wird ein guter Kampf.

Wird das Ihr Abschiedskampf werden? 

Knezevic: Ich habe schon einige Abschiedskämpfe gemacht. Wenn Du willst können wir uns aber jetzt ausziehen. Ich bin 39, aber wenn wir uns ausziehen, werden wir gleich sehen, wer besser ausschaut. Ich oder der 29-jährige Bua.

Nader: Heute ist er wirklich offensiv. Aber er isst viel zu wenig, deswegen schaut er so aus.

Knezevic: Ich trainiere viel. Ich habe zu Silvester um Mitternacht, als alle angesoffen waren, zwei Runden am Ring gedreht.

Nader: Mit dem Auto?

Knezevic: Ich bin gelaufen. Ich trainiere gerne. Ich bin zwar 39, aber ich habe gestern meinen Leistungstest von damals mit dem aktuellen verglichen, und es gibt Punkte, in denen ich heute besser bin. 

Schickt Marcos Gogi mit einer Niederlage in Pension, oder wird der Routinier dem Jüngeren eine Lehrstunde verpassen? 

Nader: Es ist das Ziel, ihn in Pension zu schicken. Ich muss motiviert sein und top vorbereitet, ansonsten wird es schwer gegen ihn.

Knezevic: Ich habe erlebt zu gewinnen und zu verlieren. Es gibt keine Situation im Ring, die mich überraschen könnte. Deswegen bin ich sehr routiniert. Aber ich habe einen kleinen Druck, weil meine Familie dabei ist. Ich will das Burli besiegen, was ganz normal ist, aber es ist kein riesengroßer Druck.

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